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Kielerin will auf dem Rad die Welt entdecken

Reisen Kielerin will auf dem Rad die Welt entdecken

Anna Kitlar hat einen Traum: Bevor die 25-Jährige nach ihrem Studienabschluss ihren weiteren Berufsweg einschlägt, will sie sich noch die Welt anschauen – und zwar vom Fahrrad aus.

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Ein halbes Jahr lang will Anna Kitlar mit dem Mountainbike unterwegs sein – Mitte des Monats geht es los. Die Reise soll sie von Hongkong bis nach Griechenland führen. Sie reist mit kleinem Gepäck – das wiegt zusammen gerade mal drei Kilo.

Quelle: Frank Peter

Hasseldieksdamm. Mitte des Monats will die Kielerin ihr Abenteuer mit einem Flug von Hamburg nach Hongkong starten. Sechs Monate soll es dann 15 000 Kilometer von der asiatischen Metropole aus bis nach Griechenland auf dem Rad voran gehen – allein und mit Zelt, Isomatte, Schlafsack, was zusammen gerade mal drei Kilo wiegt.

In ihrem Elternhaus in Hasseldieksdamm hat Anna Kitlar längst mit den notwendigen Vorbereitungen für die Extremtour begonnen. Sponsoren stifteten das 22-Gänge-Fahrrad, Gepäck und den Rucksack. Auf einer Atlas-Karte zeigt sie die Route, die sie soweit wie möglich mit Pedalkraft zurücklegen will. „Für mich ist das Fahrrad ein wichtiges Element der Freiheit. Ich kann es selbst steuern“, versucht die 1,91 Meter große Frau zu beschreiben, was diese Art zu reisen für sie persönlich bedeutet. „Mich reizt das Unbekannte – und in Ländern unterwegs zu sein, in denen ich die Sprache nicht kenne. Und trotzdem versteht man sich.“

Angst vor wilden Hunden

Trotz allen Freiheitsdrangs und der Abenteuerlust bleibt sie vorsichtig: Auf ihrer Route wird sie Afghanistan, Indien und Pakistan überfliegen. Angst als Frau allein habe sie nicht, aber als Mensch – etwa vor wilden Hunden, von denen sie bei einer Tour durch Griechenland bereits zweimal gebissen wurde. Auch vor dem asiatischen Autoverkehr fürchtet sie sich.

Anna Kitlar hat in ihrem jungen Leben schon so manches von der Welt gesehen: Mit 16 Jahren verbrachte sie ein Jahr in Neuseeland. Nach dem Abitur studierte sie mehrere Jahre in New York. Als Familie habe man sich mit der Zeit an den Freiheitsdrang der Tochter gewöhnt und Kontakt über Anrufe, Videotelefonie oder Mails gehalten, erzählt ihre Mutter: Gebe es ein, zwei Wochen keine Verbindung, etwa weil die Tochter kein Netz habe, mache sie sich keine Sorgen mehr. Vor allem, weil sie weiß, dass ihre Tochter einer „schönen Gemeinschaft“ in den sozialen Medien angehört: Dort finden Radfreunde weltweit vernetzt Unterkünfte und fahren so manche Abschnitte gemeinsam (de.warmshowers.org). Über die Plattform haben Annas Eltern selbst einmal ein französisches Paar bei sich aufgenommen.

Panzertape und Ibuprofen sind wichtig

Doch was ist mit den körperlichen Strapazen, in entlegenen Gegenden auf holprigen Pisten täglich bis zu 100 Kilometer im Sattel zu sitzen? Anna Kitlar, die in den USA „semiprofessionell“ Volleyball gespielt hat, fühlt sich fit genug für diese Herausforderung: Erfahrungen – auch was das Reparieren eines Rades angeht – sammelte sie nach dem Studium, als sie auf einem Rennrad 7700 Kilometer von der einen US-Küste bis zur anderen fuhr. In Griechenland jobbt sie für einen Reiseveranstalter als Mountainbike-Guide und in Kiel als Kurierin für einen Pizza-Service. „Es kommt alles von allein. Ich plane nicht mehr“, meint sie und lächelt fröhlich. Also geht es von Hongkong erst einmal über Umwege zu Freunden in Singapur und Bangkok, danach nach Myanmar, Bangladesch und nach Nepal. Dort will sie auch wandern, „wenn Zeit ist“. Von Nepal aus will sie über die Krisengebiete nach Tadschikistan fliegen, um die Reise über den Pamir-Highway durch weitere frühere Sowjetrepubliken bis in den Iran fortzusetzen, wo sie vermutlich im Tschador radeln muss.

Reparaturzeug hat sie dabei, aber das Wichtigste seien Panzertape und Ibuprofen, sagt Anna Kitlar: „Damit habe ich noch alles heil bekommen.“ Mit dabei ist auch ein Laptop samt Ladegerät und eine Kamera, da sie über ihre Reise einen Blog erstellen will (unter www.bikexploring.de). Auf ihrem Handy hat sie diverse Kartenprogramme. Und wenn sie nicht weiter weiß, hat sie keine Scheu, Leute vor Ort zu fragen. Ihr als Frau komme man oft viel freundlicher als männlichen Radlern entgegen, erzählt sie von einer „besonders bewegenden Tour“ durch das Navajo-Gebiet in Arizona und Colorado. Wegen der hohen Kriminalitätsrate und Alkoholiker-Quote hatten ihr Freunde dringend von dem Wagnis abgeraten. Doch auf den Fahrten durch Indinanerreservate stieß sie immer wieder auf „tolle Menschen“, die sie herzlich aufnahmen und die ihr auch schon mal einen Talismann schenkten.

Das härteste Rennen der Welt

Wenn alles klappt, dann endet ihre Reise nach der Strecke durch die Türkei im Juli. Dann will sie im griechischen Sarti ankommen, und dort gleich wieder als Gruppenguide arbeiten. Und was ist mit Beruf und Masterstudium? Die Frage ist für Anna noch offen. Denn sie hat noch einen weiteren Traum, um die eigenen Grenzen auszutesten: Den „great divide“ (Interkontinentale Wasserscheide) zu radeln, der als härtestes Mountainbike-Rennen der Welt gilt. Die Tour geht von den kanadischen Rocky Mountains bis nach Mexiko – ohne Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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