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Modernste Entmagnetisierungsanlage der Welt

Kieler Förde Modernste Entmagnetisierungsanlage der Welt

Kiel bekommt eine der modernsten Entmagnetisierungsanlagen der Welt. Mit einem Festakt wurde am Montag der Bau der Anlage in der Kieler Förde begonnen. Bis 2021 sollen unter Wasser auf 567 Pfählen Sonden und Kabel zur Erzeugung von Magnetfeldern und der magnetischen Vermessung verlegt werden.

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Wolfgang Schlichting, Leiter der Wehrtechnischen Dienststelle, Henning Dierken, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lübeck, Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und Christoph Wellendorf, Geschäftsführer der Bilfinger Marine & Offshore Systems GmbH, führen symbolisch den ersten Rammschlag für den Neubau durch.

Quelle: Lukas Schulze/dpa

Kiel. Die Anlage kostet 63 Millionen Euro und ist Bestandteil des Modernisierungsprogramms der Bundeswehr am Standort Kiel. Auf der Entmagnetisierungs-Behandlungsanlage sollen ab 2021 alle deutschen und niederländischen Kriegsschiffe vermessen werden.  

Hier kommt "Kurt"

Seit 2014 hatten Experten bereits auf der Förde gebaut. Zunächst mussten in dem Sperrgebiet zwischen der Lindenau Werft und dem Friedrichsorter Leuchtturm sämtliche Kriegsaltlasten geräumt werden. In den Hallen des ehemaligen Marinefliegerhorstes wurden parallel außerdem die Pfähle und Fundamente für die Anlage vorgefertigt. Diese Betonpfähle werden jetzt in den kommenden Jahren von dem Spezialponton „Kurt“ abgeholt und in den Grund der Förde gerammt. Dabei kommt ein Verfahren zum Einsatz, bei dem in den Gurnd zunächst Löcher gebohrt werden. Die Betonpfähle werden dann dort hineingerammt und mit Beton eingegossen.

„Kurt“ ist ein 50 Meter langer und 22 Meter breiter Spezial-Ponton mit einem 50 Meter hohen Kran und einer Ramme drauf. Am Montag erfolgte für „Kurt“ in Holtenau der symbolische Rammschlag. „Wir sind so weit. Es kann losgehen“, freute sich Henning Dierken, der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lübeck. Die Behörde überwacht in der Förde im Auftrag der Bundeswehr den Bau der neuen Entmagnetisierungsanlage.

Ab 2021 sollen im Sperrgebiet vor Friedrichsort wieder Schiffe entmagnetisiert werden - so wie bis 2013 mit der alten Anlage. Nur größer und viel genauer. 63 Millionen Euro kostet das Projekt. Finanziert wird es aus dem deutschen und dem niederländischen Verteidigungshaushalt. Ziel sei es, die Schiffe magnetisch „unsichtbar“ zu machen und sie so vor Seeminen mit Magnetzündern zu schützen, sagt Dierken. „Mit dem ersten Rammschlag beginnt nun endlich die eigentliche Bauphase“, freut sich Dierken. „Es ist eine der modernsten Anlagen weltweit. Wir freuen uns, dass sich die Marine damit zu Kiel bekennt“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bei dem Festakt vor 150 Gästen in dem ehemaligen Hubschrauberhangar in Holtenau ein.

Das 240 Meter lange und 80 Meter breite Bauwerk wird auf dem Grund der Förde auf 567 Pfählen stehen. An der Wasseroberfläche sind nur ein paar Edelstahl-Poller und Bojen zu sehen. Betreiber wird die Wehrtechnische Dienststelle 71 in Eckernförde sein. Gebaut wird die Anlage durch eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Bilfinger Construction GmbH, August Prien und die Tiefbau GmbH Unterweser.

Hauptnutzer sind die deutsche und die niederländische Marine. Die Niederlande beteiligen sich mit acht Millionen Euro am Bau. Deshalb ist die Anlage auch für die größten niederländischen Kampfschiffe geeignet. Darüber hinaus soll die Anlage aber auch für andere Nationen oder für Werften gegen Bezahlung angeboten werden.

Gründe für den Standort Kiel

Der Grund, weshalb die neue Anlage ausgerechnet in Kiel gebaut wird, erklärt Olaf Seifert, der verantwortliche Ingenieur vom Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck. „Es gibt nicht viele Plätze an der deutschen Küste, wo man so eine große Anlage bauen kann. Sie muss von großen Schiffen erreichbar sein, geschützt liegen und ausreichend Wassertiefe haben“, sagt Seifert. Die Kieler Förde bietet für die Marine hier optimale Bedingungen. Zu der neuen Anlage gehört auch Kraftwerk, dass in Friedrichsort entstehen soll. „Das brauchen wir später auch. Wenn der Strom für die Anlage aus dem Netz genommen würde, könnte in einigen Häusern der Umgebung das Licht ausgehen“, sagt Seifert. Der elektrische Gleichstromerzeuger des neuen Kraftwerks soll laut Behörde eine Gesamtleistung von 7000 Kilowatt haben.

Zuerst hat jetzt aber „Kurt“ das Kommando. Die 567 Pfähle sollen in einem komplexen Bohr- und Rammverfahren bis zu 25 Meter tief in den Grund der Förde eingebracht und zementiert werden. Die Pfähle wurden in einem einzigartigen Verfahren an Land mit Bewährungen aus GFK hergestellt. Es dürfen nur Hölzer, unmagnetische Stähle und Kunststoffe verwendet werden. Die Pfähle werden mit dem Ponton „Kurt“ einzeln verbaut. Eigentlich sollte es gestern beim ersten Rammschlag auch ein Foto mit „Kurt“ geben. Das Wetter hatte den Ponton aber auf der Anreise gestoppt. Deshalb erfolgte der Rammschlag mit einer Video-Animation in der Hubschrauberhalle.

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