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Auf den Spuren der antiken Seefahrt

Saudi-Arabien Auf den Spuren der antiken Seefahrt

Im Dienst von Forschung und Wissenschaft ist Unterwasserarchäologe und Forschungstaucher Florian Huber (40) aus Kiel längst mit allen Wassern der Weltmeere gewaschen. Jetzt nimmt er an einer ganz besonderen Fortbildung teil - in Saudi-Arabien.

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Neben Florian Huber war auch der Kieler Forschungstaucher und Biologe Christian Howe (Foto) als Ausbilder von vier saudischen Tauchern in Djidda im Einsatz. Die Taucher sollen künftig Fundstellen wie dieses Wrack aufspüren und dokumentieren.

Quelle: Florian Huber

Kiel/Djidda. Er hat auf den Spuren der Maya geheimnisvolle Höhlen in Mexiko erkundet und Schiffswracks in der Ostsee dokumentiert, er ist durch Tunnel getaucht und hat historische Funde aus einem 50 Meter tiefen Brunnen in Nürnberg ans Licht geholt. Kein Wunder also, dass die Philipps-Universität Marburg den erfahrenen Forscher und seiner Kollegen Christian Howe als Experten für eine ganz besondere Fortbildung in Saudi-Arabien angeworben hat.

Keine systematische Dokumentation

Das Forschungsprojekt vor der Küste Saudi-Arabiens dreht sich um die antike Seefahrt und den Handel im Roten Meer. Ausgehend von der Hafenstadt Djidda suchen die Wissenschaftler des Archäologischen Seminars der Marburger Universität unter Leitung von Prof. Winfried Held auf einer Strecke von 200 Kilometern die Küstenlinie nach Spuren antiker und mittelalterlicher Seefahrt ab. Das können Schiffswracks, Hafenanlagen oder Ankerplätze sein. Djidda war schon in der Antike ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und die Küste – wegen ihrer zahlreichen vorgelagerten Korallenriffe – eine echte Herausforderung für Seefahrer. Die Marburger Wissenschaftler betrachten ihr Projekt als „Grundlagenforschung mit erheblichem Potenzial“, denn bis auf ein paar wenige Fundstücke, die Sporttaucher vom Meeresgrund mitgebracht haben, existiere bis heute keine systematische Lokalisierung und Dokumentation von Fundstellen.

Finanziell unterstützt und begleitet wird das Kooperationsprojekt der Marburger und der König-Saud-Universität in Riad von der saudischen Kommission für Tourismus und nationale Denkmäler (SCTH). Und hier kommen Florian Huber und seine Kieler Kollegen ins Spiel. Denn für den Aufbau einer eigenen Gruppe von Forschungstauchern brauchte die SCTH ein Expertenteam, das den saudischen Tauchern die Besonderheiten der Unterwasserarchäologie nahebrachte. „Wir sind spezialisiert auf sehr komplexe Tauchgänge“, sagt Florian Huber, der inzwischen aus Djidda zurück ist. „Wir“, das sind neben Florian Huber die Meeresbiologen und Forschungstaucher Uli Kunz, Philipp Schubert, Robert Marc Lehmann und Christian Howe. Die fünf Wissenschaftler sind ein eingespieltes Team, das mit seinem Kieler Unternehmen „Submaris“ von der Planung und Durchführung wissenschaftlicher Tauchgänge über Dreharbeiten unter Wasser bis hin zur Auswertung alles anbietet, was man als Forscher im und unter Wasser braucht.

"Eine wichtige Erfahrung"

Für das „ambitionierte Projekt“ in Saudi-Arabien haben Huber und Howe vier einheimische Taucher ausgebildet. Die SCTH will ihre archäologischen Schätze im Meer künftig auch ohne Hilfe aus dem Ausland finden und bergen können. Doch das geht nicht von heute auf morgen. „Unterwasserarchäologisch ist dort noch nichts passiert“, sagt Huber. Deshalb hat er vor Ort neben allgemeinen Tipps und Tricks vor allem technisches Wissen vermittelt, zum Beispiel über das Filmen und Fotografieren in der Tiefe, über Kabelführung, Tauchgänge mit Unterwasser-Scooter und den Umgang mit Funden. Alles in englischer Sprache. „Das war eine wichtige Erfahrung und hat auch uns gezeigt: Wir können international mithalten“, sagt Huber.

Hürden galt es vor allem über Wasser zu bewältigen, denn die kulturellen Unterschiede und strengen Kontrollen waren ungewohnt für das deutsche Team. „Auf See sind wir manchmal von der Armee überwacht worden.“ Auch die Tatsache, dass die Taucher in Djidda ihre Ausrüstung nicht selbst schleppten, sondern von Bediensteten tragen ließen, sei gewöhnungsbedürftig. Aber es hat sich gelohnt. „Wir haben Amphoren entdeckt, die möglicherweise auf ein römisches Wrack hindeuten.“ Diese und alle anderen bislang entdeckten Fundstellen sollen in naher Zukunft genauer untersucht werden – unter anderem mit unterwasserarchäologischem Know-How aus Kiel.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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