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Im Moment ist die Lage entspannt

Transitflüchtlinge Im Moment ist die Lage entspannt

Trotz einer vergleichsweise ruhigen Nacht zum Freitag mit nur rund 230 Flüchtlingen in der Markthalle in Kiel bleiben Stadt und Land nach wie vor auf wachsende Flüchtlingsströme vorbereitet. „Die aktuell entspannte Situation kann morgen schon wieder vorbei sein“, erklärte Stadt-Sprecherin Annette Wiese-Krukowska.

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Sie haben es geschafft: 50 Tickets Richtung Schweden standen am Freitag wieder am Stena-Terminal in Kiel für Flüchtlinge zur Verfügung. Trotz der jetzt dafür nötigen Dokumente kam es nach Auskunft der Polizei zu keinen Rangeleien.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel.  Deshalb will die Stadt das C&A-Gebäude auch weiterhin nutzen, um dort bei wieder steigenden Zahlen Flüchtlinge unterbringen zu können. Nach Mitteilung der Sprecherin hat die Stadt mit dem Insolvenzverwalter sowie dem zukünftigen Eigentümer der leer stehenden Immobilie dazu jetzt eine entsprechende Vereinbarung treffen können.

 Auch das Land passt seine Entscheidungen „tagesaktuell“ an, wie der Sprecher der Innenministeriums, Patrick Tiede, betont. Dies bedeute zum Beispiel, dass der am Donnerstag vom Ministerium verhängte Aufnahmestopp so genannter Kontingentflüchtlinge aus anderen Bundesländern bis auf weiteres wieder aufgehoben werde: „Denn derzeit haben wir keine logistischen Probleme bei der Flüchtlingsunterbringung.“

 Ruhig blieb es am Freitag auch im Kieler Terminal der Stena-Line. Nur vereinzelt warteten Flüchtlinge auf ihre Weiterreise nach Göteborg. „Wir sind erschöpft, aber glücklich“, meinte Meisam Amini aus Afghanistan, präsentierte stolz seinen gültigen Pass sowie die Fährtickets. Für ihn und seine Familie hat die kräftezehrende Flucht damit wohl bald ein Ende. „Wir wollen zu unserem Sohn, der in Schweden lebt.“ Rund einen Monat waren seine Frau, die beiden Töchter und die drei Söhne unterwegs.Die Nachricht von den verstärkten Kontrollen an der schwedischen Grenzen habe natürlich zur Verunsicherung geführt, erklärt Amini. Um so glücklicher sei er nun, dass er und seine Familie mit an Bord der Fähre dürfen.

Blick nach Schweden

 Ob die schwedischen Behörden die Einreisebestimmungen verschärfen, ist noch unklar. Der schwedische Migrationsminister Morgan Johansson kündigte jedenfalls „weitere Maßnahmen“ an, um den Zustrom von Flüchtlingen zu bewältigen. Hintergrund dafür ist der Umstand, dass nach Angaben der schwedischen Migrationsbehörde die Flüchtlingszahlen trotz der Einführung von Passkontrollen an den Grenzen nicht zurückgingen. Laut schwedischer Polizei entschieden sich seit Einführung der Passkontrollen am Donnerstag rund 50 Flüchtlinge, die nach Norwegen oder Finnland weiterreisen wollten, zur Umkehr in ihre Heimatländer. Doch das ist nun nicht mehr möglich, Schweden sei kein Transitland, betonte ein schwedischer Polizeisprecher.

 Die Auswirkungen dieser Regelung spürte der Iraker Mohamed Layth, der am Freitag ohne Pass im Kieler Ostseekai strandete. „Ich wollte eigentlich nach Finnland“, erklärte der 28-Jährige in fließendem Englisch. Durch die Einführung der Grenzkontrollen hätten sich seine Pläne jedoch zerschlagen. Zusammen mit rund 30 anderen Flüchtlingen, die ebenfalls keine gültigen Papiere besaßen, wartete der gelernte Bootsbauer auf Neuigkeiten von Freunden und Verwandten. „Ich bin so unglaublich müde“, sagte Layth. Rund einen Monat Flucht hätten ihn ausgezehrt. Doch in Deutschland wolle er trotz all der Fluchtstrapazen nicht bleiben. Er habe Angst, dass ihm die Politik das Nachholen seiner Familie verwehren könnte. „Deshalb werde ich wieder zurück in den Irak gehen – zurück zu meiner Familie.“

Kiel wurde erst einmal unattraktiv

 Wie viele Flüchtlinge umkehren oder andere Wege nach Schweden suchen, konnte der Sprecher der Bürgerinitiative „Kiel hilft Flüchtlingen“ noch nicht einschätzen. „Fest steht nur, dass Kiel für Transitflüchtlinge Richtung Skandinavien durch die Einführung der Passkontrollen erst einmal unattraktiver geworden ist“, erklärte Christian Müller.  Ein klarer Hinweis darauf sei die rückläufige Zahl von Flüchtlingen in der Nacht zum Freitag, als die Helfer in der ehemaligen Markthalle etwa 230 Menschen zählten – so wenig wie seit fast acht Wochen nicht mehr.

 Auch die Bundespolizei beschreibt die Lage als ruhig. „Es gibt aus unserer Sicht auch gar keinen Grund für Himmelfahrtkommandos“, betonte Polizeisprecher Gehrhard Stelke. Damit gemeint sind waghalsige Aktionen von Flüchtlingen, die sich in Lkw verstecken, um Einreisekontrollen zu entgehen.  Doch das könnte sich nach Stelkes Einschätzung ändern, wenn die schwedischen Behörden die Einreiseverfahren strenger handhaben: „Aber was dann passieren könnte, ist reine Glaskugel-Leserei.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Nach einem eintägigen Aufnahmestopp nimmt Schleswig-Holstein wieder aus Bayern überstellte Flüchtlinge auf.

Nach einem eintägigen Aufnahmestopp nimmt Schleswig-Holstein wieder aus Bayern überstellte Flüchtlinge auf. Dies sei bei der täglichen Lagebeurteilung am Freitag entschieden worden, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums mit.

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