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Kiel rückt zusammen und schafft Platz

MFG-5-Gelände Kiel rückt zusammen und schafft Platz

Auf dem ehemaligen MFG-5-Gelände in Holtenau schafft die Stadt noch mehr Platz für Flüchtlinge. Wenn die Prognosen des Landes eintreffen, muss Kiel zu den bereits 2000 registrierten Asylsuchenden in den kommenden Wochen bis zu 2500 weitere Personen aufnehmen.

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Flüchtlingsunterkünfte in den Kasernengebäuden auf dem ehemaligen MFG-5-Gelände: Die Mehrzweckhalle soll Begegnungsstätte werden.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Bei einer Ortsbegehung erklärte Sozialdezernent Gerwin Stöcken etwa 30 Ortsbeiräten aus Holtenau und Friedrichsort sowie Interessierten die Pläne der Verwaltung. Andere Liegenschaften der Bundeswehr werden bereits hergerichtet. Auch das Gebäude des Wehrbereichskommandos an der Kiellinie ist im Gespräch.

 „Wir wollen jetzt auf dem Areal 800 bis 1000 Menschen unterbringen, weil der Druck einfach zu groß ist“, sagte Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken. Die große ehemalige Kantine und zwei Kasernen an den Seiten werden derzeit hergerichtet. In der Kantine leben bereits Menschen in Holzverschlägen. „Die großen Räume haben wir mit Boxen unterteilt, damit jeder ein bisschen Privatsphäre hat“, erklärte Stöcken. Da damals die Bundeswehr bei ihrem Rückzug sämtliche Versorgungsleitungen abgeklemmt hat, sorgt jetzt ein kleines Blockheizkraftwerk für Energie. Die Stadt hat zusätzlich Sanitärcontainer aufstellen lassen, weil es dort zu wenige Toiletten und Duschen gibt. Drei weitere Gebäude direkt am Fuß- und Radweg könnten kurzfristig eingerichtet und bezogen werden. Allerdings haben die Experten vom Kampfmittelräumdienst bei Luftbildauswertungen hier zwei verdächtige Punkte ausgemacht. „Bis Ende der Woche sollen wir Gewissheit haben. Liegen hier Blindgänger, müsste das Gelände geräumt werden“, sagte Stöcken.

 Der Sozialdezernent berichtete weiter, dass der Christliche Verein, der die Flüchtlinge betreut, personell an die Grenze gekommen ist. „Jetzt werden DRK und Awo unterstützen“, so Stöcken. Die ehemalige Hubschrauberhalle soll eine Begegnungsstätte mit Internetcafé auch für die Kieler werden. „Wir können uns hier einen Markt mit Kleidung und Lebensmitteln vorstellen“, sagten die beiden Ortsbeiratsvorsitzenden Hans-Meinert Redlin (Friedrichsort) und Herbert Kulbarsch (Holtenau). Ihnen sei es wichtig, dass an dieser Stelle Kieler in Kontakt mit den Flüchtlingen kommen. In beiden Stadtteilen gebe es eine große Offenheit und Bereitschaft, den Menschen zu helfen. „Wir suchen jetzt Ideen, wie wir die Asylsuchenden beschäftigen können“, erklärten Redlin und Kulbarsch. Dass auf dem Gelände eine entspannte Stimmung herrscht, bestätigte die Polizei: „Es gibt keine Probleme. Das Miteinander ist sehr unproblematisch“, sagte Peter Senger, Chef der Station in Friedrichsort.

 An anderer Stelle wird bereits kräftig gewerkelt. Demnächst soll die Marinetechnikschule im Marinequartier in der Wik fertig sein. Auch die Fachschule der Bundeswehr in unmittelbarer Nähe stünde zur Verfügung, so Stöcken. Da das Gebäude Setzrisse hat und Feuchtigkeit in den Mauern steckt, wäre allerdings ein höherer baulicher Aufwand nötig. Viel Platz wäre im Wehrbereichskommando an der Kiellinie. Das Land hat den denkmalgeschützten Prachtbau gekauft und will dort irgendwann die Finanzverwaltung bündeln. Da der Druck so hoch sei, sollte das Land diese Planung aber zurückstellen, heißt es von Seiten der Stadt. Zudem sei es für die Verwaltung schwierig, mit den zuständigen Stellen beim Land über die Nutzung der Immobilie ins Gespräch zu kommen. Aber Stöcken ist zuversichtlich, dass Kiel die Flüchtlingskrise meistert: „Frau Merkel hat gesagt, wir schaffen das. Darum tut Kiel alles, damit sich die Kanzlerin nicht blamiert.“

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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