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Rollkommando wollte Schulden eintreiben

Kieler (19) vor Gericht Rollkommando wollte Schulden eintreiben

Wohnungseinbruch, räuberische Erpressung und Diebstahl wirft die Staatsanwaltschaft einem 19-Jährigen vor, der nach eigenem Geständnis einen Jugendlichen (17) in seiner Wohnung in Elmschenhagen überfallen hatte. Seit Mittwoch muss er sich vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

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Ein 19-jähriger Kieler muss sich vor dem Jugendschöffengericht unter anderem wegen räuberischer Erpressung verantworten.

Quelle: Angelika Warmuth

Kiel. Tatort war ein Einfamilienhaus in gehobener Wohnlage unweit des Wellseeufers. Für den bei seinen Eltern lebenden Auszubildenden stellte sich der abendliche Auftritt des Angeklagten und seiner teilweise maskierten Begleiter im Januar 2016 als brutales Rollkommando dar. Demnach liefen die ungebetenen Besucher im Dunkeln durch den Garten, zerschlugen die rückseitige Terrassentür und durchkämmten das Haus bis unters Dach.

Als der Spuk vorüber war, fehlten dem Geschädigten ein i-Phone, eine Playstation mit zwei Spielen, ein Tablet-Computer und eine portable Musikbox. Zum Prozessauftakt legte der Angeklagte nach langem Zögern ein Teilgeständnis ab. Zunächst hatte er behauptet, dort brav angeklopft zu haben, um von dem Jugendlichen Marihuana zu kaufen, das dieser selbst anbaue.

Opfer soll Anfang April aussagen

„Er hat mir die Tür aufgemacht, das Gras gegeben und das war’s.“ Nach eindringlichen Appellen der Jugendrichterin, die ihn an einschlägige Vorerkenntnisse und einen Fingerabdruck an der Terrassentür erinnerte, zog sich der Heranwachsende mit seinem Verteidiger zur Beratung zurück. Anschließend bot er dem Gericht eine neue Variante: Der Geschädigte, sagte er nun, habe ihm seit Monaten 200 bis 250 Euro geschuldet.

Dieses Geld, so der Angeklagte, habe er dem 17-Jährigen als Kredit für den Einkauf von Drogen zur Verfügung gestellt. Vergeblich habe er die Summe später zurückgefordert. „Ich wollte nur, was mir zusteht“, begründet er den Einbruch. Das Zerschlagen der Terrassentür gehe übrigens auf das Konto der anderen. Und bis auf das Smartphone seien es seine namentlich nicht genannten Kumpels gewesen, die sich am Besitz des Bewohners vergriffen hätten. Den schwersten Vorwurf der räuberischen Erpressung versuchte der Angeklagte mit der Behauptung zu entkräften, der Geschädigte habe das Smartphone freiwillig herausgerückt, um seine Schulden bei ihm zu bezahlen. Der Staatsanwalt regte an, den Geschädigten selbst zu diesem Punkt zu befragen. Der Zeuge hatte sich für den gestrigen Termin entschuldigt, er sei wegen einer wichtigen Ausbildungsphase am Arbeitsplatz unabkömmlich. Bei der Fortsetzung des Prozesses Anfang April soll er den Vorfall aus seiner Sicht schildern.

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