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Eine neue Ära des Operierens

Chirurgie Eine neue Ära des Operierens

Klaus-Peter Jüneman wurde zum Sprecher des neu gegründeten Zentrums für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie gewählt. Es ist das erste in Deutschland und mit zwei Da-Vinci-Systemen ausgestattet. Das OP-System eliminiert jedes menschliche Zittern und präzisiert den Chirurgen durch Untersetzung.

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Chirurg Dr. Mark Schlemminger und OP-Schwester Melisa Buss assistieren direkt am Patienten (über diesem: die Roboterarme) dem Chirurgen an der Konsole. Dieser sieht dreidimensional, was der Monitor (hinten) in 2-D-Darstellung zeigt.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Wenn Klaus-Peter Jünemann in Fahrt kommt, könnte er sogar Menschen begeistern, die schon beim Gedanken an eine Operation Angst bekommen. Seine Antworten sind präzise, die Erklärungen anschaulich, doch vor allem weiß er ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass eine neue Ära der Chirurgie begonnen hat, deren Mitgestaltung den renommierten Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie anspornt. „Ich will die offene Chirurgie verdrängen“, sagt er.

 Gerade wurde er zum Sprecher des neu gegründeten Zentrums für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie gewählt. Es ist das erste in Deutschland. Von Anfang an gehören neben der Medizinischen Fakultät der Kieler Universität (CAU) die Kieler UKSH-Kliniken für Allgemeine Chirurgie, für Gynäkologie und für Urologie dazu, am 1. Januar werden die Kliniken für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie sowie für Orthopädie und Unfallchirurgie folgen. Festes Mitglied ist das Anatomische Institut der CAU, Beobachter die HNO-Klinik, Partner die Kiel School of Gynaecological Endoscopy. „Wir treffen uns seit dem Sommer einmal im Monat, die Geschäftsordnung prüft zurzeit der Justitiar des UKSH“, sagt Jünemann. Im Prozess ist auch die Namensgebung. Stellvertretender Sprecher des neuen Zentrums ist der Direktor der Allgemeinen Chirurgie, Prof. Thomas Becker, Koordinatorin Miriam Berwanger.

 Operativer Kern des Zentrums sind die seit Kurzem zwei Da-Vinci-Systeme, die je zur Hälfte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert hat. Das erste Da-Vinci-System, für das die Damp-Stiftung die andere Hälfte (1,15 Millionen Euro) bewilligte, wurde im Januar 2013 installiert. Es folgten Monate des Übens, Übens, Übens. Zuerst in Straßburg, Gent, Brüssel und Paris an Forschungsschweinen, dann in Kiel mit einem Lehrer, der jeweils die ersten zwei Tage dem Chirurgen zur Seite stand, und anschließend in monatelanger gegenseitiger Supervision. „Es haben alle mitgemacht“, sagt Jünemann, „und wir hatten inzwischen jede Universitätsklinik in Deutschland zu Gast.“ Der in Kiel entwickelte Standard für eine optimale Sterilisierung der Instrumente, speziell der Seilzugtechnik, ist heute Standard in ganz Deutschland. Dadurch, dass schon Ärzte und Schwestern dreier Kliniken ausgebildet sind, können Krankheitsausfälle kompensiert werden.

 Das OP-System Da Vinci eliminiert jedes menschliche Zittern und präzisiert den Chirurgen durch Untersetzung. „Das bedeutet so minimale Bewegungen, wie man sie offenchirurgisch oder laparoskopisch nicht hinbekommen kann“, erklärt Jünemann. Die Vorteile für Patienten wurden in teils noch unveröffentlichten Studien evaluiert. Komplikationen nach roboterassistierten OPs traten demnach bei elf Prozent der Patienten auf; nach laparoskopischen OPs waren es 17, nach offenchirurgischen OPs 23 Prozent. Roboterassistiert Operierte können nach Jünemanns Angaben das Krankenhaus früher verlassen und sind schneller wieder am Arbeitsplatz.

 Das neue Zentrum soll drei Aufgaben erfüllen: Krankenversorgung, Ausbildung an einem Simulatorsystem, und Forschung. Entwickelt werden sollen mithilfe aufgezeichneter Operationen ein Masterprogramm für optimierte Simulation und die Möglichkeit, bildgebende Verfahren in die Konsole einfließen zu lassen. „Sie könnten dann die MRT-Aufnahme der Prostata während der OP über die Prostata legen. Bei jeder Bewegung ginge das Bild exakt mit, und als Chirurg wüssten Sie immer genau, wo der Tumor ist und endet.“ Irgendwann werde der Operateur mit einem Handschuh im virtuellen Raum die Roboterarme steuern. „Wenn die Maschine lernfähig sein sollte und wenn Sie der Maschine beibringen, auch intuitiv zu operieren, dann kann der Roboter es irgendwann auch selbst. Aber nicht in den nächsten 20 Jahren.“

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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