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Wasser so grün wie Baumkronen

Kleiner Kiel Wasser so grün wie Baumkronen

Die Bäume grünen, der Kleine Kiel grünt mehr. Was an den Pflanzen ein schöner Anblick ist, ist es auf dem Kleinen Kiel nicht. Auf zwei Dritteln des Gewässers blühen die Algen emsig.

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Algen soweit das Auge reicht: Mehr als die Hälfte des Wassers im Kleinen Kiel sind von den Grünpflanzen bedeckt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel.  „Wegen des Wetters – Wärme und Sonne – setzt die Algenblüte dieses Jahr relativ früh ein“, sagt Stadtsprecher Arne Gloy. Ab Dienstag kommt wieder ein Mähboot zum Einsatz, um den Algenteppich zu beseitigen.

 Damit wird das Problem zwar an der Oberfläche behoben, die Ursachen liegen in dem 1,60 bis 1,70 Meter flachen Gewässer jedoch tiefer. „Zu viel Licht, zu viele Nährstoffe, zu viel Fotosynthese und zu flach“, zählt Rüdiger Schulz, Professor für Botanik im Botanischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Ursachen der Algenblüte auf. Schulz arbeitet an einem Forschungsprojekt über Mikroalgen.

 „Die Algen an sich sind zwar nicht gefährlich, für den Teich und die Fische sind sie es aber schon“, sagt der 55-Jährige. Wenn die Algen absinken, setzen sie sich als Biomasse auf dem Boden ab. Dort entziehen sie dem Wasser den Sauerstoff, wodurch die Fische wiederum gefährdet werden. „Diese Biomasse, die in dem kleinen Gewässer gefangen ist, einfach nur herauszunehmen, ist langfristig gesehen aufwändig und teuer. Zumal dabei der Bewuchs und der Grund zerstört werden können“, sagt Schulz.

 Günstiger wäre es nach Einschätzung des Experten, den Kleinen Kiel dauerhaft zu belüften und Nährstoffe herauszuholen. Dadurch könnte das Umkippen des Gewässers verhindert werden. Die Nährstoffe gelangen aus dem Regenwasser und Dünger, dem Zersetzungsprozess und natürlich durch Wasservögel in den Kleinen Kiel.

 Carsten Pusch von der Landesstelle Wasser des Naturschutzbunds Schleswig-Holstein hält es für schwierig, eine ordentliche Belüftung zu gewährleisten. „Die Fontäne, die im westlichen Teil des Kleinen Kiels steht, dient eigentlich dazu, Sauerstoff und Bewegung ins Gewässer zu bringen. Die Fische leiden unter der Sauerstoffzehrung der Algen.“ Dennoch konnte die Fontäne die Algenproblematik nicht verhindern – außerdem ist sie aufgrund des Algenteppichs momentan abgestellt. Die Düsen würden verstopfen.

 Prof. Schulz schlägt vor, die Nährstoffzufuhr zu verringern, indem zum Beispiel breitere Grünstreifen angelegt und die Vögel nicht mehr gefüttert werden. „Zudem wären Belüftungsinseln, wie man sie aus anderen Teichen kennt, und das Abernten der Algen eine gute Lösung. Die Algen könnten dann zum Beispiel verfüttert werden.“ Für die Algen- ernte hat Schulz einen sogenannten Abschäumer mitentwickelt. In diesen Abschäumer werden Wasser und Luft hineingepustet, wodurch Schaum produziert wird. Wenn sich der Schaum absetzt, enthält die übrige Flüssigkeit die Mikroalgen. Solch ein Gerät ist aktuell bei den Versuchsbehältern von Geomar an der Kiellinie im Einsatz. Obwohl der Abschäumer in Salzwasser besser funktioniert, wäre er auch in Süßwasser einsetzbar. Mit einer solchen Reinigungstechnik und zusätzlicher Belüftung wäre der Kleine Kiel ein weitaus stabileres Ökosystem.

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Ein Artikel von
Fatima Krumm
Volontärin

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