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Stadt sucht den Dialog

Kirchenweg Stadt sucht den Dialog

Sozialdezernent Gerwin Stöcken und andere hochrangige Rathausleute informierten am Mittwochabend in der Hans-Christian-Andersen-Schule über die Zukunft des Hauses Kirchenweg 34. Sie bekräftigten, dass die Begrenzung auf 40 Bewohner lediglich Brandschutzgründe habe.

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Dicht gedrängt waren die Reihen, als Vertreter der Stadt die Betroffenen über ihre Pläne zum Kirchenweg informierten.

Quelle: Martin Geist

Kiel. „Sie sind Kielerinnen und Kieler.“ Für diesen Satz erhielt Sozialdezernent Gerwin Stöcken sogar Szenenapplaus. Die Harmonie war allerdings keineswegs immer so groß.

Noch einmal betonten die Vertreter der Verwaltung, dass die angestrebte Begrenzung auf 40 Bewohner allein mit dem Brandschutz zu tun habe. Sollte es zu einem Feuer ähnlich wie jüngst in der Feldstraße kommen, müssten mit hoher Wahrscheinlichkeit Todesopfer befürchtet werden, lautete das Argument in dieser nichtöffentlichen Versammlung. Ein zentraler Punkt sind die Fluchtwege. Etliche Zimmer weisen nur eine Tür zum Flur auf. Und wenn es dort brennen sollte, bliebe den Betroffenen nichts als der Weg in Rauch und Feuer. Bemängelt werden auch unsachgemäß angeschlossene Herde. „Wenn ein Kind daran fasst, ist es tot“, konstatierte Gerwin Stöcken.

Bekräftigt wurde, dass durch die Verfügung der Stadt niemand obdachlos werde. „Wir haben als Stadt die Pflicht, solche Situationen zu vermeiden und kommen dieser Pflicht auch nach“, versicherte Stöcken. Zwar wirkten diese Worte beruhigend auf die gut 50 erschienenen Bewohner, gleichwohl war aus vielen Äußerungen starke Verunsicherung herauszuhören.

In diesem Punkt zeigte sich Stöcken selbstkritisch. Er habe „sehr viel Angst“ erlebt, und das sei offenkundig auch auf eine nicht optimale Kommunikation zurückzuführen. Künftig, so versprach auch Bürgermeister Peter Todeskino, werde nichts mehr verfügt, ohne zuvor das Gespräch mit den Betroffenen und ihren Beratern gesucht zu haben.

Auch sonst signalisiert die Stadt Dialogbereitschaft. Schriftlich wurde der Hausverwaltung angeboten, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Sinnvoll erscheint das der Stadt nicht zuletzt deshalb, weil die Bewohner in der Versammlung wiederholt betont hatten, dass Verwalter Erik Währum große Anstrengungen unternehme, um die Situation zu verbessern.

Zugleich zeichnet sich ab, dass die Stadt nicht unter allen Umständen auf der starren Begrenzung auf 40 Bewohner beharren wird. Man müsse jeden Einzelfall und die Situation der jeweiligen Familien betrachten, sagte Stöcken.

Matthäus Weiß vom Landesverband der Sinti und Roma äußerte derweil Verständnis für das Vorgehen der Stadt. Die Zustände im Kirchenweg seien in vieler Hinsicht „unverantwortlich“. Es müsse dringend etwas getan werden, um die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern. Eine Lösung nach dem Vorbild der Sinti-Siedlung Maro Temm hält Weiß dabei für wenig wahrscheinlich. „Die politischen Umstände haben sich so geändert, dass eine Förderung nicht zu erwarten ist“, meint er. Dennoch müsse man mutig denken. In seinen Augen wäre es vernünftiger, „etwas Neues zu schaffen, als die Menschen immer nur in schlechte Provisorien zu verschieben“. Weiß denkt dabei nicht unbedingt an einen Neubau, sondern beispielsweise daran, ungenutzte Militärgebäude in der Wik als Wohnräume für Roma zur Verfügung zu stellen.

Der Eigentümerverein Haus & Grund Kiel und die Initiative „Wohnwert“ Gaarden begrüßen weiterhin das Vorgehen der Stadt. Viel zu lange wurde nach Auffassung der bei „Wohnwert“ engagierten Eigentümer aus dem Kirchenweg weggesehen. Die Petition richte sich nicht gegen die jetzigen Bewohner und auch nicht gegen den aktuellen Eigentümer und Verwalter. Das Problem seien allein die schon seit Jahren nicht akzeptablen Zustände. „Es geht nicht darum, wer dort wohnt, sondern wie viele dort wohnen“, kommentierte Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund Kiel, den Eindruck, der in der Berichterstattung des NDR erweckt wurde. Der Begriff „normale Mieter“ könne missverstanden werden, sei aber nur als Gegenstück zu den „hippen Mietern“ gemeint, die angeblich von „Wohnwert“ Gaarden bevorzugt würden.

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Foto: Sorge um den Brandschutz: Experten der Berufsfeuerwehr kommen zu der Einschätzung, dass im Falle eines großen Brandes und mit Einsatz von zwei Drehleitern binnen einer halben Stunden gerade einmal 24 Menschen gerettet werden könnten

Weiterhin sehr konträr sind die Ansichten zum Vorgehen der Stadt in Sachen Kirchenweg 34. Wie berichtet sollen dort vom 15. September an nur noch 40 statt bislang möglicherweise mehr als 100 Menschen wohnen dürfen.

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