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Gemeinsames Bibbern im Eis

Kielerin in der Antarktis Gemeinsames Bibbern im Eis

Es ist schon ungewöhnlich, wenn Kieler Frühlingsgrüße aus der Antarktis bekommen. Aber wenn die Geophysikerin Annemarie Sticher aus der Forschungsstation Neumayer III schaut, entdeckt sie nur Schnee und Eis in allen Variationen. Dann packt die Geophysikerin manches Mal die Sehnsucht nach Kiel, wo sie vor ihrem Forschungsaufenthalt lebte. Ein Arbeitsalltag in der Kälte.

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Annemarie Sticher lebt noch bis zum Frühjahr 2016 in der Neumayer-Polarforschungsstation. Die Arbeit bei minus 30 Grad sei schon eine Herausforderung, sagt die Forscherin.

Quelle: Annemarie Sticher

Kiel. Der heutige Mittwoch ist ein ganz besonderer Tag für Annemarie Sticher und ihre acht Kollegen: Zum letzten Mal geht die Sonne auf, um erst am 23. Juli wieder aufzutauchen. Das heißt, wochenlang herrschen Polarnächte. Aber Polarnacht hin oder her: Nach dem Frühstück um acht Uhr beginnt die Arbeit. Für die 35-Jährige gehört es zur alltäglichen Routine, die Seismometerdaten zu sichten, Erdbeben zu lokalisieren und die Infraschalldaten – Schall, der unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt – aufzunehmen. Die Infraschallanlage dient auch dazu, den Teststopp für Atomwaffen zu überprüfen und die Daten nach Wien zu schicken, wo die Fäden des internationalen Überwachungsnetzes zusammenlaufen.

 Die Neumayer-Station III, kurz Neumayer III, wurde wie die Vorgänger-Anlagen nach dem Geophysiker Georg von Neumayer benannt: Die deutsche Polarforschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts befindet sich an der Atka-Bucht auf dem Schelfeis, auf dem sie etwa 200 Meter pro Jahr in Richtung offenes Meer treibt. 14 Monate, erzählt Sticher, bis zum nächsten antarktischen Sommer, wird sie dort leben. Im Januar wurde sie zusammen mit den Kollegen als eine von den „Neu-Üwis“ (Überwinterungsteam) begrüßt. Ihr „AtkaXpress“-Blog hält fest, dass die beiden Köche unter anderem Schweinefilet im Blätterteig serviert hatten. Und in der Freizeit gibt es regelmäßige Film- und Spieleabende, können alle den Fitnessraum nutzen oder sich im Tischtennis üben. Trotz der Ablenkung – die Arbeit bei fast 30 Minus-Graden sei schon eine Herausforderung, auch wenn sie es genieße, dass es hier deutlich ruhiger zugehe, erzählt Sticher, die von 2006 bis 2008 beim Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel beschäftigt war. Zum Glück hat jeder seinen eigenen Arbeitsbereich: „Man sitzt also nicht ständig aufeinander.“ Zumal das gemeinsame Bibbern im Eis bei den in Spezialkleidung eingepackten Wissenschaftlern offenbar kreative Kräfte freisetzt: Um den südlichsten Maibaum der Welt aufzustellen, griffen sie auf ein acht Meter langes braunes Stahlrohr zurück und befestigten an dessen Spitze die Richtkrone der 2007 eröffneten Station.

 Flexibles Reagieren ist auch bei Forschungsarbeiten gefragt: Sticher betreut zusammen mit den Kollegen nicht nur das Magnetische Observatorium, sie kümmert sich auch um die Beobachtung der Pinguine, die wie die Polarlichter zu den häufigsten Fotoobjekten des Teams gehören. Diese Woche, erzählte sie, mussten sie die Kameras ummontieren, da „die Pinguine beschlossen hatten, sich woanders hinzustellen“. Erst im kommenden Frühjahr wird die Wissenschaftlerin nach Kiel zurückkommen, dort, wo ihre Freunde wohnen. Was vermisst sie am meisten im Eis? Grüne Bäume und eine bessere Internetverbindung, sagt sie.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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