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Ritterschlag für die Moin-App

Kieler Flüchtlings-Software Ritterschlag für die Moin-App

100 Preise wurden im bundesweiten Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ vergeben – einer ging nach Schleswig-Holstein. Entsprechend stolz war das Team der Kieler Werbeagentur Markenwerk, das für die 2015 entwickelte „Moin Refugee App“ ausgezeichnet wurde.

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Feierstunde in der Alten Mu: Juliane von Throta von der Standortinitiative und Christian Maaß von der Deutschen Bank (re.) übergaben die undotierte Auszeichnung an Markenwerk-Geschäftsführer Birger Dethlefs.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die App soll Geflüchteten die Ankunft in Kiel erleichtern.

 Angefangen hat alles im Sommer vorigen Jahres, erzählt Birger Dethlefs, Geschäftsführer von Markenwerk am Donnerstag in der Alten Mu. Immer mehr Flüchtlinge seien zu diesem Zeitpunkt in Kiel angekommen, die Hilfsbereitschaft und das ehrenamtliche Engagement war groß. „Wir haben uns gefragt, wie wir mit unseren Kenntnissen und unserem Fachwissen helfen können“, erinnert sich der 40-Jährige. Schnell seien sie auf das Programmieren einer App gekommen. „Smartphones sind für Flüchtlinge ein wichtiges Kommunikationsmittel. Wir als Agentur haben schon verschiedene Apps entwickelt. Da lag es nahe, das zu kombinieren.“

 Ziel der kostenlosen App ist es, den Geflüchteten ihren Start in Kiel zu erleichtern. Auf einer Karte sind wichtige Anlaufpunkte wie Flüchtlingsunterkünfte, der Bahnhof oder der Ostseekai, der im vergangenem Jahr als Unterkunft für Transitflüchtlinge fungierte, eingezeichnet. Ein Foto zeigt jeweils das Gebäude und den Eingang. Außerdem enthält die App Hinweise, wo welche Anträge gestellt werden müssen und welche Ansprechpartner es bei Problemen gibt. Auch über das politische System in der Bundesrepublik und das gesellschaftliche und kulturelle Zusammenleben informiert die App. „Wir wollten Informationen bündeln, die verstreut auf verschiedenen Websites im Internet zu finden sind“, erklärt Dethlefs. Weil viele der Ankommenden kein Deutsch sprechen, wurden die Inhalte der App übersetzt. „Wir hatten Kontakt zu Geflüchteten, die uns bei der Übersetzung geholfen haben.“ Erst wurde der deutsche Text ins Englische übersetzt, anschließend ins Arabische, Persische, Albanische und Französische.

Einfacher vorgestellt

„Gerade am Anfang haben wir uns das einfacher vorgestellt“, erinnert sich der Markenwerk-Geschäftsführer. Alle Informationen haben sie selbst recherchieren und zusammenstellen müssen, das hat viel Zeit in Anspruch genommen. „Wir dachten anfangs ja, dass es vielleicht so etwas wie eine Liste gibt, die wir dann in der App verarbeiten.“ Ohne die große ehrenamtliche Unterstützung wäre die Gestaltung der App nicht möglich gewesen, betont Dethlefs. Auch viele der Helfer waren zur Preisverleihung gekommen. Die Markenwerk-Mitarbeiter haben ebenfalls ehrenamtlich für die Moin-App gearbeitet. „Die eine Hälfte hat für die App gearbeitet, die andere hat das Geld verdient“, sagt Dethlefs lachend. Etwa 60000 bis 70000 Euro hätte Markenwert so in die App gesteckt. Das mache sich bei einem kleinen Unternehmen wie diesem bemerkbar.

Renate Treutel, Stadträtin für Bildung, Jugend und Kreative Stadt, betont in ihrer Rede eben diese Teamleistung, vor der sie großen Respekt habe. „Sie haben der Stadt Kiel und den Bürgerinnen und Bürgern einen großen Dienst erwiesen.“ Außerdem freut sie sich über den Namen der App, die Verbindung aus Norddeutsch und Englisch stehe für das, was bei zivilgesellschaftlichen Engagement wichtig sei: Global denken, lokal handeln.

Birger Dethlefs und seine Mitarbeiter sind stolz auf den Preis und auf ihre „Moin Refugee App“. Knapp 5000 Mal ist sie seit ihrer Einführung im November 2015 schon heruntergeladen worden. Bisher sei auch ausschließlich positive Kritik bei ihnen angekommen, betonen die Macher. Mit dem Preis bleibt die Entwicklung der App aber nicht stehen. „Die Inhalte müssen fortwährend aktualisiert und ergänzt werden. Gerade weil sich viele Bestimmungen laufend ändern“, sagt Dethlefs. Außerdem plant Markenwerk, die App auf andere Städte und Kreise in Schleswig-Holstein auszuweiten. „Dafür brauchen wir aber auf jeden Fall finanzielle Unterstützung. Das schaffen wir nicht noch mal alleine“, sagt Dethlefs.

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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