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Kieler Know-how im Weltraum gefragt

CAU Kieler Know-how im Weltraum gefragt

Forschung macht glücklich. Davon konnte sich am Donnerstagnachmittag Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) überzeugen. Bei ihrem Termin am Institut für Experimentelle und Angewandte Physik an der Kieler Uni traf sie nur auf freudestrahlende Wissenschaftler.

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Forschungsministerin Kristin Alheit (SPD) besuchte das Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Kieler haben derzeit Großes vor. Anfang November werden sie drei Mess-Instrumente persönlich mit dem Flieger nach London bringen. Die in mühevoller Kleinarbeit konzipierten Geräte sollen 2018 mit der ESA-Mission „Solar Orbiter“ ins All fliegen. Dort sollen Teilchenströme der Sonne erfasst werden. Dabei kommen sie so nah an die Sonne wie noch nie ein Satellit zuvor. Auch für eine zweite Mission wird gerade das Know-how der Kieler benötigt. Die Chinesen wollen zum Mond fliegen und haben ein Instrument angefordert.

 Am heißesten Tag der Woche tritt Ministerin Alheit in herrliche Kühle. Unten im Erdgeschoss des Instituts der Physiker geht es über klebrige Schutzmatten, die schon mal den gröbsten Schmutz fernhalten, im sauberen Kittel in den Reinraum. „Die größte Dreckquelle sind wir selbst“, sagt Ingenieur Lars Seimetz entschuldigend. „Wir verlieren Tausende von Hautschuppen den ganzen Tag über. Das können unsere Instrumente nicht vertragen.“ Ein Überdruck im Raum sorgt zusätzlich dafür, dass möglichst alles rein bleibt. Hinter einer sogenannten „Cleanbench“ steht eines der Geräte, an denen die Kieler jahrelang getüftelt haben. Groß wie ein Toaster ist es und rund zweieinhalb Kilo schwer. „Wir sind weltweit Spezialisten in der Teilchen-Messung“, erklärt Institutsleiter Prof. Robert Wimmer-Schweingruber der Ministerin. „Und unsere Geräte helfen dabei, die Sonne und ihre physikalischen Prozesse besser zu verstehen.“

 Ingenieur Lars Seimetz hat am Computer die Geräte entwickelt, später wurden sie von seinen Kollegen gebaut. Alles keine leichte Aufgabe. Extreme Temperaturschwankungen und gewaltige Erschütterungen müssen eingeplant werden. Mit Material und Weltraumisolierpapier muss so sparsam umgegangen werden, dass das vorgegebene Gewicht nicht überschritten wird. Und dann muss alles natürlich auch funktionieren. „Wenn die Instrumente auf ihre Tauglichkeit getestet werden, ist das immer ganz, ganz gruselig“, erzählt Lars Seimetz. Die Europäische Weltraumagentur ESA hat zuvor die Testbedingungen durchgegeben. „Wenn das Gerät dann in der Testanlage geschüttelt wird, kann man kaum noch hinsehen. Das sind so starke Lasten, dass alles anfängt zu scheppern. Jedes kleinste Blech wackelt“, so der Ingenieur. Würde dann tatsächlich etwas kaputtgehen, wäre das für die Wissenschaftler der Super-GAU. Deshalb werden schon in der Entwicklungsphase einzelne Teile auf Herz und Nieren geprüft. „So tasten wir uns vorsichtig ran. Und bisher ist alles gut gegangen.“

 Hinten rechts in der Ecke des Kieler Labors steht eine Art Mini-Weltraum. Kristin Alheit ist fasziniert. Aus dem glänzenden Metallwürfel kommen Kühlmittelleitungen, darunter sind Heizanschlüsse. Flüssiger Stickstoff im Inneren sorgt für Weltraumbedingungen. „Hier können wir die einzelnen Teile jeder beliebigen Temperatur aussetzen“, sagt Prof. Wimmer-Schweingruber. „Ich bin zutiefst beeindruckt und wahnsinnig stolz auf Ihre Leistung“, ist die Ministerin angetan. Beim Verabschieden wird’s noch mal philosophisch. Ob es außerirdisches Leben gibt? „Warum nicht“, sagt Ministerin Alheit. Und Prof. Wimmer-Schweingruber berichtet von Bakterien, die in Tschernobyl und sogar in Desinfektionsmitteln überleben können. „Mein Astronomieprofessor hat immer gesagt: Man muss da gucken, wo andere nicht gucken. Dann entdeckt man Unvorstellbares.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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