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In einem Kreuz sieht man nicht nur Leid

Kirchen In einem Kreuz sieht man nicht nur Leid

Wer sich eine Kirche genauer anschaut, entdeckt viele Details. Auf dem Kirchturm dreht sich in vielen Fällen ein Wetterhahn im Wind. So auch an der Kieler St. Nikolaikirche, deren Dachreiter wiederum von einem Kreuz gekrönt ist – und auch eine Kugel sucht der Besucher am zentralen Gotteshaus der Stadt nicht vergebens.

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Eine Kirche mit zwölf Fenstern? Ist das Zufall? Carla Baumann-Speth und ihr Mann Claus Speth (re.) wissen, dass es dafür gute Gründe gibt. Sie bieten künftig Führungen an, die vor allem das eigene Erleben des Raums ermöglichen sollen. Dänischenhagens Pastor Peter Kanehls findet das Konzept, das auch in seiner Kirche angeboten werden soll, rundum gut.

Quelle: Sven Janssen

Kiel/Dänischenhagen. „Da steht eine ganze Kultur hinter“, freut sich Claus Speth (71). Der Strander hat sich zusammen mit seiner Frau Carla Baumann-Speth (61) am Pädagogisch-Theologischen Institut der Nordkirche in Hamburg zum Kirchenführer ausbilden lassen. Und nun wollen die beiden kostenlose Kirchführungen in Kiel und Dänischenhagen anbieten, um Touristen und eher kirchenfernen Einheimischen die Bedeutung der unterschiedlichen sakralen Symbole näherzubringen.

 Das Motto dabei ist: „Kirchen verstehen und zugänglich machen“. An erster Stelle steht das Wahrnehmen, sagt Speth. Erst dann kommt das Erklären und das Deuten. Denn der Besucher soll den „steingewordenen Glauben“ vor allem mit eigenen Augen sehen, ergänzt seine Ehefrau. Daher wollen sich die beiden bei den Führungen arg zurücknehmen. „Wir wollen Moderator sein“, unterstreicht Baumann-Speth. Von diesem Konzept, das daher auch gar nicht unbedingt „Kirchenführung“ heißen müsste, ist auch Pastor Peter Kanehls der Gemeinde in Dänischenhagen angetan. In seiner Kirche werden die beiden ab Juni immer mittwochs ab 15 Uhr während der „Offenen Kirche“ Ansprechpartner sein und über die Geschichte und Ausstattung des Gebäudes, über die Architektur und die geistliche Bedeutung informieren.

 In Kiel kann man mit ihnen durch die St. Nikolaikirche am Alten Markt sowie durch die kurz vor Ostern wieder als Gemeindekirche geöffnete Petruskirche in der Wik gehen. Neben ihrer fast anderthalb-jährigen Ausbildung in Hamburg können die Speths dabei auch aus ihrem Berufsleben schöpfen: Carla Baumann-Speth ist Architektin, Claus Speth war Ingenieur. 2003 hat sie sogar eine Kapelle auf dem Krooger Waldhof geplant und hat Kanzeln für Gemeinderäume der Gemeinschaft in der Landeskirche entworfen, er hat für diese Kreuze gebaut. Auf die Idee zur Kirchenführer-Ausbildung sind dann vor gut zwei Jahren bei einem Besuch im Schleswiger Dom gekommen, als sie selbst an solcher teilnahmen und „total begeistert“ waren.

 „So eine Führung soll eine halbe bis dreiviertel Stunde dauern“, kündigt Speth an. Dabei wollen sie nicht mit Jahreszahlen um sich werfen, die ohnehin niemand behalten kann. Wer das wissen wolle, könne in einen gedruckten Kirchführer gucken. Die beiden wollen vielmehr den Blick auf einen Einrichtungsgegenstand lenken, diesen wirken lassen und aufkommende Fragen beantworten. Das kann etwa das Kruzifix sein, für das Baumann-Speth eine besondere Leidenschaft hat. „In einem Kreuz sieht man nicht nur das Leid“, erklärt sie. „Jedes Kreuz enthält auch die Auferstehung.“ So trage Jesus in der Kirche von Dänischenhagen einen goldenen Lendenschurz, in St. Nikolai in Kiel ranken sich Blüten um das große Triumphkreuz, das übrigens auch ihre Prüfungsaufgabe war. So verwundert es nicht, dass sie auch ausgiebig dazu referieren kann, wie und wann es dazu kam, dass nicht mehr je ein Nagel durch die Füße des Heilands geht, sondern nur noch einer durch beide.

 Für Claus Speth ist die Kirche in Dänischenhagen ein gutes Beispiel für den evangelischen Kirchenbau: Aus der Kirchenbank fällt der Blick der Gläubigen auf den Kanzelaltar, der das Sakrale (Abendmahl) mit dem Wort Gottes (Predigt) kombiniert. Davor sind Ambo (Lesungen) und die Taufe angeordnet. Alles wesentliche sei dort vereint, unterstreicht Speth, der gut 40 Jahre lang gar kein Mitglied der Landeskirche war, aber 2004 wieder eingetreten ist. Besonders das lichtdurchflutete Auferstehungskirche an der oberen linken Ecke der Ostwand hat es ihm angetan. Generell, die Fenster. Zwölf Fenster hat die Kirche. Und auch die Empore steht auf zwölf Säulen, erläutert er. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ein Zufall ist.“ Die Bauherren hätten so offenkundig Bezüge zur Zahl 12 in der Bibel hergestellt, etwa den zwölf Stämmen Israels. Kurzum: „Kirchenräume sind bewusst als Symbolräume konzipiert.“ Und das ist die klare Botschaft der Speths.

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