4 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Einbruch: Kieler Polizei war vorgewarnt

Förde Sparkasse Einbruch: Kieler Polizei war vorgewarnt

Kommunikationspannen bei der Polizei sowie gravierende Sicherheitsmängel im und am Gebäude der Förde Sparkasse: Acht Monate nach dem spektakulären Einbruch in der Zentrale des Geldinstituts sind beim Prozess vor dem Kieler Landgericht neue pikante Details zu dem Vorfall bekannt geworden.

Voriger Artikel
Im Aufzug stinkt’s zum Himmel
Nächster Artikel
Steffen Paar bietet seine Dienste an

Die Täter hatten es auf die Schließfächer in der Förde Sparkasse abgesehen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. So belegt ein Aktenvermerk, dass die Polizei in Münster schon Tage vor der Tat in Kiel die Kollegen an der Förde über die Ankunft der späteren Täter informiert hat, deren Fahrzeug zudem bereits mit einem Peilsender versehen war.

Trotzdem konnten sie in der Nacht zum 6. März 2017, wie berichtet, durch ein nicht alarmgesichertes Seitenfenster ungehindert ins Kundenzentrum gelangen und 200 Sparbuch-Schließfächer ausräumen. Auf der Flucht aus Kiel wurden die Einbrecher von Polizeibeamten bei Bad Segeberg gestoppt und kontrolliert. Vor Gericht wurde nun bekannt: Die Fahnder der „Gemeinsamen Fahndungsgruppe Autobahn“ durchsuchten zwar den Renault Talisman, den ihre Kollegen im westfälischen Münster schon Anfang Februar mit einem Peilsender präpariert hatten. Sie fanden aber keine Beute. Man ließ die Täter deshalb weiterfahren.

Die Angeklagten räumten Taten ein, die Beute fehlt weiter

Das Duo, zwei Litauer, wurde vier Wochen später nach einem ähnlichen Einbruch in Thüringen schließlich festgenommen. Derzeit müssen sie sich vor dem Kieler Landgericht wegen schweren Einbruchsdiebstahls verantworten. Zum Prozessauftakt räumten die in U-Haft sitzenden Angeklagten beide Einbrüche ein. Laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft waren die 38- und 39-Jährigen wochenlang durch Deutschland gefahren, um verschiedene Sparkassen auszuspähen. In Kiel erbeuteten sie demnach 145000 Euro Bargeld, 20000 Euro Goldmünzen und Schmuck im Wert von 5000 Euro.

Bei ihrer Festnahme im April in Thüringen stellten die Fahnder im Fluchtwagen weitere 110550 Euro Bargeld und 250 Gramm Gold sicher – der Inhalt von Kundenfächern der Sparkasse in Ilmenau bei Erfurt. Die Beute aus Kiel ist dagegen bis heute nicht wieder aufgetaucht. Das Gericht beschäftigt deshalb auch die Frage, was die Angeklagten dort wirklich an Diebesgut vorfanden. Sie selbst wollen in Kiel höchstens 70000 Euro erbeutet haben.

Kieler Polizei und Förde Sparkasse wollen sich mit Verweis auf das laufende Gerichtsverfahren nicht zu den neuen Details äußern. Der Prozess soll am kommenden Montag fortgesetzt werden. Dann soll es unter anderem um Abhörprotokolle gehen, die von den Ermittlern mit einer Abhöranlage in einem Mietwagen erstellt werden konnten. Zahlreiche Gespräche der beiden Litauer konnten auf diese Weise während der Fahrt aufgezeichnet werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3