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Ein Profi-Video als Geschenk

Elektropunk-Trio Ein Profi-Video als Geschenk

Das Kieler Elektropunk-Trio „Sie kamen Australien“ präsentiert sich auf Youtube mit einem professionellen Video zur ihrem Lied „Die Basis unseres Systems" wie die Stars der Branche. Das Video drehte der Stefan Lehmann, der normalerweise sein Geld mit gut dotierten Imagefilmen verdient, kostenlos.

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Was unter normalen Umständen gute 20000 Euro verschlungen hätte, gab es für die Kieler gratis und frei Haus. Bassist Lars Stuhlmacher (rechts) während des Videodrehs mit der Band „Sie kamen Australien“ im Villa-Kub in der Legienstraße.

Quelle: Lars Wehrmann

Kiel. Wenn eine überwiegend lokal bekannte Band ein hochprofessionelles Video auf den Markt schmeißt, neigt der neutrale Betrachter zu der Annahme, für die Produktion sei eine ordentliche Stange Geld in die Hand genommen worden. Das Elektropunk-Trio „Sie kamen Australien“ hat zwar vergangene Woche exakt einen solchen Clip veröffentlicht. Das Besondere aber ist: Für die Produktion haben die Kieler Musiker nicht einen Cent bezahlt.

 Es wurde weder ein hoch dotierter Song-Contest gewonnen, noch ein satter Lottogewinn an Land gezogen – „Sie kamen Australien“ freuen sich vielmehr über das – in der Musikbranche nicht alltägliche – Resultat einer hiesigen Gemeinschaftsaktion mit ganz viel Lokalkolorit. Kreatives Crowdfunding könnte man das nennen, was dessen Initiator Stefan Lehmann auf die Beine gestellt hat. Die Geburtsstunde der Idee liegt ein Jahr zurück, als der freischaffende Kameramann ziemlich beeindruckt die Atmosphäre bei einem Live-Konzert der Band aufsog. Sehr schnell wurde ihm in diesem Moment klar, das Trio selbst in Szene setzen zu wollen. Nun ist das dreieinhalb Minuten-Ergebnis zum Song „Die Basis unseres Systems“ auf YouTube zu sehen.

Neugier auf Neues

 Warum Stefan Lehmann, der sein Geld normalerweise mit gut dotierten Imagefilmen für namhafte Unternehmen oder bei weltweiten Sportevents verdient, auf jegliches Honorar verzichtet hat, erklärt der 37-Jährige mit der „Neugier auf Neues“. Bei den „normalen Jobs“ sei er von Natur aus immer an die Wünsche und Endabnahme der Kunden gebunden. „Deshalb wollte ich jetzt mal wieder ein freies Projekt ohne irgendwelche Vorgaben machen“, erklärt er. „Alle, die geholfen haben, waren Feuer und Flamme. Auch ohne Bezahlung. Deshalb würde ich mich freuen, wenn sich möglichst viele Leute das Video anschauen würden. Aber genauso wichtig war für mich der Lernprozess“, so Lehmann. Die Geschichte des Videos und den Dreh im Villa-Klub, den die Betreiber ebenfalls kostenlos zur Verfügung stellten, schnitt er auf das Thema Licht zu. „Das war spannend und eine Herausforderung zugleich.“

 Regie, Dreh, Location, Technik, Schnitt und Personal – was unter normalen Umständen gute 20000 Euro verschlungen hätte, gab es für die Band gratis und frei Haus. Das Einzige, was Stefan Lehmann einforderte, waren Zeit und Engagement aller Beteiligten. Und damit war er vor allem bei „Sie kamen Australien“ genau an der richtigen Adresse. Dem Trio mangelt es generell nicht an Herzblut für Projekte. Sie schafften es zudem, die Profi-Schauspieler Marko Gebbert und Jennifer Böhm für das Video zu engagieren. „Das Alles ist im gemeinsamen Gefühl der Euphorie entstanden und wir fanden es damals sehr schmeichelhaft, als Stefan es anbot“, erzählt Gitarrist Henner. „Und als wir gesehen haben, was für ein Aufwand betrieben wurde, wussten wir, das wird gut. Und das wurde es – wir sind total begeistert. Außerdem finde ich es cool, dass so etwas auch mal in Kiel möglich ist und nicht immer nur in Berlin.“

Neues Album im Februar

 Für die 2011 gegründete Kieler Band, die von Schlagzeuger Simon Falk und Lars Stuhlmacher (Bass) komplettiert wird, kommt das Video genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie befindet sich buchstäblich in Aufbruchsstimmung. „Wir sind zwar keine 20 mehr, machen das hobbymäßig und stehen alle drei fest im Leben. „Wir müssen also nicht“, so Henner. „Trotzdem wollen wir die Leute mit unserer Musik begeistern.“ Helfen soll dabei neben dem Video vor allem das brandneue Album, das am 26. Februar veröffentlicht wird. Für die Produktion sicherte sich das Trio den H-Blockx-Bassisten Stefan „Gudze“ Hinz, der ein Jahr lang an dem Album tüftelte.

 „Wir haben uns dafür alle verschuldet. Aber die endlose Akribie, die Gudze reingesteckt hat, ist unbezahlbar“, sagt Henner. „Und das Schöne ist, dass er uns als Band verstanden hat. Er wollte uns nicht verdrehen. Und unsere Musik auch nicht.“ Diese bezeichnet die Band als „Fortsetzung der neuen deutschen Welle“. Die ausschließlich deutschen Texte beschreibt sie auf ihrer Homepage mit den Worten: „Runter in den Marianengraben des menschlichen Gewissens und wieder rauf zur Erkenntnis, dass Peter der Wolf ist.“ Klingt irgendwie auch wie kreatives Crowdfunding.

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