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Gemeinsam gegen das schlechte Image

Kieler Erklärung Gemeinsam gegen das schlechte Image

An einem Tisch redeten sie Gutes übereinander: Vertreter von Stadt, Wirtschaft und Gewerkschaften haben am Donnerstag in den Räumen der Walterwerke in Projensdorf die „Kieler Erklärung“ unterzeichnet – ein Arbeitsprogramm, mit dem der Industriestandort Kiel in den nächsten Jahren vorangebracht werden soll.

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Wollen gemeinsam das Image des Industriestandorts Kiel verbessern (v.l.): Frank Hornschu (DGB), Peter Seeger (IG Metall), IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Kiwi-Geschäftsführer Werner Kässens und Walterwerk-Geschäftsführer Andreas E. Eule.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Das Papier ist Ausdruck von gewachsenem Vertrauen“, freute sich Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Ulf Kämpfer (SPD), der gleichzeitig mahnte: „Die Arbeit fängt erst an.“ Im Mai 2015 wurde der sogenannte Industriepolitische Dialog ins Leben gerufen, dessen Beteiligte sich nun auf ein acht Seiten umfassendes Arbeitsprogramm geeinigt haben. Im Kern werden eine intensive Zusammenarbeit und gleichzeitig konkrete Ziele vereinbart. Deshalb wehren sich die Beteiligten auch gegen den Verdacht, nur warme Worte fixiert zu haben. „Das ist kein weiteres Spiegelstrichpapier“, sagte Kämpfer.

Vereinbart wurden beispielsweise schnellere Genehmigungsverfahren durch die Verwaltung oder auch ein besseres Kinderbetreuungsangebot für Berufspendler. Vorhaben also, deren Erfolg sich in einigen Jahren messen lässt. So sollen Unternehmen angelockt und Fachkräfte gebunden werden. Neben dem Bemühen um ausreichende Gewerbeflächen und einem engen Kontakt zum Arbeitsmarkt betonte Werner Kässens, Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderung, vor allem die Bedeutung des Standortmarketings. „Kiel hat bislang nicht das Image eines guten Industriestandorts“, sagte Kässens, der gerade von Europas größter Immobilien-Fachmesse Expo Real aus München zurückgekehrt ist. Das müsse sich dringend ändern.

Industriepolitischer Handlungsbedarf

Konkret ist das Papier aber auch im Hinblick auf lokale Infrastrukturprojekte. Namentlich die Verkehrsanbindung der Gewerbegebiete Projensdorf/Tannenberg sowie Neufeldstraße soll optimiert werden. Und ausdrücklich machen sich die Unterzeichner für den Erhalt der Start- und Landebahn in Kiel-Holtenau stark. „Damit bekomme ich politische Rückendeckung“, sagte Kämpfer. Die Rathauskooperation ist in dieser Frage noch uneins. Während die Grünen den Flughafen stilllegen wollen, betrachten der OB und die Sozialdemokraten den Flughafen als unverzichtbaren Teil der Kieler Infrastruktur. In Kürze wird ein Gutachten erwartet, das genauere Angaben zur Wirtschaftlichkeit des Flughafens machen soll.

Dass in Kiel industriepolitischer Handlungsbedarf besteht, ist unstrittig. „Anders als in Süddeutschland sind die Industriebetriebe bei uns noch nicht so gut vernetzt“, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann. In dieser Frage gibt es seltene Einigkeit zwischen Unternehmern und Gewerkschaften. „Nur Dienstleistung und Kiel Sailing City reichen für die Zukunft nicht aus“, sagte Peter Seeger, Geschäftsführer der IG Metall Kiel-Neumünster.

Belege für attraktive Industrie in Kiel

Auch Zahlen belegen, wie ernst es um den Industriestandort Kiel steht. Im vergangenen Jahr hatte die IHK Schleswig-Holstein eine Studie präsentiert, wonach sich die hiesige Industrie „im Vergleich zum Land und erst recht zum Bund weit unterdurchschnittlich entwickelt hat. Zwischen dem Jahr 2000 und 2012 ist die Kieler Wirtschaft demnach um 15 Prozent gewachsen – äußerst wenig im Vergleich zum Land (21 Prozent) und zum Bund (30 Prozent). Gleichzeitig sank der Teil der Industrie an der Bruttowertschöpfung Kiels um fast ein Drittel – von 13,7 auf 11,7 Prozent im Jahr 2013.

Immerhin: Im verarbeitenden und industriellen Gewerbe sind in Kiel noch mehr als 11.000 Arbeitsplätze vorhanden. Entsprechend dankbar zeigten sich die Unterzeichner über jeden Erfolg den vergangenen Jahren. Vor allem das neue Werk von Vossloh in Suchsdorf gilt als Beleg, dass Kiel weiterhin für Industrie attraktiv sei.

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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Ein bisschen merkwürdig ist das schon. Stadt, Wirtschaft und Gewerkschaften setzen sich in Kiel an einen Tisch und loben sich anschließend für etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: dass sie miteinander reden; dass sie Arbeitsplätze erhalten und schaffen wollen.

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