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Rückenwind für die Verwaltungsspitze

Kieler Stadtgespräch Rückenwind für die Verwaltungsspitze

Rund 150 Menschen diskutierten am Montagabend über die Situation der Flüchtlinge in Kiel, im Fokus stand diesmal die Wik. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer kam in den Legienhof, Sozialdezernent Gerwin Stöcken war wie immer dabei, aber auch Polizeichef Thomas Bauchrowitz stellte sich den Fragen der Bürger.

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Mussten sich diesmal kaum Kritik anhören (von links): Sozialdezernent Gerwin Stöcken, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Polizeichef Thomas Bauchrowitz und die Leiterin der Flüchtlingseinrichtung in der Wik, Semra Basoglu von der Diakonie Altholstein beim dritten Stadtgespräch im Legienhof.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dabei wurde klar: Die Motivation der meisten Helfer in dem Stadtteil ist auch knapp sechs Monate nach Beginn des Flüchtlingsansturms unverändert hoch. „Die Hilfe läuft rund. Natürlich gibt es Probleme, aber sie sind alle zu lösen“, sagte Ulrike Pollakowski, Sprecherin der Initiative „Willkommen in der Wik“.

 Dabei hilft es zweifellos, dass sich die Gesamtsituation im Vergleich zum vergangenen Herbst entspannt hat. Sind im November noch 5000 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein gekommen, waren es in der ersten Märzhälfte nur 360, berichtete Kämpfer. Für 8,7 Prozent dieser Menschen ist nach einer festgelegten Quote Kiel zuständig. 3777 Flüchtlinge leben derzeit in der Landeshauptstadt, 2022 davon in Gemeinschaftsunterkünften, zu denen auch die ehemalige Technische Marineschule zählt, in der augenblicklich 543 Menschen wohnen. „Letztendlich weiß kein Mensch, wie sich der Flüchtlingsstrom durch das Türkei-Abkommen ändert. Es spricht aber viel dafür, dass es nicht wieder eine Millionen für Deutschland werden wie im letzten Jahr“, sagte Kämpfer.

 Es waren vor allem ehrenamtliche Helfer und Menschen, die Flüchtlingen sehr positiv gegenüberstehen, die an diesem Abend zusammenkamen. Sie erlebten eine Leiterin der Unterkunft, die ebenfalls Optimismus verbreitet. „Ich erlebe eine ganz große Offenheit, sich auf Deutschland und Kiel einzulassen“, berichtete Semra Basoglu über die Flüchtlinge in der Wik. „Die Angebote der Helfer werden mit großer Dankbarkeit angenommen.“ Somit ging es in der Debatte vor allem um praktische Fragen wie die Organisation der Fahrradwerkstatt, die Suche nach weiteren ehrenamtlichen Helfern und den Aufruf, Kinderwagen zu spenden. Gerwin Stöcken freute sich: „Die Zahl der Menschen, die helfen wollen, ist weiterhin groß.“

Stimmung im Norden ist ruhig

 Anders als in Suchsdorf, wo sich ein Teil der Einwohner vehement gegen Flüchtlingsunterkünfte wehrt und die Stadt auch nach der Entscheidung gegen ein Containerdorf mit heftigen Vorwürfen konfrontiert, ist die Stimmung in Kiels Norden offenbar ruhig. „Wir haben ein wunderbar friedliches Zusammenleben mit den Menschen in der Wik“, schwärmte eine Anwohnerin und eine Nachbarin lobte „die tolle Gemeinschaft“. Erst im Laufe der Diskussion wurden auch Sorgen diskutiert – die zum Teil unbefriedigende Straßenbeleuchtungssituation in der Stadt beispielsweise und das geringe Bildungsniveau vieler Flüchtlinge. Jürgen Engel (Grüne), Ortsbeiratsvorsitzender in der Wik, mahnte daher: „Bei vielen Menschen hat sich Angst etabliert. Wir dürfen auch die Bewohner nicht vergessen, die skeptisch sind.“

 Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz bemühte sich, ein möglichst differenziertes Bild von den Einsätzen im Zusammenhang mit den Flüchtlingen zu skizzieren. „Ja, es werden auch Beamte verletzt“, sagte er. Aber das habe nichts speziell mit den Flüchtlingen zu tun. Das Risiko sei nicht höher als bei anderen Einsätzen. Bei vielen vermeintlichen Großeinsätzen gehe es am Ende nur um kleinere Auseinandersetzungen. Gleichzeitig gab er zu: „Es fällt uns als Polizei oft schwer, das richtige Maß zu finden.“ Es dauere oft, bis sich die Einsatzkräfte vor Ort orientieren können, um dann die richtigen Maßnahmen zu treffen.

 OB Kämpfer erinnerte schließlich daran, dass Schleswig-Holstein im Weltmaßstab weiterhin eine Region sei, in der es eine äußerst geringe Zahl an Straftaten gebe. Gleichwohl gelte es, alle Seiten der Flüchtlingssituation im Blick zu behalten. So falsch die Dramatisierung sei, so falsch sei auch die Romantisierung. „Aber die Chance ist groß, dass am Ende die Summe positiv ist.“

Landesunterkünfte in Schleswig-Holstein

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

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Kommentar

Wohnungen statt Container in Suchsdorf – muss man nur laut genug protestieren und schon wird eine Flüchtlingsunterkunft gekippt? Nein. Auf der Informationsveranstaltung im Februar hatte Sozialdezernent Gerwin Stöckern immer wieder betont, dass noch nichts entschieden sei.

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