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Städtisches Krankenhaus kränkelt

Klinik in Kiel Städtisches Krankenhaus kränkelt

Vor zwei Jahren gab es noch einen Jahresüberschuss von einer halben Million Euro. Jetzt aber weist das Städtische Krankenhaus im Jahresabschluss einen ähnlich hohen Fehlbetrag (575340 Euro) aus.

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Das Städtische Krankenhaus steckt mitten im Wandel und musste schon in den vergangenen Jahren große Umbauten bewältigen.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. 2015 sei wegen Umbauten und Umstrukturierungen ein schwieriges Jahr gewesen, räumt Geschäftsführer Roland Ventzke ein, sieht die Klinik aber wieder im Aufbruch.

Das Städtische Krankenhaus, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Kiel, gehört mit mehr als 600 Betten zu den größten Krankenhäusern des Landes. Während andere Kliniken trotz verbesserter Rahmenbedingungen mit Defiziten kämpfen, legte das Städtische in der Regel gute Jahresergebnisse vor. Der „unerfreuliche“ Fehlbetrag im Klinik-Kerngeschäft relativiert sich für Geschäftsführer Ventzke daher: Nach Abzug des Fehlbetrags beläuft sich der Konzern-Bilanzgewinn (zum Konzern gehören auch die Servicegesellschaft und das Medizinische Versorgungszentrum) immerhin noch auf 2106668 Euro.

"Reibungs- und Anlaufverluste"

Die Gründe für das Minus liegen für den Geschäftsführer in „Reibungs- und Anlaufverlusten“ durch Großprojekte. 2014 eröffnete das Krankenhaus den Betrieb im Westflügel, was zusätzliches Personal und Ausstattung erforderte – Mehrkosten, die auch 2015 durchschlugen. Zudem musste das Haus, wie berichtet, die hauseigene Wäscherei schließen. Gutachter hatten das markante Backsteingebäude an der Chemnitzstraße mit blauen Schornsteinen als so marode bewertet, dass eine Sanierung samt Interimslösung bis zu fünf Millionen Euro teuer gekommen wäre. Als ökonomisch sinnvollstes Konzept entschied sich die Klinik für den gemeinsamen Betrieb einer Tochtergesellschaft mit einem Dienstleister. Die 23 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen behielten ihre Stellen zum gleichen Lohn, wurden in andere Bereiche versetzt oder betreuen weiterhin die Spezial-Wäscherei im Krankenhaus, die unter anderem Jacken der Berufsfeuerwehr reinigt. Das Wäscherei-Gebäude wird abgerissen.

Wichtigster Grund für Fehlbetrag

Der wichtigste Grund für den Fehlbetrag war jedoch der Wegzug des wissenschaftlichen Betriebs der II. Medizin samt Labor und Infektionsambulanz ins Universitätsklinikum. Dies habe zu Unsicherheiten geführt und die Patientenzahlen um mehr als 300 gedrückt, erklärte Ventzke. Belastungen, die aber dieses Jahr ausgeräumt sein könnten: Denn der Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie verblieb am Städtischen Krankenhaus, das wie das Universitätsklinikum Bluterkrankungen, Leukämie, Brust- und Lungenkrebs weiter behandelt. Die Rückverlagerung ins Universitätsklinikum beendete eine Ära: Denn die II. Medizin der Uni war seit 1955 im Städtischen Krankenhaus untergebracht.

Vor dem Hintergrund dieser Belastungen sei das Jahresergebnis „als immer noch wirtschaftlich sehr erfolgreich“ zu beurteilen, findet der Geschäftsführer. Im Hauptausschuss erhielt er für diese Einschätzung Rückenwind: Die Mitglieder stimmten dem Jahresabschluss einstimmig zu. Sie ärgerten sich jedoch wie Sozialdezernent Gerwin Stöcken darüber, dass das Land den ersten Förderbescheid (3,5 Millionen Euro) aus dem Sonderprogramm Impuls an das Städtische Krankenhaus übergab, obwohl Kreise, Städte und Gemeinden eine hälftige Mitfinanzierung bisher ablehnen. Stöcken brachte die gemischte Gefühlslage auf den Punkt, als er von einem Griff in die Kasse der Kommunen sprach, aber auch von einem guten Tag für die Patienten. Nicht nur wegen dieser Geldspritze für die Erweiterung der Inneren Medizin, sondern auch wegen der Quartalszahlen ist Ventzke „zuversichtlich für 2016. Es geht bergauf.“ Die landesweit größte Geburtsklinik kann im ersten Halbjahr bereits 1010 Babys vermelden, mehr als im Vorjahreszeitraum.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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