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Kirchenweg: „Probleme nicht hausgemacht“

Kiel-Gaarden Kirchenweg: „Probleme nicht hausgemacht“

Entschieden zurückgewiesen hat der Verwalter des Hauses Kirchenweg 34 den Vorwurf der Initiative „Wohnwert Gaarden“, wonach die Immobilie aus Gewinnstreben so überbelegt werde, dass das gesamte Umfeld darunter leide. Vielmehr sehen sich Verwalter und Eigentümer von den anderen Hausbesitzern und auch von der Stadt alleingelassen.

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Müll vor dem Haus ist ein gewohnter Anblick. Einige Bewohner schlachten Sperrmüll nach Verwertbarem aus und lassen die Reste einfach liegen. Manchmal stapelt sich der Abfall denn meterhoch.

Quelle: Martin Geist

Kiel. „Nicht zumutbar“ seien die Umstände, unter denen die überwiegend aus Bulgarien stammenden Mieter leben, bedenklich sei die „extreme Wohnsituation“ vor allem für Kinder, klagten die „Wohnwert“-Aktiven in einem Schreiben an den Oberbürgermeister. Ursache des Problems sei vor allem die Überbelegung des Hauses, das zimmerweise vermietet werde, so dass oft drei und mehr Menschen ihren gesamten Alltag in einem Raum verbringen müssten.

 Ganz von der Hand weist Erik Währum, Chef der Verwaltungsfirma GF Consulting, diese Darstellung nicht. Jedoch seien die Probleme viele Jahre alt und hätten mit dem jetzigen Eigentümer, der erst vor wenigen Monaten eingestiegen sei, nichts zu tun. Zudem habe man längst reagiert, betont Währum. „In allen neuen Mietverträgen steht, dass die Zimmer höchstens von zwei Leuten bewohnt werden dürfen.“ Nur unzureichend zu kontrollieren sei allerdings, ob diese Vorgabe eingehalten wird. Und selbst wenn Verstöße nachweisbar wären: „Soll ich die Leute rausschmeißen und auf die Straße setzen?“

 Dass das im Kirchenweg praktizierte Geschäftsmodell einer Geldmaschine gleichkomme, verweist Währum ins Reich der Phantasie. Der neue Eigentümer hat nach seinen Angaben „noch keinen Cent herausgezogen, sondern alle Einnahmen wieder ins Haus gesteckt und noch eigenes Geld zugesetzt“. Bei Zimmerpreisen von „all inclusive“ 200 bis 320 Euro sei der Spielraum ohnehin gering.

 Enorm teuer war nach Währums Angaben die Rattenbekämpfungsaktion, bei der am Hinterhof ein städtisches Grundstück großflächig ausgebaggert wurde. Auch sei die Müllentsorgung wesentlich verbessert und entsprechend teuer geworden. Nicht zuletzt schmälere der immense Stromverbrauch der Mieter den Ertrag. Das liegt aus Sicht von Erik Währum nicht an der Unvernunft der Bewohner, sondern daran, dass sie sich nur alte energiefressende Haushaltsgeräte leisten können.

 Der Verwalter, der auch den einst berüchtigten „Bullentempel“ an der Waldwiese betreut und nach eigenen Angaben ein gutes Jahr brauchte, um dort Ruhe hereinzubringen, glaubt, dass auch im Kirchenweg, Verbesserungen möglich sind und teils bereits stattgefunden haben. Allerdings sei der Eigentümer allein damit überfordert. „Das eigentliche Problem ist, dass die Leute nicht integriert sind“, betont er. Niemand kümmere sich darum, ob die Kinder die Schule besuchen, niemand fühle sich dafür zuständig, den Menschen die deutsche Sprache beizubringen. „Die Lebenssituation der einzelnen Leute muss sich ändern“, fordert der Verwalter. Das sei nur durch intensive soziale Begleitung möglich, mithin also durch entsprechendes Engagement der öffentlichen Hand.

 Den Brandbriefschreibern des von Haus & Grund getragenen Projekts „Wohnwert Gaarden“ wirft Währum ihrerseits Profitgier vor: „Die wollen, dass alles schick ist und sie ihre Häuser an möglichst hippe Leute vermieten können. Aber was passiert, wenn ich im Kirchenweg alle Mieter rausschmeiße. Die sind dann doch nicht weg?“

 Verwaltung und Eigentümer denken gleichwohl offenbar ernsthaft in diese Richtung. Statt sich für Probleme beschimpfen zu lassen, die letztlich gesellschaftlicher Natur seien, wäre es viel einfacher, das Haus zu räumen, um es zu renovieren und der Stadt als Flüchtlingsunterkunft anzubieten, nennt Währum eine mögliche Alternative.

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