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Mutter warnte Behörden vor ihrem Sohn

Kindesmissbrauch in Gaarden Mutter warnte Behörden vor ihrem Sohn

Nach den zwei schockierenden Fällen von Kindesmissbrauch im Kieler Stadtteil Gaarden hat die Mutter des unter dringendem Tatverdacht festgenommenen 30-jährigen Mannes schwere Vorwürfe gegen Behörden und Polizei erhoben.

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Entführung und Vergewaltigung eines siebenjährigen Mädchens in Kiel-Gaarden: Foto der Mutter des mutmaßlichen Täters.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Sie hätten ihre ausdrückliche Warnung vor der Gefährlichkeit ihres psychisch kranken Sohnes nicht ernst genommen und sie mit ihren Ängsten allein gelassen, sagte die 50-Jährige den Kieler Nachrichten. „Ich habe überall gebeten, dass man ihn in eine psychiatrische Klinik einweist“, sagte die Mutter. Staatsanwaltschaft und Stadt wiesen die Vorwürfe zurück.

Die Frau sagte, sie wolle mit ihrer öffentlichen Aussage „alle anderen Mütter über die Abläufe informieren und mich bei allen entschuldigen, denen mein Sohn Leid angetan hat“. Die Frau sagte wörtlich: „Ich weiß, dass er krank ist, aber das ist keine Entschuldigung.“ Ihr Sohn steht im Verdacht, am 6. Januar eine Fünfjährige missbraucht zu haben, am 31. Januar eine Siebenjährige.

In Kiel Gaarden wurde eine Siebenjährige verschleppt und missbraucht. Hier sehen Sie Bilder von der Schule.

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Die Frau war mit ihrem aus dem Iran stammenden Ehemann 1998 aus Turkmenistan nach Deutschland gekommen – und mit ihrem einzigen Kind, dem damals zwölf Jahre alten Jungen. Alle haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach Aussage der Mutter war der Sohn 2014 stationär untergebracht. Dies habe damals das Kieler Gesundheitsamt veranlasst, so die 50-Jährige. Gegen Ende des Jahres 2015 habe sich sein Zustand so stark verschlechtert, dass sie selbst Angst vor ihm bekomme habe.

Polizei ließ Anfrage unbeantwortet

Bereits einen Tag vor dem ersten Kindesmissbrauch in einem Gaardener Kindergarten am 6. Januar sei sie erneut beim Gesundheitsamt vorstellig geworden und habe über ihre Sorgen informiert. Daraufhin habe das Amt den Sohn schriftlich zu einem Termin am 11. Januar eingeladen, der aber sei nicht erschienen, sie selbst sei hingegangen. Zudem habe sie mehrere Telefonate mit der Sachbearbeiterin geführt, zuletzt am Montag und Dienstag dieser Woche. Die Stadt bestätigte, dass sich die Frau hilfesuchend an sie gewandt habe. „Die Mutter wurde zuletzt im Januar vorstellig, dabei ging es allein um ihre Sorgen um das Leben ihres Sohnes“, sagt Stadtsprecher Arne Gloy. Die 50-Jährige behauptet allerdings, explizit auf die Gefahr für andere hingewiesen zu haben.

Die Kieler Polizei ließ eine schriftliche Anfrage unbeantwortet – anders als die Staatsanwaltschaft. „Wir können bestätigen, dass die Mutter Kontakt zur Polizei hatte“, sagt der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Am 18. Januar habe seine Behörde dadurch Kenntnis von der psychischen Erkrankung des 30-Jährigen erhalten. „Die Mutter äußerte, dass sie Angst um ihren Sohn habe und dieser seine Medikamente nicht mehr einnehmen würde“, so Bieler. Die Polizei habe nach dem Übergriff auf die Fünfjährige versucht, einen Haftbefehl gegen den Verdächtigen erwirken zu lassen, „doch es gab keinerlei Anhaltspunkte, die auf eine drohende Wiederholungsgefahr oder pädophile Tendenzen hätten schließen lassen“, sagt der Ermittler. Auch die Mutter sagt, sie habe nichts von pädophiler Neigung gewusst. Dass sich die Lage in der Nachschau anders darstelle, sei „besonders tragisch“, sagt Bieler. Juristisch habe es aber keine Alternative gegeben. Auch das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) in Kiel bestätigte, man habe im Januar Kontakt mit der Mutter gehabt.

Von Christian Longardt und Bastian Modrow

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