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Nachwuchs will ein Wörtchen mitreden

Kinder- und Jugendbeirat Kiel Nachwuchs will ein Wörtchen mitreden

Das Ratsherrenzimmer stand Kopf, die Aufregung war riesengroß: Denn am Donnerstagmittag kamen dort über 50 Kinder und Jugendliche zusammen, um sich vorzustellen. Kiel wählt zum ersten Mal einen Kinder- und Jugendbeirat.

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Rund 60 Kinder und Jugendliche treten zur Wahl des Kinder- und Jugendbeirates in Kiel an.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Nicht alle werden wählen dürfen: Nur Kieler Bürger zwischen zwölf und 19 Jahren haben aktives und passives Wahlrecht – können also einen Kandidaten wählen wie auch sich selber wählen lassen. Das sind rund 16000 Kinder und Jugendliche, die von Montag bis Freitag, 16. bis 20. November, zur Urne gebeten werden.

Renate Treutel, Stadträtin für Bildung und Jugend, und Beate Goffin, Leiterin des Amtes für Kinder- und Jugendeinrichtungen, hatten gemeinsam mit dem Team des Kinder- und Jugendbüros die Kandidaten für den Beirat ins Rathaus eingeladen. Die große Zahl der Bewerber hatte die Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik überrascht: Mehr als 60 junge Menschen aus allen Kieler Stadtteilen stellen sich zur Wahl und wollen sich aktiv an der Kommunalpolitik beteiligen. „Für die Idee einen Jugend- und Kinderbeirat einzurichten, haben mich viele für verrückt erklärt und jetzt sind so viele von Euch hierhergekommen – Ihr habt mich gerettet“, begrüßte Treutel die Kandidaten im Rathaus. „Ihr habt eine Menge für meine Reputation getan und ich bin mir sicher, Ihr werdet noch viel mehr für Kiel tun!“ Dass sie genau dieses Ziel verfolgen, machten die jungen Nachwuchspolitiker sehr schnell deutlich.

"Für Flüchtlinge und Fahrradwege"

In einer Vorstellungsrunde präsentierte sich jeder Kandidat und erzählte, für welchen Wahlkreis er antrat und welche Ziele er im Beirat verfolgen würde. Es entstand ein buntes Potpourri aus Anliegen, Vorschlägen und Vorhaben. Die einen wollten sich „für Flüchtlinge und Fahrradwege einsetzen“, die anderen wollten „mehr Sport- und Spielplätze“, wieder andere „eine Verschönerung der Tierheime“. Die Jugendlichen formulierten konkrete Wünsche, für die sie eintreten wollten, wie etwa die Verbesserung von Busverbindungen zu den Schulen oder die Erneuerung von Fahrradwegen. „Wir sind eine maritime Stadt, deswegen sollte es für jedes Kieler Kind möglich sein, an Schwimmkursen teilzunehmen“, verlangte etwa die 17-jährige Jette Born, Kandidatin für den Wahlbezirk Nord. Aber auch die „großen“ politischen Themen waren vielen ein Anliegen. Nahezu jeder zweite äußerte sich zur Flüchtlingspolitik und verlangte eine bessere Vernetzung der Kieler Jugendlichen mit jungen Flüchtlingen.

Nach der Vorstellungsrunde äußerte sich Treutel begeistert: „Ich finde es klasse, wie gut Ihr informiert seid und wie klar Ihr Euch und Eure Anliegen formulieren könnt. Ich hätte wirklich Schwierigkeiten, mich für einen Kandidaten entscheiden zu müssen.“ Zum Glück, so die Stadträtin, müsse sie nicht wählen. Das bleibt den jungen Kielern überlassen.

Auch Wahlkampf steht für die Jugend an

An dieser Stelle ist die Unterstützung des Kinder- und Jugendbüros gefragt. Sooke Dittbrenner und Chrissi Agriandou wollen neben der Eigeninitiative der Kandidaten ebenso für die nötige Aufmerksamkeit sorgen. Denn Wahlkampf ist auch für den Kinder- und Jugendbeirat von erheblicher Bedeutung. Die Mandate errechnen sich aus den im Bezirk lebenden Jugendlichen. Pro 1000 Wahlberechtigten gibt es einen Sitz im Beirat. So sind zum Beispiel für den Wahlbezirk Mitte – mit 3173 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren – drei Beiratsmitglieder vorgesehen, zur Wahl stehen insgesamt 23 Kandidaten. „Wir sind überrascht und überglücklich, dass sich so viele zur Wahl aufgestellt haben“, sagte Agriandou vom Jugendbüro. Nun müsse man die Wahlbeteiligung abwarten.

Der „Junge Rat“

Der Kinder- und Jugendbeirat ist eine Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen in Kiel. Rechtsgrundlage ist § 47d der Gemeindeordnung, nach der die Gemeinde Beiräte „für gesellschaftlich bedeutsame Gruppen“ vorsehen kann. Ratsversammlung, Fachausschüsse und Stadtverwaltung sollen Anregungen, Empfehlungen und Stellungnahmen des Beirates berücksichtigen. Der Jugendbeirat kann Anfragen an die Stadträte richten und an Sitzungen der Ratsversammlung und der Ausschüsse teilnehmen, die die Belange von Kindern und Jugendlichen betreffen. Er kann das Wort verlangen und Anträge stellen – für öffentliche und nichtöffentliche Tagesordnungspunkte. Das Budget des Beirates beträgt 3000 Euro jährlich. Die Mitglieder des Beirats erhalten für die Teilnahme an Sitzungen ein Sitzungsgeld.

Weitere Informationen und eine Liste aller Kandidaten unter: www.kiel.de/wahlsinn

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Das Gerede von der unpolitischen „Null-Bock-Generation“ stimmt schon längst nicht mehr. Wenn es um Umweltschutz oder – ganz aktuell – um das Thema Flüchtlinge geht, ist die Bereitschaft, sich zu engagieren, riesengroß. Aber Kommunalpolitik?

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