22 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
In zehn Tagen um die Welt

Kieler Reiseblogger Christoph Karrasch In zehn Tagen um die Welt

Reisen ist durch den modernen Flugverkehr so einfach wie nie, doch dieses Projekt lässt aufhorchen: Der Kieler Christoph Karrasch will binnen zehn Tagen um die ganze Welt düsen, dabei alle Kontinente besuchen – und auch noch Aufgaben erfüllen. Warum bloß?

Voriger Artikel
Kradfahrer lebensgefährlich verletzt
Nächster Artikel
„In Kiel ist viel in Bewegung“

Christoph Karrasch, geborener Pfaff, verheiratet, ein Sohn, reist in zehn Tagen um die Welt.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. In diesem Jahr hat Christoph Karrasch bereits Bangkok erkundet. Genauer gesagt das Nachtleben der thailändischen Metropole: Von der Rooftop Bar, bekannt aus dem Film „Hangover 2“, stürzte er sich in die Partyszene, aß auf dem Weg in die Clubs Skorpion am Spieß und fand schnell neue Freunde – für kurze Zeit. Seine Erlebnisse hält er stets im Video fest. Viele Leute haben ihm gern bei seinem Streifzug durch Bangkok zugeschaut und sich bei der Vorstellung, dass Skorpion auf der Zunge einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlässt, angenehm gegruselt. Aber noch mehr wollten sehen, wie sich Eisbaden in Finnland anfühlt. Wie? Dreimal dürfen Sie raten. Karraschs gepeinigten Kälteschreien im Video nach zu urteilen, ist es nicht schön. Ganz und gar nicht schön.

 Doch das ist ihm offensichtlich nicht genug. Sein neuestes Projekt ist eine Weltreise, und zwar eine ziemlich sportliche: in zehn Tagen sechs Langstreckenflüge zu fünf Städten auf fünf Kontinenten. Damit auch das nicht zu langweilig wird, lässt er sich noch Aufgaben geben, die er dort bewältigen muss. Eigentlich sei das Humbug. „Warum sollte man sich diesen Stress machen?“, fragt er und liefert die Antwort gleich mit: „Weil es noch keiner gemacht hat.“

 Die Follower seines Blogs (vonunterwegs.com) bestimmten Ziele und Route: Von Frankfurt am Main nach Lima, dann weiter nach Las Vegas, Auckland, Kathmandu und schließlich nach Kapstadt. Dabei gilt: Nicht nur gucken, sondern auch anfassen. Die Videos leben von seiner Persönlichkeit und von dem, was er tut. „Es ist schon egozentrisch, weil es beinahe nur um mich geht.“ Jeder kann beobachten, wie er sich auf der Skipiste von St. Moritz Yogaübungen hingibt, um das Kurvenfahren zu verbessern. Durch die Aufnahmen einer Kamera, die er während der Abfahrt auf sich selbst richtet, kann der Zuschauer gleich sehen, dass Atemtechnik fehlende Pistenerfahrung nicht ausgleichen kann. Und landet gemeinsam mit Karrasch im Schnee.

 Der Kieler hat einen anderen Blick auf die Dinge. Seine Videos sind zwar leichte Unterhaltung, bieten aber Aspekte eines Ortes, die das Publikum anderswo nicht unbedingt findet. Erzählen viele Medien ausführlich von der unendlichen Weite Namibias, reduziert er seinen Bericht auf ein „Es lebt kein Mensch in Namibia“, schnappt sich kurzerhand drei Einheimische und lässt sich ins Dirtboarden in der Wüste einführen. Aus einem Tauchgang vor Borneo wird eine abstruse Geschichte um synchronisierte Fische und einen Hai, der seinen Schlüssel verloren hat. Das ist merkwürdig, aber hat Methode. Der Anspruch: Es muss immer anders sein. „Meine Videos sind nicht als Reisehinweise gedacht, ich gebe keine konkreten Tipps. Aber ich zeige, wie es an einem Ort ist und biete leichteste Unterhaltung als Inspiration.“

 Aus diesem Konzept hat sich die Idee zur Zehn-Tage-Weltreise entwickelt, zu der Karrasch am Sonntag aufbricht. Welche Aufgaben er unterwegs erfüllen muss, erfährt er erst am Zielflughafen. In Las Vegas könnte es passieren, dass er als Elvis bei einer Hochzeit singen oder in einer Show mitwirken muss. Da trifft es sich gut, dass Karrasch vor nichts bange ist. Mit einer Ausnahme: „Höhe ist ein Problem, deshalb würde ich nie Bungeejumpen oder sowas.“

 Im Vorfeld musste er auch Kritik einstecken: Die vielen Flüge in kurzer Zeit belasteten die Umwelt unnötig, lautet einer der Vorwürfe. Um den CO2-Ausstoß zumindest einigermaßen zu kompensieren, spendet er einen Klimaschutzbeitrag, mit dem Projekte wie der Bau von Biogasanlagen in Kenia und Stromgewinnung durch eine Resteverwertung der Senfernte in Indien unterstützt werden.

 Zwischen 18 und 42 Stunden wird sich Karrasch jeweils in den Städten aufhalten. Die Flüge zwischen den Zielen finden ausschließlich nachts statt, damit er am Tag keine Zeit vergeudet. Schlafen im Flugzeug? „Das klappt gut, aber nur mit dem richtigen Equipment: Jogginghose, Schlafbrille, Nackenrolle und Ohropax“, sagt er. Die körperliche Belastung wird ein Faktor sein, da ist sich der 30-Jährige sicher.

 Bis Sonntag ist nur noch wenig Zeit zum Grübeln. Wird alles klappen? Reicht das Handgepäck für zehn Tage? Was passiert, wenn eine Erkältung zuschlägt? „Ich mache mir Sorgen, dass ich einen Flug verpasse. Aber wenn das so sein sollte, fände ich es auch gut. Dann wird es ein Teil der Geschichte.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Reiseblogger aus Kiel
Foto: Wie die Hobbits im „Herrn der Ringe“: Christoph Karrasch in Neuseeland.

Der Reisejournalist und Video-Blogger Christoph Karrasch aus Kiel sorgte für Aufsehen, als er im Oktober 2014 eine Weltreise in Hochgeschwindigkeit absolvierte. In zehn Tagen bereiste er fünf Kontinente und löste Aufgaben, die ihm die Netzgemeinde vorher gestellt hatte. Nach einem Buch über die Reise läuft Silvester der Film (20.05 Uhr, N 24).

Kostenpflichtiger Inhalt mehr