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Zeitreise macht Lust auf Neuauflage

Kielympia Zeitreise macht Lust auf Neuauflage

„Kielympia“ – das ist eine 92-minütige Filmreise durch die Stadt und ihre Olympischen Spiele. Am Sonntag wurde Kielympia zum ersten Mal gezeigt – Einstimmung und Auftakt für die heiße Phase: Am 29. November sollen die Kieler Bürger ab 16 Jahre über die Ausrichtung der Olympischen Segelwettbewerbe 2024 abstimmen.

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Oberbürgermeister Ulf Kämpfer freute sich besonders, den Film gemeinsam mit dem Olympia-OB von 1972, Günther Bantzer, zu erleben.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Bei der Premiere im Studio dabei war auch Altoberbürgermeister Günter Bantzer, der die Segelwettbewerbe von 1972 nach Kiel geholt hatte, und Karl-Heinz Burmeister, der diese Spiele mit seiner Kamera festgehalten hat – die weltoffene Atmosphäre bei der Eröffnung, den Kampf- und Teamgeist bei den Wettbewerben, die gedrückte Stimmung nach dem blutigen Attentat palästinensischer Terroristen auf israelische Sportler im Olympischen Dorf in München, die schlichte Abschlusszeremonie in Kiel. Als klar war, dass sich Kiel mit Hamburg um die Spiele 2024 bewerben würde, hatte Burmeister eine Kopie seines Zeitdokuments bei Oberbürgermeister Ulf Kämpfer abgegeben und damit dessen Idee von Kielympia noch mehr Schub verpasst. Ein Ausschnitt von Burmeisters Film und der aktuelle Kiel-Imagefilm bilden nun den Höhepunkt von Kielympia.

 Der Zusammenschnitt erhält aber noch weitere Werbefilme über Kiel, die unterschiedlicher nicht ausfallen könnten. Da ist der Film über die Stadt der Deutschen Kriegsmarine aus den 30er-Jahren in NS-Manier und als Kontrapunkt der Film über die Anstrengungen nach dem Zweiten Weltkrieg im zerstörten Kiel, als Wohnungen, Schulen und Arbeit für die Kieler und für 60000 Flüchtlinge geschaffen werden mussten. Da ist ein Werbefilm über das Einkaufen auf dem Kieler Sophienblatt im Wirtschaftswunderland und die erste Wochenschau der „Kieler Lupe“.

 Besonderen Applaus aber bekamen im Studio die Szenen zwischen den historischen Filmsequenzen: Aufzeichnungen eines Gesprächs zwischen Jetzt- OB Kämpfer und Alt-OB Bantzer. Darin sagt Bantzer ganz offen, dass Kiel „mit den drei Bundeswehrbaracken, einem netten Café und dem Dorf Schilksee“ deutlich schlechtere Voraussetzungen als der Mitbewerber Travemünde hatte. Warum Kiel trotzdem den Zuschlag für 1972 bekam? Da sei wohl die Angst geschürt worden, meint Bantzer, dass in Travemünde die Segler auf DDR-Gebiet abgetrieben werden könnten und nicht mehr zurückkämen. Und als Kämpfer später wissen will, wie man denn all die Projekte – vom Olympischen Dorf und den Segelanlagen bis zum Klärwerk Bülk, dazu den Rathausplatz und den Anbau des Opernhauses bezahlt habe, da sagt Bantzer: „Alles mit Olympiamitteln.“ Plötzlich sei da eine Schublade offen gewesen: „Wir mussten nur geschickt hineingreifen. Am Ende war sogar eine Million DM übrig.“

 Auch wenn nicht jeder im Publikum glaubt, dass dieses Konzept auch heute noch aufgehen würde, ist am Ende der Vorführung so etwas wie Aufbruchstimmung spürbar. Und das gilt nicht nur für die anwesenden Kieler Olympiabotschafter wie Kirsten Bruhn und Willi Holdorf. Auch viele andere finden: „Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert“, wie Henning Zeiske sagt. 1972 hat der Schilkseer die olympische Atmosphäre direkt vor der Haustür gehabt. „Ich fände es wunderschön, dass noch einmal zu erleben – auch für unseren Sohn. Vor allem glaube ich aber, dass es eine Chance für Kiel ist, sich strukturell weiterzuentwickeln.“

 Die Filmreise Kielympia hat auch bei Silke Hiebner Erinnerungen geweckt. Die Kieler Lehrerin und erfolgreiche Seglerin gehörte zu den Opti-Kindern, die bei der Eröffnung 1972 Spalier standen. Auch ihr Mann Joachim Schälke erinnert sich noch an das Gefühl in der Stadt. „Wir waren unheimlich stolz. Kiel war ja die erste Stadt, in der zum zweiten Mal olympische Wettbewerbe abgehalten wurden, und diesmal als Demokratie – weltoffen und völkerverbindend.“ Olympia habe aber auch für die Entwicklung von Kiel und Schleswig-Holstein ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.

 Kämpfer erhofft sich solch einen Schub für die Infrastruktur bereits von der Bewerbung: „Selbst wenn wir den Zuschlag nicht bekommen, sollten wir so planen, dass wir von den 14 Vorhaben auf der Liste zehn trotzdem verwirklichen können.“ Dazu sei aber eine rege Beteiligung am Bürgerentscheid notwendig. Der Film, von Gerald Grote und Thomas Plöger in Kooperation mit dem Landesfilmarchiv erstellt und aufwendig digitalisiert, könnte eine Entscheidungshilfe sein. Sehenswert ist der Streifen auf jeden Fall.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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