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Wohnbau-Atlas in trockenen Tüchern

Bau- und Sozialausschuss Wohnbau-Atlas in trockenen Tüchern

Grünes Licht für den Wohnbauflächenatlas: In einer Sondersitzung des Bau- und Sozialausschusses stimmten alle Fraktionen der Vorlage der Verwaltung zu, jetzt die potenziellen Flächen zu veröffentlichen, die die Stadt nach mehrmonatiger Suche für eine Wohnbebauung vorschlägt.

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Wohnungsbaupolitiker Claus Wittig.

Quelle: Olaf Bathke

Vorstadt. Die Kommunalpolitiker setzten zuvor durch Änderungsanträge durch, dass sieben Flächen wieder herausgenommen wurden.

 Seit 2001 verzeichnet die Stadt einen Zuwachs, der durch die Aufnahme von Flüchtlingen verstärkt wurde. Allein 2015 und 2016 stieg die Einwohnerzahl um rund 6700 (2,8 Prozent), so dass die Landeshauptstadt an der 250000-Marke kratzt. Da sie gleichzeitig über recht wenige Flächen verfügt, dient der Atlas als Bestandsaufnahme möglicher Wohnbauflächen, neben Masterplan Wohnen und dem Bau in städtischer Regie eine Maßnahme, um den Druck auf dem Wohnungsmarkt abzumildern. Die verschiedenen Bevölkerungsprognosen schwanken, sie gehen aber alle von einem Neubaubedarf von 1350 bis 1800 Wohnungen pro Jahr bis etwa 2030 aus.

 Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD) und Baustadtrat Peter Todeskino (Grüne) warben gemeinsam für das aufwändige Werk, um die Wohnbau-Entwicklung „in großem Stil“ vorantreiben zu können. Sonst passiere zweierlei, warnte Stöcken: Zum einen stiegen die Mieten weiter, zum anderen zögen immer mehr Menschen aus Kiel weg. Ziel ist es daher, mit dem Atlas eine Informationsgrundlage zu schaffen, um Planung, Verkauf und Entwicklung zu steuern und auch die private Wohnbautätigkeit anzukurbeln. Alle Flächen, auf denen noch Wohnraum entstehen kann, sind im Atlas zusammengetragen: Er sieht insgesamt ein Potenzial für 10300 Wohneinheiten auf 238 Flächen in der Stadt.

 Dass es Konflikte vor Ort geben könnte, war allen Beteiligten aus Politik und Verwaltung klar. Den 18 Ortsbeiräten bescheinigten Politik und Verwaltung aber, seit September sehr konstruktiv beraten zu haben. Das einhellige positive Fazit: Trotz so mancher Ablehnung eines Vorschlages hätten die Gremien das Ziel unterstützt, schnell Wohnungen zu bauen und Flächen dafür bereitzustellen. SPD-Wohnungspolitiker Claus Wittig lobte, dass die Stadtteilgremien 51 weitere mögliche Flächen ins Spiel brachten: „Der Atlas ist ein gutes Instrument, um den Wohnungsbau weiter zu beschleunigen.“ Doch ohne Akzeptanz vor Ort funktioniere der Plan nicht, meinten Redner aller Fraktionen. In Änderungsanträgen forderten sie die Streichung umstrittener Flächen aus dem Atlas – wegen gewichtiger Vorbehalte der Ortsbeiräte, etwa dem drohenden Wegfall eines Platzes, eines Clubhauses oder Parkplatzes.

 Da es in den Anträgen von SPD, SSW, Grünen und CDU Überschneidungen gab und die Verwaltung selbst drei Flächen herausgenommen hatte, stand nach dem einstimmigen Votum in den Ausschüssen fest: Der Helmut-Hänsler-Platz, Bunker Solomit (beide Neumühlen-Dietrichsdorf), der Parkplatz im Charles-Ross-Ring (Steenbek-Projensdorf), der Eckenerplatz in Holtenau, die Pestalozzistraße 79 und Hasenholz (beide Hassee/Vieburg) sowie Pötterweg (Wellsee/Kronsburg/Rönne) sind vom Tisch. Etliche Besucher, vor allem aus Neumühlen-Dietrichsdorf, reagierten erleichtert: Sie waren gekommen, um mit Schildern gegen die Bau-Pläne in ihrem Stadtteil zu protestieren. Als Sigrid Schröter (CDU) zuvor die Enge an den vorgeschlagenen Stellen beschrieb, gab es Applaus. Nur der Änderungsantrag der Grünen scheiterte: Die Flughafen-Gegner wollten den Landeplatz mit 30 Hektar für 1800 Wohneinheiten in den Atlas aufnehmen, dafür aber Suchsdorf-West als Untersuchungsraum streichen.

 Bei den Umweltschutzverbänden BUND und Nabu fällt der Atlas, wie berichtet, als „blanker Aktionismus ohne Konzept“ durch. Stöcken und Todeskino wehrten sich in den Ausschüssen gegen den Vorwurf und wiesen auf das Konzept Kieler Stadtgrün hin, das ebenfalls einmütige Zustimmung fand. Beide betonten erneut: „Es geht bei der Identifizierung von Wohnbauflächen nicht darum, Naturschutz und Wohnungsbau gegeneinander auszuspielen.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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