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„Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“

Kieler Südspange „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“

Die Debatte um den im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Bau der Kieler Südspange ebbt nicht ab. Nun äußern sich der BUND und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum geplanten Bau der Bundesstraße im Süd-Osten der Landeshauptstadt und kritisieren die Pläne scharf.

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Die Debatte um den im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Bau der Kieler Südspange ebbt nicht ab.

Quelle: Karin Jordt

Kiel. „Die entscheidenden Probleme werden durch den Bau der Südspange gar nicht angegangen“, sagt Ulrike Hunold, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Kiel des BUND. Die hohe Stickoxid- wie auch die Lärmbelastung werden durch den Bau einer Verbindungsstraße zwischen B404 und B76 als B202 in keiner Weise gesenkt, betont Hunold. Im Gegenteil: „Wer Straßen sät, der wird Verkehr ernten. Durch den Bau der Südspange wird die Belastung auf dem Theodor-Heuss-Ring noch zunehmen“, ist sich die BUND-Sprecherin sicher. Vor allem auf das Verkehrsaufkommen westlich des Barkauer Kreuzes habe die Südspange keinerlei Einfluss, auch die Entlastung im östlichen Bereich halten BUND und VCD nicht für ausreichend: „Das ist viel zu wenig, um von einer ernsthaften Verbesserung zu sprechen.“

BUND und VCD schlagen Alternative vor

Zudem kritisieren beide den geplanten Verlauf der Südspange. „Die Straße durchschneidet ein ruhiges und daher schützenswertes Gebiet“, sagt Ulrike Hunold. Die Menschen in Gaarden würden durch den Bau der Südspange doppelt gestraft: zum einen durch das steigende Verkehrsaufkommen, zum anderen durch den Verlust der Erholungsmöglichkeiten.

BUND und VCD schlagen als Alternative zur Südspange einen sechsspurigen Ausbau des Theodor-Heuss-Rings östlich des Barkauer Kreuzes und eine Tunnellösung im westlichen Verlauf vor. „Es ist ja klar, dass sich dort etwas ändern muss und die Anwohner entlastet werden müssen“, sagt Hunold. Darüber hinaus fordern beide Verbände ein alternatives Verkehrskonzept für die gesamte Landeshauptstadt. „Wir können ja nicht immer dem Verkehr hinterher bauen“, stellt Kirsten Kock vom VCD fest. Stattdessen sollte mehr Verkehr auf die Schiene verlagert und das Radwegenetz ausgebaut werden, auch um den Klimaschutz voranzutreiben. „Wir brauchen ein ganzheitliches Konzept und können nicht immer nur Engpässe beseitigen“, so Kock.

Rückendeckung bekommen BUND und VCD von der Grünen-Fraktion in der Ratsversammlung. „Wir sehen die Südspange sehr kritisch“, sagt deren verkehrspolitischer Sprecher Lutz Oschmann. Die Alternativvorschläge der beiden Verbände hält er daher für unterstützenswert. „Es kann nicht das Ziel sein, immer mehr Straßen zu bauen, die dann immer mehr Verkehr erzeugen.“

Eine Vorzugsvariante

Die SPD im Kieler Rathaus dagegen hält weiter an der Südspange fest. „Die Südspange Gaarden gilt für mich als Vorzugsvariante für die Anbindung der A21 an den Theodor-Heuss-Ring“, sagt Achim Heinrichs, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Die Verkehrsprognosen zeigten, dass das Barkauer Kreuz für die Anbindung der fertigen A21 nicht mehr funktionieren werde. Er begrüßt es daher, dass die Südspange im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf eingestuft worden sei.

Auch von der CDU-Fraktion kommt ein klares Ja zur Südspange. „Ich sehe dazu keine Alternative“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Kruber. Besonders für den Wirtschaftsstandort Kiel sei eine erfolgreiche Anbindung der Landeshauptstadt an das Fernstraßennetz unverzichtbar.

Die Stadt verweist bei der Entscheidung über den Bau der Südspange auf den Bund und die zuständige Landesstraßenbauverwaltung. „Ob der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) neue Varianten im Zuge des notwendigen Planfeststellungsverfahrens prüfen wird, bleibt abzuwarten“, heißt es von Bürgermeister und Baudezernent Peter Todeskino. Der Direktor des LBV-SH, Torsten Conradt, hatte jüngst in den Kieler Nachrichten den Bau der Südspange befürwortet.

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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