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Zum Glück gibt’s den Notdienst

Kita-Streik Zum Glück gibt’s den Notdienst

Junge Eltern hatten am Donnerstag einen harten Tag. Warnstreik im öffentlichen Dienst: Es blieben auch viele Türen der städtischen Kindertageseinrichtungen geschlossen. Nur vier Kitas im gesamten Kieler Stadtgebiet hatten regulär geöffnet. Acht Einrichtungen boten zudem einen Notdienst an.

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Zum Abschied noch schnell gemeinsam ins Buch geguckt, dann geht es für Paula Ahsbahs (33) weiter zum Dienst. Aber Johan (2) und Karlotta (4) sind versorgt im Kinderhaus Goethestraße.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Das Kinderhaus Goethestraße gehörte dazu. Uff, das ist gerade noch mal gutgegangen. Bei Paula Ahsbahs (33) schrillten alle Alarmglocken, als sie vom bevorstehenden Streik in den städtischen Kindergärten hörte. Wohin mit Johan, der am Mittwoch gerade seinen zweiten Geburtstag gefeiert hatte, und mit Töchterchen Karlotta, die vergangene Woche vier Jahre alt wurde? Doch zum Glück gehen ihre Kinder ins Kinderhaus Goethestraße. Karlotta bekam einen Platz in der Notbetreuung für den Elementarbereich, in dem die größeren Kinder betreut werden. Und im Krippenbereich für die Kleineren wurde eh nicht gestreikt. Dort sind die meisten Mitarbeiter in der Gewerkschaft Komba, die erst am Dienstag zur Arbeitsniederlegung aufruft. „Beim letzten Streik sprangen meine Eltern aus Neumünster ein“, sagt Paula Ahsbahs. „Aber die sind gerade im Urlaub. Und auch meine kleine Schwester in Kiel ist zurzeit verreist. Das wäre echt problematisch geworden“, erzählt die Physiotherapeutin am Morgen beim Bringen der Kinder. Schnell wird noch gemeinsam in ein Buch geguckt, dann geht es weiter zum Dienst. „Ich habe aber vollstes Verständnis für die Erzieher“, sagt sie noch beim Rausgehen.

Auch Mutter Laura Ballin (33) findet es in Ordnung, dass die Erzieher ihre Interessen vertreten. Vergnügt zieht sie ihrer 16 Monate alten Tochter Emma die Hausschuhe an. Heute musste sie sich nicht um eine alternative Unterbringung kümmern. Emma geht in den Krippenbereich, der erst nächste Woche bestreikt wird. Und für den Tag hat sie schon vorgesorgt. Ihr Vater aus Kellinghusen wird einspringen und sich um seine Enkelin kümmern. „Zum Glück wird das immer rechtzeitig angekündigt“, sagt sie. „Ansonsten wäre es echt schwierig geworden.“ Gleich wird sie weiter nach Rendsburg fahren. Dort wird die Lehrerin am Gymnasium schon von ihren Schülern erwartet.

Zusammen mit einem Kollegen hat Oliver Kaiser, der zweite Leiter des Kinderhauses Goethestraße, den Notdienst für diesen Tag übernommen. „Normalerweise betreuen wir 66 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren im Elementarbereich. Heute haben wir nur 22 Notplätze“, sagt der 49-Jährige. „Durch den letzten Streik haben wir aber schon Routine.“ Und die Eltern anscheinend auch. Nur 20 der möglichen Plätze wurden in Anspruch genommen. „Die Eltern wissen, dass wir verantwortungsvoll mit Streik umgehen, und wir wissen, dass die Eltern verantwortungsvoll mit den Notplätzen umgehen“, so Kaiser. Schon beim wochenlangen Streik im vergangenen Jahr musste der Kindergarten nur einen einzigen Tag schließen. Alle anderen Streiktage konnten mit einem Notdienst aufgefangen werden.

"Wir halten den Rücken frei"

Als Streikbrecher sieht sich Oliver Kaiser ganz und gar nicht. „Auch jeder, der arbeitet, steht hinter den Forderungen der Gewerkschaften. Wir halten den streikenden Kollegen im Grunde den Rücken frei. So können sie guten Gewissens streiken.“ Weil bei der vorherigen Arbeitsniederlegung nur ein Kompromiss erzielt worden sei, sei die Streikbereitschaft bei allen sehr hoch, so der Kita-Leiter. Für Dienstag, wenn die Gewerkschaft Komba des Deutschen Beamtenbundes zum Streik aufruft, ist das Kinderhaus Goethestraße gerüstet. „Diesmal ist aber vor allem die Krippe betroffen“, so Kaiser. 40 Krippenkinder besuchen derzeit die Kindertagesstätte. Ein Notdienst sei geplant. „Niemand wird vor verschlossenen Türen stehen.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Och nö, nicht schon wieder! Bitte nicht ein neuer Kita-Streik! Der Anblick von Menschenmassen mit Trillerpfeifen und Transparenten sorgte am Donnerstag nicht überall für Verständnis. Aber keine Angst. Dies ist vorerst nur ein Warnstreik im öffentlichen Dienst, und der muss leider sein.

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