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„Einmischen ist das Wichtigste“

Klimapolitik „Einmischen ist das Wichtigste“

Kaum ein Wissenschaftler kann komplizierte Sachen in so einfache Worte fassen wie Prof. Mojib Latif. Aus diesem Grund ist der Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung für Fernsehleute ein begehrter Gesprächspartner, immer wenn es um Klimapolitik geht.

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Radelt im Alltag häufig klimaneutral und hält sich auf der Autobahn an sein persönliches Tempolimit von 100 Stundenkilometern: Prof. Mojib Latif eröffnete den Vortragsreigen.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Und auch fürs Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) Technik in Kiel erwies er sich am Montag beim Start einer Vortragsreihe zur Energiewende als Idealbesetzung. Mit Medien kann Mojib Latif. Was aber nicht bedeutet, dass er ihnen unkritisch begegnet. Seinen Vortrag begann er mit zwei Titelbildern. „Die Klima-Katastrophe“ hieß es im Magazin „Der Spiegel“. „Klima-Katastrophe – Alles Lüge?“, mutmaßten hingegen die Kollegen vom „Stern“. Sein Rat an die etwa 300 Jugendlichen aus allen Schularten des RBZ Technik: „Man kann nicht einfach nur Medien konsumieren, man muss auch fragen, was dahintersteckt.“

Welche Folgen hat der Klimawandel?

Im Kurzdurchlauf brachte er sein Publikum sodann auf Stand, zeigte Grafiken, die den Zusammenhang zwischen CO2 in der Atmosphäre und Temperaturerwärmung auf der Erde darlegten, nannte prägnante Erklärungen für diesen Zusammenhang, leistete sich gar einen historischen Schlenker bis zurück zum Klimaforschungs-Pionier Svate Arrhenius, der schon 1896 nachrechnete, dass und wie das damals noch Kohlensäure genannte CO2 mit der Erderwärmung zusammenhängt.

Im Großen und Ganzen habe der spätere Nobelpreisträger recht behalten, sagte Latif und wies auf die ungebrochene Aktualität des Phänomens hin. Seit der vorindustriellen Zeit ist die Erde nach seiner Darstellung im Schnitt ein Grad wärmer geworden, sogar fast zwei Grad an den Polen. Eine der Folgen: Die Eismeerfläche ist heute um 30 Prozent geringer als 1979, und ohne massives Gegensteuern – so mahnte der Professor – werde die Dynamik noch erheblich zunehmen. Schmelzende Pole, steigende Meereswasserspiegel, versinkende Inseln und Küstenregionen: Aus alldem ergeben sich äußerst unlustige Dinge.

Was kann man tun?

Was die Großen dieser Welt nach Latifs Überzeugung mitnichten begriffen beziehungsweise in echtes Handeln umgesetzt haben. „Ehrlich gesagt schwer“ tut er sich nach eigenem Eingeständnis mit dem jüngsten Klimagipfel in Paris. Das Abschlussdokument strotze vor Formulierungen wie „Wir erwägen ernsthaft“ oder „Wir streben an“, handfest sei so gut wie gar nichts und wirklich Verbindliches fehle erst recht. „Eigentlich steht da nichts drin“, lautet Latifs Fazit, das durchaus mit Zahlen in Einklang zu bringen ist. Seit 1990 bei der ersten Weltklimakonferenz verkündet wurde, zu erwägen und zu streben, nahm die Menge der Treibhausgase um 61 Prozent zu.

„Was können Leute wie wir tun, die nicht in der Politik und nicht in der Wissenschaft sind?“, wollte eine Schülerin wissen. „Das Wichtigste ist Einmischen“, empfahl Latif, der im Alltag häufig klimaneutral radelt und sich auf der Autobahn an sein persönliches Tempolimit von 100 km/h hält. Überhaupt, so glaubt der Klimaforscher, funktioniert das mit dem Einmischen heute eher besser als früher. „Das ist wie bei den Apps. Die werden ja auch nicht von den Konzernen entwickelt, sondern jeder macht ein bisschen was, und dann kommt etwas dabei heraus.“

Der zweite Teil der Vortragsreihe folgt bereits am kommenden Donnerstag, 28. April, um 19 Uhr in der Geschwister-Scholl-Straße 9. Der Kieler Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) spricht dann darüber, ob und wie Schleswig-Holstein als Vorbild in Sachen Energiewende taugt. Der Abend ist öffentlich, doch bittet das RBZ Technik um telefonische Anmeldung im Sekretariat unter der Nummer 0431/169 8600.

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