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Ein Rathausturm mit Totalschaden

Komplettsanierung Ein Rathausturm mit Totalschaden

Er ist das Wahrzeichen Kiels. Schon aus der Ferne ist der Rathausturm zu sehen, überragt alle Gebäude und heißt Neuankömmlinge in Kiel willkommen. Jetzt hat dieses Wahrzeichen Risse bekommen, gravierende Risse. Es muss komplett saniert werden.

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Mehr als 100 Jahre nach seinem Bau muss der Rathausturm komplett saniert werden.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Mehr als 100 Jahre nach seinem Bau muss der Rathausturm komplett saniert werden. Zeit und Witterung haben ihre Spuren hinterlassen – und die sind alles andere als harmlos: Gutachter haben erhebliche Schäden am Mauerwerk festgestellt. In der vergangenen Woche starteten die Arbeiten mit dem Aufbau des Gerüstes.

„Die Sanierung ist sehr aufwendig. Jetzt hatten wir aber keine Wahl und mussten handeln. Einige Steine hängen am Turm buchstäblich nur noch am seidenen Faden“, erläutert Gabriele Wiesmann-Liese, Leiterin des Amtes für Immobilienwirtschaft. Im vergangenen Jahr habe die Verwaltung ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Schäden auflistete. Danach war klar, dass der Turm sofort saniert werden muss. Rund drei Millionen Euro hat die Stadt dafür eingeplant und die Summe schon in den Haushalt eingestellt.

Pfingsten soll das Gerüst stehen

Der Turm wird in den kommenden Monaten komplett eingerüstet sein, nur das Dach wird noch herausschauen. „Das ist das erste Mal, dass der Turm so eingerüstet wird“, erzählt Architekt Günter Szymkowiak, der die Sanierungsarbeiten betreut. Mehr als 75 Meter wird das Gerüst hoch sein, allein der Aufbau dauert mehrere Wochen. Nach Pfingsten soll es stehen, sodass es während der Kieler Woche keine Störungen gibt, wie der Architekt betont. Das letzte Mal sei der Turm 1952 umfassend saniert worden. „Damals wurden die Kriegsschäden beseitigt“, sagt Symkowiak. So gründlich wie jetzt sei das Bauwerk allerdings noch nie überholt worden – entsprechend groß ist jetzt der Nachholbedarf.

Dem Architekten macht besonders der Bereich um die zweite Aussichtsplattform zu schaffen. „Auf dem Umgang ist eine Tropfstelle, die den Sandstein in der Umgebung erheblich geschädigt hat.“ Der Stein sei zum Teil richtig nass und dementsprechend nicht mehr stabil. „Wir wissen noch nicht so genau, was uns dort erwartet“, erzählt Szymkowiak. Wahrscheinlich müsse der weiß-graue Mainsandstein an vielen Stellen ersetzt werden. Sicher sei schon jetzt, dass mindestens vier der ovalen Zierelemente auf der Brüstung erneuert werden müssen. Rund 1,4 Millionen Euro werden die Sandsteinarbeiten insgesamt kosten.

Sanierung ist Denkmalschutz

Das ist aber nicht die einzige Problemzone. Der gesamte Turm muss restauriert werden – sei es, weil die Fugen ausgebessert werden müssen, weil sie weich geworden sind oder die Zeiger der Uhr nicht mehr richtig laufen. „Was wir hier machen ist Denkmalschutzarbeit“, sagt Wiesmann-Liese und erinnert an die Bedeutung des Turms. Das heißt: Das ursprüngliche Bild soll erhalten bleiben. Und die Materialien, die beim Bau verwendet wurden, müssen wieder eingesetzt werden. Darauf ist Architekt Szymiak vorbereitet, er ist auf die Restaurierung und Sanierung historischer Bauwerke spezialisiert. So hat er auch die Sanierung des Warleberger Hofes und des Schifffahrtsmuseums betreut. „Das ist ein Grund, warum wir uns für ihn entschieden haben“, erklärt die Amtsleiterin.

Die Arbeiten sollen Ende des Jahres beendet sein. Ob das gelingt, hängt allerdings stark vom Wetter ab, stellt Szymkowiak klar. „Da oben herrscht noch mal ein ganz anderes Wetter. Bei Wind ist es außerdem richtig gefährlich auf dem Gerüst.“ Er sei zur Besichtigung der Schäden mit zwei Industriekletterern oben gewesen, die seien regelrecht hin- und hergeweht worden. „Für unsere Verhältnisse normaler Wind hat dort oben ganz andere Auswirkungen, und wenn es regnet, peitscht der Regen dort gegen den Turm.“ Einen genauen Zeitplan gebe es daher nicht.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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