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Welle der Hilfsbereitschaft trägt die Helfer

Neues Sammellager Welle der Hilfsbereitschaft trägt die Helfer

Die Initiative „Kiel hilft Flüchtlingen“ ist eine beispiellose Geschichte von Bürgerengagement in der Landeshauptstadt. Jetzt geht das Freiwilligen-Netzwerk in ein neue Phase. Ein 1400 Quadratmeter großes Sammel- und Sortierlager in der Preetzer Straße ermöglicht es künftig, dass mit professioneller Logistik geholfen werden kann.

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Hochbetrieb in der Preetzer Straße: Sebastian Rehbach (3.v.li.) wird auch im neuen Sammellager Koordinator, Manager und Seele des Freiwilligenbetriebs sein. Rechts: Initiatorin Faiza Tahir.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Vor vier Monaten hat Faiza Tahir über Facebook einen Raum gesucht, um Kleiderspenden für Flüchtlinge zu sammeln. „20 Quadratmeter, eine Steckdose für einen Wasserkocher wäre klasse“, lautete ihr Wunsch. Jetzt steht die 29-Jährige Studentin in einer riesigen Halle in Gaarden und kann es immer noch nicht begreifen, welche Wellen der Hilfsbereitschaft sie in Gang gesetzt hat. Über das Netzwerk werden Freizeit, Sprachunterricht und vielfältige Hilfen organisiert. Allein 55000 Kleidungsstücke und Tausende von Schuhpaaren wurden gesammelt, nach Größen und Art sortiert und dann passgenau an Flüchtlinge abgegeben – längst nicht mehr nur in Kiel, sondern an die Erstaufnahmen im ganzen Land. Eine schnelle, unkomplizierte Hilfe, die ankommt – und nicht nur den Nerv von Katrin Aldinger-Kahnt trifft. „Ich habe davon in der Zeitung gelesen, seither mache ich immer mal zwei, drei Stunden mit, wenn mein Beruf mir Zeit lässt, und sortiere in dem Sammellager vor allem Strümpfe. ,Kiel hilft Flüchtlingen’ bringt die Menschen über alle Alters-, sozialen oder religiösen Grenzen zusammen – und das klappt! Kiel ist einfach klasse“, sagt die 56-Jährige.

 „Es ist unglaublich, wie viele Menschen hier uneigennützig wie ein riesiges Uhrwerk zusammenarbeiten. Wenn das ein Wirtschaftsunternehmen wäre, wäre es mega-erfolgreich“, findet auch Enrico Waehnke, der der Initiative bisher das Sammellager in der Gärtnerstraße zur Verfügung gestellt hat. Weil Waehnkes Vertrag jetzt ausläuft, wurde dringend ein neues Lager gesucht. Und wieder gab es schnelle, unentgeltliche Hilfe von vielen Seiten: Die Evangelische Stadtmission stellt kostenlos ihre alte Werkhalle bereit, die 2017 abgerissen werden soll. Der Architekt Rainer Paetow plante unentgeltlich die Instandsetzung, die Stadtwerke stellten ihre Azubis frei, sorgen für eine mobile Heizversorgung und sponsern die Energieversorgung. Zusätzlich sorgten 30 Handwerksbetriebe und unzählige Helfer dafür, dass das Gebäude nach nur drei Wochen nutzbar ist. Und der Paritätische, der „Kiel hilft Flüchtlingen“ bereits mit Büroräumen, Fahrzeug und einem Konto unterstützt, wird Geld aus der NDR-Aktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ bereitstellen.

 „,Kiel hilft Flüchtlingen’ hat Ressourcen an bürgerschaftlichem Engagement freigesetzt, von denen viele gar nicht wussten, dass es sie überhaupt gibt. Und ich hoffe, dass wir diese Ressourcen auf Dauer weiterpflegen können“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.

 Wer etwas spenden möchte (aktuell werden Winterkleidung in kleinen Größen, Hygieneartikel und Kinderwagen benötigt), kann immer sonnabends von 10 bis 15 Uhr in dem neuen Sammellager, Preetzer Straße 5, vorbeikommen. Am 12. Dezember gibt es dort einen Tag der offenen Tür (10 bis 16 Uhr). Wer beim Sortieren helfen möchte, ist ab 7. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr willkommen.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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