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Zündelnder Mieter wollte abkassieren

Kieler Landgericht Zündelnder Mieter wollte abkassieren

Viele nahmen den Feuerwehreinsatz am 27. Februar mit der Evakuierung eines Hauses in der Iltisstraße als weiteren Fall der Brandstiftungsserie wahr. Laut Kieler Landgericht war es nur Sachbeschädigung: Am Montag wurde der Bewohner, der in zwei Kellerverschlägen Feuer gelegt hatte, zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

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Das Kieler Landgericht hat einen zündelnden Mieter jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Quelle: Friso Gentsch/dpa

Kiel. Das gegen 18 Uhr stark verqualmte Gebäude zwischen Preetzer Straße und Kirchenweg sei nicht in Brand geraten, stellte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung fest. Die Feuerwehr war schon drei Minuten nach dem Alarm eines Rauchmelders zur Stelle. „Das war ihr Glück.“ Andernfalls, so das Urteil, hätte das Strafmaß sich eher an der Forderung der Staatsanwältin orientiert, die auf sechs Jahre Haft wegen Brandstiftung im besonders schweren Fall plädierte.

So oder so ging es dem geständigen Angeklagte um einen Versicherungsbetrug, der laut Richterspruch so dilettantisch ausfiel, dass er „gar nicht gut gehen konnte“. Der Analphabet ohne Schul- und Berufsausbildung, dem ein psychologischer Gutachter ein schlichtes Gemüt, Gedächtnisschwäche und möglicherweise beginnende Demenz bescheinigte, war nur wenige Stunden vor dem Brand im Büro seiner Versicherung aufgetaucht.

Die erste Prämie seiner soeben abgeschlossenen Hausratsversicherung zahlte der Angeklagte in bar. Am nächsten Werktag sprach er erneut dort vor und machte 4400 Euro Schaden geltend – für angeblich zerstörte Angeln und hochwertige Bekleidung. Doch in seinem Kellerraum fanden sich keine Spuren von Wertsachen. Dort machten ein Holzregal und alte Klamotten so viel Qualm, dass die Feuerwehr den Brandherd nur mithilfe einer Wärmebildkamera ausfindig machen konnte.

Der Sachschaden am Gebäude, dessen Bewohner teilweise über Drehleiter geborgen wurden, wurde auf 30 000 Euro geschätzt. Dass der Täter die feuerhemmende Tür zwischen Keller und Treppenhaus geschlossen hielt, entlastete ihn. Dass er danach das Haus verlassen hatte, deutete die Staatsanwältin als Indiz dafür, dass der Angeklagte mit dem Schlimmsten rechnete.

Wegen seines umfangreichen Vorstrafenregisters mit 26 Eintragungen seit den 70er Jahren setzte die Kammer die Bewährungszeit für den Angeklagten auf vier Jahre fest. Seine letzte Verurteilung liegt 13 Jahre zurück. Wegen Brandstiftung war er bisher nicht aufgefallen. Die Kammer stellte den 61-Jährigen unter die Aufsicht eines Bewährungshelfers und regte die Hinzuziehung eines Betreuers an.

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