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Suizidfahrer darf wieder ans Steuer

Kieler Landgericht Suizidfahrer darf wieder ans Steuer

Das Verfahren wegen versuchten Totschlags gegen einen 19-jährigen Autofahrer, der seinen Pkw bei einem Suizidversuch im April 2014 bei Bad Bramstedt in den Gegenverkehr gelenkt hatte, ist vom Kieler Landgericht gegen Auflagen eingestellt worden. So muss der Angeklagte 500 Euro an die Kreisverkehrswacht Segeberg zahlen und sich in psychotherapeutische Behandlung begeben.

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Ein Suizidfahrer darf seinen Führerschein zurückbekommen.

Quelle: dpa

Kiel. Seinen Führerschein bekam der Heranwachsende, der an jenem Sonntagnachmittag auf der Suche nach einem geeigneten Baum für eine Kollision den Pkw seines Vaters zwischen Hingstheide und Mönkloh auf bis zu 180 km/h beschleunigt haben will, zurück.

Ein psychologischer Sachverständiger hatte ihm im Prozess ein klares Therapiebedürfnis bescheinigt – bei grundsätzlich lebensbejahender Grundeinstellung.

Der labile junge Mann hatte vor Gericht ausgesagt, sein damals spontan gefasster Entschluss, den eigenen Pkw gegen einen Baum zu setzen, sei ihm aus heutiger Sicht unerklärlich. Einen Rückfall schließe er daher aus.

Auch der Staatsanwalt sah keine Wiederholungsgefahr und befürwortete die Herausgabe der Fahrerlaubnis. Die einvernehmliche Begründung: Der auf dem Lande lebende 19-Jährige benötige den Führerschein dringend für sein berufliches Fortkommen, nicht aber für den hypothetischen Fall eines neuerlichen Suizidversuchs am Steuer seines Wagens.

In rasender Fahrt auf der Gegenfahrbahn der schmalen Landstraße hatte der Angeklagte ein gemächlich herannahendes Ehepaar aus Hohenlockstedt geschockt. Die Zeugen konnten nach links ausweichen, die beiden Wagen schossen auf der jeweils falschen Spur knapp aneinander vorbei. Das Paar stieg unverletzt aus, der Chaosfahrer kam mit gebrochener Nase zwischen Büschen und Bäumen zum Stehen. Papas Auto: Totalschaden.

Er habe es so gewollt, beichtete der Leichtverletzte anschließend einem Polizeibeamten. Daraus leitete die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des versuchten Totschlags ab.

Dem widersprach der Angeklagte im Prozess: Er habe nur sich selbst, niemals jedoch anderen schaden wollen. Die Notärztin und eine Rettungssanitäterin bestätigten seine damalige Darstellung, er habe einen Baum treffen wollen.

Diese Variante schien dem Kieler Landgericht als Wunschszenario des Angeklagten auf der schwach befahrenen Landstraße plausibler als ein vorsätzliches Rammen des Gegenverkehrs. Dafür sprach auch, dass der Beinahe-Zusammenstoß in einer unübersichtlichen Kurve erfolgte. Fazit: Es sei keine Tötungsabsicht gegenüber Dritten erkennbar.

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