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Sozialdemokratischer Siebenkampf

Kieler SPD Sozialdemokratischer Siebenkampf

1998 hieß der SPD-Kandidat für die Bundestagswahl Hans-Peter Bartels. Bis 2013 änderte sich daran nichts. Aber nun beginnt für die Kieler Sozialdemokratie im Wahlkreis Kiel-Altenholz-Kronshagen das nächste Zeitalter: Am Freitag wählt sie ihren neuen Kandidaten oder ihre neue Kandidatin für den Bundestag.

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Nächstes Jahr werden die Plätze im Bundestag neu vergeben: Nach 25 Jahren Norbert Gansel und 17 Jahren Hans-Peter Bartels entscheiden die Kieler Sozialdemokraten am Freitagabend über einen neuen Kandidaten.

Quelle: Kay Nietfeld

Kiel. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Sieger vom Freitagabend am Ende auch das Ticket nach Berlin bekommt, ist in der roten Hochburg Kiel bekanntlich groß. Entsprechend begehrt ist dieser Job.

 Sechs Männer und eine Frau haben in den vergangenen Wochen ihre Kandidatur erklärt. „Dass es mehrere Bewerber geben wird, hatte ich erwartet“, sagt Staatssekretär Rolf Fischer, der von 1995 bis 2000 und erneut von 2004 bis 2013 Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes war. „Aber dass es so viele geworden sind, hat mich überrascht.“ Wer am Ende das Rennen macht, gilt als völlig offen. „Die Tatsache, dass es so viele Bewerber gibt, erklärt sich auch damit, dass wir keinen Favoriten haben“, sagt Kreischef Jürgen Weber. Lange hielt sich das Gerücht, Wirtschaftsstaatssekretär Frank Nägele liebäugele mit einem Wechsel nach Berlin. Doch im Sommer entschied er, in der Landespolitik bleiben zu wollen – womit ein möglicher starker Kandidat ausschied. Kritik aus den eigenen Reihen, der Kreischef hätte durch intensive Gespräche das Bewerberfeld überschaubarer machen können, weist Weber von sich. „Es gibt in so einer Situation keine Steuerungsmöglichkeiten.“ Tatsächlich ist die Freude über die hohe Kandidatenzahl nicht ungeteilt. Manche Genossen wundern sich, wer am Freitag alles antritt und sich damit ein Mandat für den Bundestag zutraut.

Mitglied im Landesvorstand: Mathias Stein.

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 Entsprechend hoch ist die Messlatte, die der SPD-Kreis-chef für die Kandidaten ansetzt. „Es muss jemand sein, der in der Lage ist, sich Gewicht in Berlin zu erarbeiten.“ Es gehe schließlich nicht um „irgendeinen Wahlkreis“. Kiel sei die Hochburg der Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein. „Der Wahlkreis steht in der Tradition von Carl Legien und Norbert Gansel“, erinnert der gelernte Historiker Jürgen Weber. Gewerkschaftslegende Legien war der erste sozialdemokratische Abgeordnete für den Wahlkreis Kiel im Reichstag. 1893 wurde er zum ersten Mal direkt gewählt. Und mit Ausnahme einer Wahlperiode blieb er der Kieler Vertreter im Reichstag bis zu seinem Tode 1920. Deutlich besser sind den lebenden Kielern sicherlich die Gansel-Jahre in Erinnerung. Von 1972 bis 1997 war Kiels späterer Oberbürgermeister Norbert Gansel Mitglied des Bundestages. Eine Zeit, in der er sich als Außen- und Sicherheitspolitiker bundesweit einen Namen gemacht hat. Seinem Nachfolger Hans-Peter Bartels blieb der Sprung in die erste Reihe zwar lange verwehrt. Spätestens seit seiner Ernennung zum Wehrbeauftragten im Frühjahr 2015 ist der Kieler Verteidigungsexperte ebenfalls bundesweit bekannt. Nach Bartels Aufgabenwechsel wurde der Kieler Wahlkreis zuletzt von der Plöner Bundestagsabgeordneten Birgit Malecha-Nissen mitbetreut.

 Früher und unspektakulärer hat die Kieler CDU über ihren Wahlkreiskandidaten entschieden. Bereits im Juli wählte sie bei nur einer Gegenstimme erneut Thomas Stritzl (59), der vor fünf Jahren über die Landesliste ein Bundestagsmandat bekommen hat.

 Der genaue Wahlablauf am Freitagabend ist noch offen. Theoretisch dürfen nach dem ersten Wahlgang alle sieben Kandidaten erneut zum zweiten und dann entscheidenden Wahlgang antreten. Aber das wünscht sich in der Parteispitze niemand. „Wir setzen auf das Verantwortungsbewusstsein und hoffen, dass sich alle Beteiligten genau überlegen, ob sie ein zweites Mal antreten“, sagt Fischer.

 Auch Hans-Peter Bartels, der inzwischen seinen Wohnsitz in Berlin hat, verfolgt die Wahl seines Nachfolgers genau. Die Partei sei in Kiel weiterhin in der Lage, „wie in der Vergangenheit gute Personalentscheidungen zu treffen“, sagte er den Kieler Nachrichten am Mittwoch. Gleichzeitig mahnte er: Mit der Nominierung sei die Sache noch lange nicht gelaufen. „Es gibt keine Erbhöfe. Man muss auch in Kiel jedes Mal neu gewinnen.“

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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