16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Kiel, die Hochburg der Ladendiebe

Kriminalstatistik Kiel, die Hochburg der Ladendiebe

Ladendiebe stellen den Einzelhandel in Kiel vor immer gewaltigere Probleme: Laut Kriminalstatistik sind 2015 fast 40 Prozent mehr Fälle angezeigt worden als im Jahr zuvor. Eine Erklärung für die Entwicklung hat die Polizei nicht.

Voriger Artikel
Kanalfähre „Adler 1“ muss aus dem Wasser
Nächster Artikel
Neue Ermittlungen zum Tod von Jenny Böken

Die Zahl der Ladendiebstähle hat in Kiel im vergangenen Jahr rasant zugenommen. Eine schlüssige Erklärung für diese Entwicklung hat die Polizei nicht.

Quelle: Felix Kästle/dpa

Kiel. 2478 Ladendiebstähle sind im vergangenen Jahr bei der Polizei angezeigt worden. Das sind 690 mehr als noch 2014 und eine Steigerung von 38,6 Prozent. Die Polizei unterscheidet zwei Arten von Ladendiebstählen – die klassischen Fälle, bei denen Waren wie Parfüms, Zigaretten oder Alkohol aus dem Regal genommen und in die Tasche gesteckt werden, und sogenannte Straftaten unter erschwerenden Umständen. „Dies liegt vor, wenn eine Ware besonders gesichert wurde und diese Sicherungsmaßnahme umgangen wird, zum Beispiel durch das Entfernen von Sicherungsetiketten an Kleidungsstücken“, sagt Matthias Arends von der Polizeidirektion Kiel. Und in diesem Bereich sind die Fallzahlen geradezu explodiert: 107 Straftaten waren es 2014, im abgelaufenen Jahr mit 221 Anzeigen mehr als doppelt so viele.

Landesweit hat die Anzahl von Ladendiebstählen zwar auch um 1347 auf zuletzt 11 863 Fälle zugelegt, der Zuwachs ist mit 12,8 Prozent allerdings deutlich geringer als in der Landeshauptstadt. Eine Erklärung für diese Entwicklung hat die Kieler Polizei nicht. „Ladendiebstahl wird uns nur dann bekannt, wenn er angezeigt wird, somit sind die Sicherungstechnik und die ,Arbeitsqualität’ der Ladendetektive für den Anstieg ausschlaggebend“, sagt Behörden- sprecher Arends. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem deutlichen Plus an Straftaten mit der 2015 stark angestiegenen Anzahl von Flüchtlingen gibt, kann die Polizei nicht sagen. Ohne eine aufwändige Detailanalyse der Kriminalstatistik im Bereich der Ladendiebstähle sei dies nicht zu beantworten, so Arends.

Einen Zusammenhang mit dem im Oktober 2015 von Kiels Polizei-Chef Thomas Bauchrowitz angeschobenen und letztlich kassierten Vorstoß, Flüchtlinge ohne Ausweispapiere oder behördliche Registrierung bei „einfachen/niedrigschwelligen Delikten“ wie Ladendiebstahl strafrechtlich nicht mehr zu verfolgen zu wollen, gebe es nicht. Pauschal könne die Polizei nur feststellen, dass von den insgesamt 8798 ermittelten Tatverdächtigen in Kiel 2253 nicht-deutscher Nationalität waren. 2014 waren es 1480 gewesen. Das ergibt einen Anteil von 25,6 Prozent (plus 7,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014). „Wenn man diesen Wert um die ausländerrechtlichen Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht bereinigt, ergibt sich noch ein Anteil von 21 Prozent“, sagt der Polizei-Sprecher.

Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord in Kiel, hat ebenfalls keine Erklärung für den rasanten Anstieg an Diebstählen. „Fest steht, dass der Handel im Land 2015 einen Schaden von rund 85 Millionen Euro zu beklagen hat, zugleich aber 48 Millionen Euro in Prävention und Schutzmaßnahmen investiert hat“, sagt der Verbands-Chef und klagt über eine noch deutlich höhere Dunkelziffer. „Wir kalkulieren mit einem Schaden von 283000 Euro pro Verkaufstag in Schleswig-Holstein“, so Böckenholt. Dem Vorstoß von SPD-Fraktionschef Ralf Stegner, zur Entlastung der Polizei geringwertige Ladendiebstähle künftig nur noch als Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen, erteilt Böckenholt eine Absage: „Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt, das Eigentum muss geschützt werden.“ Zur Abschreckung seien schnelle Urteile gegen Täter notwendig. „Wichtig ist nur, dass die sogenannte Geringfügigkeitsgrenze von 25 Euro gesetzlich fixiert wird.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3