23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Forschern gelingt Fortschritt bei Blutkrebs

Kiel Forschern gelingt Fortschritt bei Blutkrebs

Eine bislang unheilbare Form von Blutkrebs bei Kindern gilt als entschlüsselt. An den mehrjährigen Forschungsarbeiten sind auch Wissenschaftler aus Kiel und aus Hannover beteiligt.

Voriger Artikel
Zwei brennende Fahrzeuge in Kiel
Nächster Artikel
Anschlag in Gaarden gibt Rätsel auf

Professor Andre Franke sieht in den Forschungsergebnissen eine Bestätigung der hochrangigen Arbeit in der europäischen Studiengruppe.

Quelle: Uni Kiel

Kiel. Die akute lymphoblatische Leukämie (abgekürzt ALL) gilt als die häufigste Krebserkrankung bei Kindern im Alter von 16 Jahren und jünger. Allerdings gibt es bestimmte Formen, die sich durch die Veränderungen im Erbmaterial der Leukämiezellen unterscheiden. Die Ergebnisse der Studie, in der sich fünf deutsche und eine Schweizer Institution zusammengefunden haben, weisen bei einer dieser Konstellationen auf eine erfolgreiche Therapie hin. Die Ergebnisse werden heute in der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht.

Sie sind für den Kieler Prof. Andre Franke eine Bestätigung der hochrangigen Arbeit in der europäischen Studiengruppe. Aber es gebe noch viel zu tun. Franke erklärt diese ALL-Form als eines der wenigen Beispiele in der Medizin, bei der die molekulare Struktur genaue Hinweise gebe, wo künftig auch mit der Chemotherapie anzusetzen sei. Bisher habe die Therapie bisher keine Erfolge gehabt. Die Prognose für die Patienten war dementsprechend schlecht, die Lebenserwartung lag unter einem Prozent.

Die Kinderklinik der Uni in Kiel mit ihrem Direktor Prof. Martin Schrappe ist bei kindlichen Leukämieformen in Deutschland eines von zwei Studienzentren. Das erklärt für Franke, warum ein Schwerpunkt der Studien in Kiel liegt. Hier habe man sich das Erbgut von Patienten auf genetische Mutationen hin angeschaut, was ebenfalls nur in der Zusammenarbeit im Team möglich gewesen sei. Wie die Informationen dann gelesen werden mussten, hätten die Kollegen in Berlin übernommen. In sogenannten Modellversuchen – auch in Reagenzgläsern – konnte getestet werden, welche Therapien in der Zukunft Erfolge versprechen. Dass es sich hierbei um eine seltene Form der Leukämie handelt, die bislang noch nicht genügend erforscht wurde, erklärt Prof. Martin Stanulla von der Medizinischen Hochschule Hannover mit der kleinen Zahl der Betroffenen. Stanulla war bis Ende 2014 in Kiel mit dem Projekt befasst und führt die Arbeit nun in Hannover weiter. Angesichts dieser kleinen Zahl sei die Studien in sechs europäischen Ländern und Israel so wichtig gewesen. Nur so kamen Daten von 1000 Patienten zusammen.

Ein Ergebnis dieser Studie ist der Hinweis, dass das bislang noch nicht zugelassene Medikament Venetoclax aus der Schweiz bei den Modellversuchen zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankung führen kann, wenn es mit einer herkömmlichen Chemotherapie für Leukämien kombiniert wird. „Diese Ergebnisse stimmen uns sehr hoffnungsvoll“, sagt Prof. Jean-Pierre Bourquin, der mit einem Forscherteam im Universitätskinderspital in Zürich die Wirksamkeit testete. Nun sei in klinischen Studien zügig zu prüfen, wie diese Ergebnisse für die künftige Leukämiebehandlung optimal umgesetzt werden könnten.

Franke und auch Stanulla ist klar, dass solche Nachrichten bei Betroffenen und ihren Familien Hoffnungen wecken. Beide Wissenschaftler sagen, dass dieser Weg noch einige Jahre dauern kann, weil der Einsatz von bestimmten Substanzen systematisch und unter klinischen Bedingungen geprüft werden müsse. Parallel laufen aber die Untersuchungen im Rahmen der Studie aber weiter. Stanulla hofft, dass hier schon im nächsten Jahr Ergebnisse erreicht werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3