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Vieles ist besser geworden – aber auch gut?

Kirchenweg 34 Vieles ist besser geworden – aber auch gut?

Eine Einschätzung der Initiative „Wohnwert“ von Haus & Grund hatte im Sommer 2015 eine Kontroverse um das Haus im Kirchenweg 34 in Gaarden ausgelöst. Inzwischen hat sich die Lage im überwiegend von Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien bewohnten Gebäude entspannt. Kritik gibt es aber weiterhin.

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Das Problemhaus im Kirchenweg 34 in Gaarden. Der Eigentümer will das Gebäude nun grundlegend sanieren.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Zimmer für Zimmer wurde der Kirchenweg 34 lange Zeit an Einzelpersonen, Paare und ganze Familien vermietet. Die Folge: Das Haus war extrem dicht belegt. Wann immer möglich, hielten sich die Bewohner im Freien auf. So kam es zu Konflikten mit der Nachbarschaft wegen Lärms und auch wegen überbordender Müllberge. In einem Brandbrief an den Kieler Oberbürgermeister beschrieben es die Leute von „Wohnwert“ so: „Die vermieteten Zimmer dienen zum Wohnen, Schlafen, Kochen, oft auch zum Wäsche waschen. Oft beeinträchtigt Feuchtigkeit und Schimmel die Lebenssituation der Bewohner. Besonders für Kinder ist dies nicht zumutbar.“ Mithin, so hieß es in dem Schreiben weiter, schade die Situation dem gesamten Umfeld. Engagierte Vermieter hielten sich mit Investitionen zurück, manche Häuser verlören an Wert und seien gefährdet, „zum gleichen ‚Geschäftsmodell‘ zu konvertieren“.

 Die Reaktion der Stadtverwaltung ließ nicht lange auf sich warten. Keineswegs wollte man länger hinnehmen, dass dieses Haus von – je nach Schätzung – 100 bis 140 Menschen bewohnt wird. Und verhängte eine Verfügung, wonach aus Brandschutzgründen bis zum 15. September 2015 nur noch 40 Bewohner zulässig seien.

Kirchenweg 34 steht etwa zur Hälfte leer

 Jetzt, fast ein Jahr später, sieht es so aus, als ob dieses Ziel ungefähr erreicht sein könnte. Wie viele Mieter genau im Kirchenweg 34 wohnen, weiß niemand so genau, weil sich viele schlicht nicht an- oder abmelden. „Das ist kaum zu kontrollieren“, gibt Verwalter Erik Währum zu. Etwa zur Hälfte jedenfalls steht das Haus nach seinen Angaben inzwischen leer. Allerdings nicht wegen der aus seiner Sicht ohnehin rechtswidrigen, weil willkürlichen Auflagen der Stadt, sondern aus anderen Gründen.

 „Im jetzigen Zustand kann das Haus nicht dauerhaft bewohnt werden“, sagt der Verwalter, nach dessen Angaben der Eigentümer seine Strategie darauf angepasst hat. Will heißen: Wann immer jemand auszieht, wird nicht nachbesetzt, Schritt für Schritt soll das Gebäude völlig leer werden. Danach will der Eigentümer grundlegend sanieren, gerade auch im Elektro- und Sanitärbereich, um wieder komplette Wohnungen für Familien zu schaffen. „Sozialverträglich“, wie Währum betont. Es werde mit Mieten gearbeitet, die weiterhin in die Vorgaben des Jobcenters für Hartz-IV-Empfänger passen.

 Entspannt hat sich derweil – offenbar nicht allein wegen der gesunkenen Zahl von Bewohnern – das Müllproblem. Während sich früher tagtäglich wahre Berge von Unrat anhäuften, sieht es im Umfeld des Hauses zwar noch lange nicht schick, aber deutlich sauberer aus. Währum führt das darauf zurück, dass die sensible Ecke Kirchenweg/Steinmarderweg umzäunt worden ist und seither kein Müll mehr von außen abgelagert werden kann.

Auflagen der Stadt wurden erfüllt

 Positiv scheint der Entwicklung auch zugute zu kommen, dass das zunächst von Vorwürfen und juristischen Scharmützel geprägte Verhältnis zwischen Stadt und Hausverwaltung wieder ins Lot gekommen ist. Nachdem die Wogen hochgeschlagen waren, einigte man sich darauf, zurück auf die Arbeitsebene zu kommen. Und hat sich daran gehalten. Verwalter Währum spricht von einem guten Kontakt zum Bauordnungsamt, mit dem man alle wesentlichen Schritte abstimme: „Das funktioniert wunderbar.“

 Was die zuständige Sachgebietsleiterin der Behörde fast wortgleich bestätigt. „Herr Währum hält den Kontakt zu uns“, sagt sie und hebt hervor, dass alle Brandschutzauflagen der Stadt erfüllt worden seien. Entscheidend aus Sicht der Verwaltung ist, dass Räume, die über keinen zweiten Rettungsweg verfügen, nicht vermietet werden.

 Ausdrücklich begrüßt wird seitens der Stadt die Absicht, wieder klassische Wohnungen im Kirchenweg 34 zu schaffen. Anfang 2017 könnte es nach Vorstellungen der Hausverwaltung damit losgehen, ob das tatsächlich klappt, ist aber ungewiss. Zwangsweise will die Hausverwaltung keinen Mieter vor die Tür setzen. Und wegen des schlechten Zustands des Gebäudes wollen die meisten zwar ohnehin ausziehen, haben aber laut Währum oft ein gravierendes Problem: „Die müssen erst einmal was finden.“

"Haus beeinträchtigt Nachbareigentümer"

 Kaum ein Vermieter lasse sich darauf ein, Bewohner aus Rumänien und Bulgarien aufzunehmen, beklagt der Mann von der Firma GF Consulting. Dass es am Kirchenweg ruhiger geworden ist, sei überwiegend dem Umstand zu verdanken, dass Mieter in anderen von dem Unternehmen verwalteten Häusern eine Wohnung bekommen haben. Wobei Währum betont: „Das biete ich nur denen an, die sich anständig benommen haben.“

 Unterdessen bleibt Haus & Grund bei seiner skeptischen Haltung. „Es war ein gut gemeinter, aber erfolgloser Ansatz“, bewertet Geschäftsführer Sönke Bergemann die Bemühungen um eine Verbesserung der Situation. Positiv sei zwar die weniger dichte Belegung und auch der Zaun gegen den Müll, das Grundproblem aber bleibe: „Das Haus beeinträchtigt nach wie vor die Nachbareigentümer.“ Gleichzeitig betont er: „Es geht nicht darum, wer dort wohnt, sondern wie viele Personen auf wie viel Quadratmetern und in was für baulichen Zuständen.“

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