16 ° / 13 ° Sprühregen

Navigation:
Siebenjährige erlitt große Qualen

Kindesmissbrauch in Gaarden Siebenjährige erlitt große Qualen

Der sexuelle Missbrauch zweier Mädchen in Gaarden hat zu Beginn dieses Jahres für tiefe Betroffenheit gesorgt. Im Strafverfahren gegen den 31-jährigen Tatverdächtigen berichteten Rechtsmediziner am Mittwoch über die schweren gesundheitlichen Folgen für die Opfer.

Voriger Artikel
Verdacht gegen Chefplaner der Kieler Woche
Nächster Artikel
Brennendes Ceta-Symbol vor Landtag

Vor dem Landgericht in Kiel muss sich ein 31-Jähriger verantworten, der zwei Kinder missbraucht haben soll.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Kiel. Anfang Januar soll der Beschuldigte ein fünfjähriges Mädchen in der Toilette eines Kindergartens und drei Wochen später eine Siebenjährige in seiner Wohnung sexuell missbraucht haben. Dabei wurde das Kind derart schwer verletzt, dass bei dem Mädchen sogar „potenziell Lebensgefahr“ bestanden hatte, sagte eine Rechtsmedizinerin. Sie schilderte schreckliche Details der „massiven Gewalteinwirkung“. Unter Vollnarkose habe das Opfer in der Kieler Universitätsklinik operiert werden müssen. Auch bei der Fünfjährigen verursachten die Übergriffe des Täters nach Angaben der Sachverständigen „deutliche“, aber nicht so schwerwiegende Verletzungen.

Unter dem Vorwand, dem Mädchen eine Barbie-Puppe schenken zu wollen, hatte der 31-Jährige die Siebenjährige in seine Wohnung gelockt. Dort verging sich der Beschuldigte an dem Kind, verletzte es schwer. Wie ein Rechtsmediziner vor Gericht berichtete, befanden sich auf der Matratze und an Wäschestücken viele Blutspuren des Opfers. Der Angeklagte hatte nach Aussagen der Zeugen zunächst versucht, die massiven Blutungen des Mädchens zu stillen und sie dann durch einen Hinterausgang gehen lassen. Unterwegs sei die Siebenjährige aber von der Polizei aufgegriffen worden, nachdem die Mutter in Angst um ihr Kind die Behörden alarmiert hatte und nach dem Mädchen suchen ließ. Sie hatte von einer Freundin ihrer Tochter erfahren, dass ihre Tochter mit dem mutmaßlichen Täter, den die Siebenjährige zumindest flüchtig aus der Nachbarschaft kannte, mitgegangen war.

Der Familienvater gilt laut Gutachten als psychisch krank. In dem Verfahren vor der Jugendstrafkammer geht es für den Beschuldigten in dem Sicherungsverfahren um die dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Nach der Festnahme am 1. Februar war der Mann zunächst nach Neumünster in Untersuchungshaft gekommen, später dann in eine forensische Fachklinik nach Neustadt/Holstein verlegt worden. Sicher sind sich die Gutachter, dass er die Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit beging.

In einem Gespräch mit den Kieler Nachrichten hatte die Mutter des Verdächtigen bereits kurz nach Festnahme ihres Sohnes erklärt, die Behörden vor der zweiten Tat eindringlich, aber vergeblich vor ihrem Sohn gewarnt zu haben. Obwohl die Identität des Mannes bereits nach dem Übergriff auf die Fünfjährige bekannt gewesen war, hatte die Staatsanwaltschaft damals keinen Haftbefehl gegen den 31-Jährigen beantragt. Polizei, Staatsanwaltschaft und das städtische Gesundheitsamt waren daraufhin massiv in die öffentliche Kritik geraten. Als Konsequenz hatten Vertreter der drei Behörden ein Kooperationskonzept erarbeitet, um künftig effektiver zusammenarbeiten zu können. Unserer Zeitung hatte die 50-jährige Mutter beschrieben, dass ihr Sohn „nicht normal“ sei, sie sogar Angst vor ihm habe. Die ihm verschriebenen Psychopharmaka soll er eigenmächtig abgesetzt haben, er habe fantasiert. Die Übergriffe ihres Sohnes auf die Kinder belasteten die Mutter seelisch schwer: „Er ist nicht mehr mein Sohn“, sagte sie den Kieler Nachrichten.

Der Prozess wird fortgesetzt. Nächster Verhandlungstag ist bereits am Freitag.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Kindesmissbrauch in Flüchtlingsheim
Foto:  Die beiden Angeklagten verbergen ihre Gesichter hinter einem Aktenordner (l) und einem Schirm im Landgericht in Kiel in einem Gerichtssaal. Daneben sitzen die Anwälte Ralf Stelling (3.v.l) und Thomas Jung (2.v.r).

„Der Vater hat fast die ganze Zeit geheult, der war völlig fertig.“ Ein Polizist berichtete vor Gericht über einen Einsatz wegen Kindesmissbrauchs im Flüchtlingsheim Boostedt. Der Vater soll seinen Sohn mit dem mutmaßlichen Täter noch am Tatort gesehen haben.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3