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Messerstecher wegen Totschlag verurteilt

Kieler Landgericht Messerstecher wegen Totschlag verurteilt

In der Kneipe in Kiel-Gaarden wurde gekokst, gebechert und gepöbelt, laut Urteil auch „einvernehmlich“ geprügelt. Um ein Haar hätte einer der beiden Streithähne das Lokal in der Nacht zum 11. November 2014 nicht mehr lebend verlassen.

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Am Mittwoch verurteilte das Kieler Landgericht einen 33-jährigen Messerstecher wegen versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

Quelle: dpa

Kiel. Am Mittwoch verurteilte das Kieler Landgericht einen 33-jährigen Messerstecher wegen versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

Mit zwei langen, klaffenden Halsschnittwunden war sein gleichaltriger Gegner am frühen Morgen zur Notoperation ins Uniklinikum eingeliefert worden. Am Prozess nahm er als Nebenkläger teil. Laut Urteil hat das Opfer – theoretisch – Anspruch auf 10000 Euro Schmerzensgeld, die der Angeklagte ihm zahlen soll. Auslöser des Streits war die Freundin, die der Angeklagte mit ins Lokal gebracht hatte. Das spätere Opfer soll die junge Frau demonstrativ angeglotzt haben. Davon fühlte sich der Angeklagte provoziert.

Zunächst zog sich das Pärchen in den hinteren Teil der Kneipe zurück, wo der Angeklagte für 25 Euro Kokain kaufte. Die aufputschende Droge konsumierte er an Ort und Stelle (und kam dafür vor Gericht in den Genuss mildernder Umstände). Gegen 4 Uhr beschwerte sich das spätere Opfer, es sei ungehörig, eine Frau in die Kneipe zu bringen. Die beiden Männer gingen aufeinander los, stießen mit den Schultern zusammen.

Nüchternster Zeuge am Tatort war laut Urteil der Mann hinterm Tresen. Dessen Fähigkeiten als Schlichter gerieten an ihre Grenzen, als die Widersacher mit Fäusten aufeinander einschlugen. Möglicherweise geriet der Angeklagte ins Hintertreffen, erklärte der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer dessen Griff zur Waffe. Mit fünf Schnitten und Stichen verletzte der ehemalige Sonderschüler den Gegner an Kopf, Hals und Oberkörper, so das Urteil.

Der Aussage der Freundin folgte das Gericht nicht: Sie will gesehen haben, dass gleich vier Angreifer auf ihren Freund losgingen. Das müssten wohl die Schlichter gewesen sein, folgerte die Kammer. Mehrere Gäste wollen versucht haben, die Kämpfer zu trennen. Notwehr, wie von der Verteidigung angenommen, schloss das Gericht aus.

Die beiden Anwälte hatten deswegen Freispruch gefordert. Der mehrfach wegen Körperverletzung und Beleidigung vorbestrafte Angeklagte protestierte während der Urteilsbegründung lauthals gegen den Richterspruch und beschimpfte aufgebracht den Nebenkläger. Auch im Publikum saßen sich zwei Lager gegenüber. Die Justizwachtmeister forderten vorsorglich Verstärkung an.

Das Opfer bleibt wohl lebenslang gezeichnet. Eine tiefe Narbe zieht sich vom Ohr bis zum Mundwinkel, verhindert die Kontrolle des Speichelflusses. Auch psychisch ist der 33-Jährige stark beeinträchtigt. Zur Ausübung seines Berufs fühlt er sich nicht mehr in der Lage. Er ist Gastwirt.

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