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Experten zu Gast an der Förde

Treffpunkt der Chemie-Elite Experten zu Gast an der Förde

Kiel wird zum Treffpunkt der Chemie-Elite, die die Welt des Winzigen erkundet. 160 internationale Expertinnen und Experten diskutieren ab morgen bis zum 4. September beim „European Symposium on Organic Reactivity“ (Esor) an der Kieler Universität die neuesten Erkenntnisse über Reaktionen, Herstellung von Molekülen und molekulare Maschinen.

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Prof. Rainer Herges vom Sonderforschungsbereich „Funktion durch Schalten“ an der CAU und Doktorand Marcel Dommaschk schauen genau hin.

Quelle: Herges

Kiel. Prof. Jean-Marie Lehn, Chemie-Nobelpreisträger von 1987, wird die Tagung eröffnen. Lehn passt wie der Tagungsschwerpunkt über Nano-Chemie gut zu Kiel mit seiner langen Tradition von Spitzenforschern der Organischen Chemie: Das meint jedenfalls Gastgeber Prof. Rainer Herges, selbst ein weltweit anerkannter Wissenschaftler. Die Reihe von 57 Vorträgen ehrt die Begründer der Nanowissenschaften in Kiel, die Nobelpreisträger Max Planck und Otto Diels. Diels entdeckte zusammen mit seinem Schüler Kurt Adler die Diels-Adler-Reaktion, die es ermöglicht, bestimmte Stoffe in Pflanzen künstlich zu erzeugen. „Wir stehen auf den Schultern von Giganten“, verweist Herges auch auf die Verdienste von Kieler Spitzenchemikern wie Theodor Curtius (1898-1897) und Ludwig Claisen (1897-1904). Ohne deren Vorarbeiten wäre die heutige Forschung mit dem Ziel, „die ultimative Verkleinerung von technischen Funktionen zu erreichen,“ gar nicht möglich.

 Seit 2006 ist Herges (60) Sprecher des Kieler Sonderforschungsbereiches 677 „Funktion durch Schalten“. Erst Ende Mai 2015 erhielt dieser Bereich auf dem Gebiet der molekularen Maschinen-Entwicklung erneut 8,9 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bereits in der ersten Förderperiode bis 2011 gelangen dem Team um den diesjährigen Träger des Kieler Wissenschaftspreises bahnbrechende Erfolge im Bereich „Nanowissenschaften und Oberflächenforschung“. So entdeckten die Wissenschaftler, dass es möglich ist, Moleküle als Magneten einzusetzen und diese mit Raumtemperatur gezielt zu steuern. Der winzige Schalter erregte weltweit Aufsehen und revolutionierte einige Wissenschaftsbereiche wie die Medizin oder die Solartechnik. „Kleiner ist oft besser, schneller und effizienter“, setzt Herges auf die Verbindung zwischen künstlichen Technologien und biologischen Systemen. So arbeitet sein Team derzeit daran, mit schaltbaren Wirkstoffen Tumore gezielter und damit schonender aufzuspüren.

 Ein Höhepunkt der Tagung ist die Verleihung der Diels-Planck-Lecture an Prof. Ben Feringa, Groningen. „Seine Arbeitsgruppe hat den weltweit ersten mit Licht betriebenen molekularen Motor gebaut“, erklärt Herges. In seinem öffentlichen Vortrag auf Englisch (3. September, 16.30 Uhr, Audimax, Christian-Albrechts-Platz 2), berichtet Feringa über seine Forschung an solchen molekularen Motoren, für die die Natur das Vorbild ist.

Zur Person

Chemie war Jean-Marie Lehn nicht in die Wiege gelegt: Er wurde 1939 in Rosheim im Elsass als ältester von fünf Söhnen eines Bäckers geboren. Den ersten Teil seines Studiums schloss er 1957 mit einem Bachelor in Philosophie und Experimentelle Wissenschaften ab. Erst dann spezialisierte er sich auf Physik und Chemie. Nach der Promotion folgte ein Forschungsaufenthalt beim Nobelpreisträger Robert B. Woodward an der Harvard University, wo er mit an der Synthese von Vitamin B12 arbeitete. Als Professor lehrt er in Straßburg, von 1980 bis 2010 auch in Paris. Den Nobelpreis erhielt er 1987 gemeinsam mit Donald J. Cram und Charles Pedersen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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