18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Trotz Krebs: Die Hoffnung auf ein Kind

Online-Petition Trotz Krebs: Die Hoffnung auf ein Kind

Joana G. ist 25 Jahre alt, als bei ihr Krebs diagnostiziert wird. Die Ärzte eröffnen ihr, dass sie durch die Chemotherapie unfruchtbar werden kann. Keine Kinder mehr zu bekommen – diese Vorstellung belastet die junge Frau zusätzlich zu all den anderen Ängsten. Nun startet sie eine Petition.

Voriger Artikel
Der Virus der Fröhlichkeit ist ansteckend
Nächster Artikel
Stromausfall am Südfriedhof

Joana G. (25) möchte mit ihrer Online-Petition erreichen, dass bei krebskranken Frauen und Männer die Kinderwunschbehandlung nicht länger an der sozialen Situation scheitert. Sie fordert, dass die Krankenkassen die Kosten dafür übernimmt.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Es gibt zwar mit dem Einfrieren von Eizellen eine Hoffnung. Doch das Verfahren ist teuer und die Kassen bezahlen es nicht. Das will die Kielerin nun ändern. Doch Joana macht das nicht für sich. Sie hat die Chemotherapie hinter sich, kämpft sich zurück in den Alltag. Eigentlich verlangt jetzt die Doktorarbeit an der Kieler Universität alle Kraft. Doch Joana kann das, was sie im vergangenen Jahr erfahren hat, nicht auf sich beruhen lassen. „Ich finde, wenn Menschen vor einer Chemo die Chance haben, Ei- oder Samenzellen einzufrieren, dann sollten sie diese Chance bekommen“, sagt die heute 26-Jährige und berichtet dann von jenem Zahnarztbesuch, mit dem alles begonnen hat.

 Es ist nur eine Routineuntersuchung, doch die Zahnarzthelferin stutzt, als sie eine Veränderung am Kieferknochen entdeckt. Auch der Zahnarzt hat so etwas noch nicht gesehen. Er schickt die junge Patientin umgehend in die Universitäts-Zahnklinik. In der Kieferchirurgie wird ein Osteosarkom diagnostiziert, ein Knochentumor, der vor allem in der Wachstumsphase und meist an den Extremitäten auftritt. „Dass man beim Zahnarzt den Tumor an dieser eher ungewöhnlichen Stelle entdeckt hat, war ebenso ein großes Glück wie die ärztliche Behandlung und umfassende Beratung“, sagt Joana. Denn als fest steht, dass eine Chemotherapie unausweichlich ist, wird die junge Frau auch über die Risiken einer Unfruchtbarkeit und die Möglichkeit einer Eizell-Konservierung aufgeklärt.

Eizellen einfrieren lassen ist teuer

 „Der potentielle Verlust der Fruchtbarkeit hat mich sehr belastet“, sagt die junge Frau. „Natürlich garantiert mir auch das Einfrieren von Eizellen nicht, dass ich später Kinder bekomme. Aber man hat wenigstens alles für diese Möglichkeit getan.“ Für jemanden, der lebensbedrohlich erkrankt ist und eine Chemotherapie durchstehen muss, sei das ein wichtiger Hoffnungsschimmer. Doch damit Eizellen eingefroren werden können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sei. Erstens muss sich die Krebsbehandlung noch ein paar Wochen aufschieben lassen. Zwei bis drei Wochen dauert es, die Produktion von Eizellen zu stimulieren, um sie dann bei einem kurzen Eingriff entnehmen und schockgefrieren zu können. Joana hat diese Zeit. Aber dann ist da noch die finanzielle Hürde.

 3000 bis 5000 Euro kosten Stimulation und Entnahme in Deutschland. Manchmal sind mehrere Behandlungen notwendig. Dazu kommen etwa 300 Euro für das Gefrieren und jährlich 250 bis 350 Euro für die Lagerung. „Im UKSH kostet das Verfahren 3000 Euro, die Lagerung ist für Patienten, die eine fruchtschädigende Chemo brauchen, frei“, sagt Joana. „Aber ich hatte auch diese 3000 Euro nicht.“

 Die Ärzte stellen einen Antrag bei der Krankenkasse. Die lehnt ab. Die Leistung steht nicht im Leistungskatalog. Und selbst wenn die Kasse die Kosten freiwillig übernehmen wolle, dürfe sie es nicht, weil der Gesetzgeber dies nur bei Verheirateten erlaube. Joana aber ist ledig. Das ist der Normalfall bei Menschen mit einem Krebs, der meist zwischen dem zehnten und 25. Lebensjahr diagnostiziert wird.

Eltern übernehmen die Kosten

 Joana bekommt Unterstützung. Ihre Eltern zahlen die 3000 Euro. „Sie wussten, dass ich mir diese Chance für die Zukunft nicht rauben lassen wollte. Die Möglichkeit, trotz allem später Kinder bekommen zu können, hat mich enorm entlastet und hilft mir noch immer, die Krankheit zu verarbeiten.“ Doch Joana weiß, dass bei vielen anderen jungen Frauen und auch Männern das Einfrieren der Ei- und Samenzellen an den Finanzen scheitert. Sie hat deshalb eine Online-Petition gestartet. „Ich fordere, dass die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet werden, die Kosten für alle Betroffenen unabhängig von Geschlecht, finanzieller Situation oder familiärem Status zu übernehmen.“

 3252 haben ihre Petition bereits unterzeichnet, darunter viele Betroffene. Aber auch Mediziner wie Prof. Friedemann Geiger halten die Forderung für sinnvoll – für die Patienten, aber auch aus gesundheitsökonomischen Gründen. „Nichts wünschen sich Patienten nach einer solchen Behandlung mehr als Alltag und Normalität“, sagt der Leiter der Pädiatrischen Psychoonkologie am UKSH. „Die Aussicht auf etwas, das für Gesunde ganz normal und selbstverständlich ist, hat psychologisch einen protektiven Effekt.“

Zur Petition: www.change.org/kinderwunsch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3