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Einbrechertrio fackelte Dutzende Pkw ab

Kieler Landgericht Einbrechertrio fackelte Dutzende Pkw ab

Gemeinsam bringt es das Trio aus Kiel-Dietrichsdorf auf rund 30 Vorstrafen. Nun sollen „die Chefin“ (30), ihr Ehemann sowie ihr Exfreund (beide 27) wegen drei Dutzend weiterer Straftaten bis zu sechseinhalb Jahre lang hinter Gitter. Dies forderte am Mittwoch Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski vor dem Kieler Landgericht.

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Autos in Serie abgefackelt: Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem vor, kurz vor Weihnachten 2014 in Mettenhof Pkw angezündet zu haben.

Quelle: TVR

Kiel.  „Einzigartig“ nennt Ostrowski nach fast achtmonatiger Beweisaufnahme die ungebremste Zerstörungswut der im Kern geständigen Angeklagten, die vor ihrer Festnahme in einer Art WG zusammenlebten. Seit Januar 2015 sitzen alle drei in U-Haft. Schlagzeilen machten sie, als sie im Oktober und kurz vor Weihnachten 2014 vor ihrer Haustür am Masurenring und in Mettenhof dutzendweise parkende Autos in Brand setzten.

 „Ohne Sinn und Verstand“, aus purer Langeweile oder Frust zerstörten sie fremdes Eigentum, wirft ihnen der Staatsanwalt vor. Allein in Mettenhof zündeten sie 14 Fahrzeuge an, um einem Komplizen Beihilfe zum Versicherungsbetrug zu leisten. Mindestens acht weitere Pkw brachen die Männer auf, um sie auszuplündern oder als Tatfahrzeuge für ihre Einbrüche einzusetzen. Auch diese Autos wurden später teilweise angezündet.

 Vor allem der Ex-Freund der als Anstifterin mehrfach vorbestraften Frau tat sich als Chaospilot hervor. Schon mit 15 fuhr er ohne Führerschein. Immer wieder saß er betrunken am Steuer und verursachte Unfälle, nach denen er durchstartete und flüchtete. Die Sanktionen der Jugendrichter blieben milde: Noch als 20-Jähriger kam er nach zwölf Einbrüchen mit einer Verwarnung davon.

 Erst als Erwachsener – im neunten Strafverfahren – blieb dem Serientäter die gewohnte Bewährung versagt. Als er aus dem Knast zurückkam, war seine Freundin mit einem anderen verheiratet. Das Paar nahm ihn bei sich auf. „Die Chefin machte sich nur selten die Finger schmutzig“, sagt Oberstaatsanwalt Ostrowski, „doch sie zog im Hintergrund die Fäden.“ Dafür brachten ihr die Jungs zum Geburtstag schon mal einen gestohlenen Laptop mit. Für die Frau fordert er dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe.

 Die Männer versuchten offenbar, sich bei den Diebeszügen gegenseitig zu übertreffen. Der Höhepunkt ihrer Zerstörungswut traf einen Gemüsehändler aus Kiel-Rönne, der einen Marktstand auf dem Exer betrieb. Der Plan, den Mann in seinem Haus zu überfallen und auszurauben, missglückte. Als die Täter dort weder ihn noch nennenswerte Bargeldbestände vorfanden, rissen sie Wasch- und Toilettenbecken sowie Heizkörper aus Böden und Wänden, setzten das komplette Erdgeschoss unter Wasser. Einen Kioskbetreiber an der Strandpromenade von Laboe trieben die Angeklagten nahezu in den Ruin. Dreimal kurz hintereinander brachen sie bei ihm ein, stahlen Bargeld, Zigaretten und Spirituosen. Das Opfer war nicht versichert. Je zweimal traf es eine Kieler Autowaschanlage und einen Supermarkt in Heikendorf. Dort hatte der Inhaber die zerschlagenen Scheiben des Eingangs durch einen abgestellten Lkw gesichert, als die Täter zurückkehrten: An Heiligabend brachen sie das Fahrzeug auf und plünderten erneut die Regale. Am Mittwoch haben die Verteidiger das Wort. Dann wird – nach 32 Verhandlungstagen – das Urteil erwartet.

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