21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Konkurrenzlos in der Komfortzone

Mario Barth Konkurrenzlos in der Komfortzone

Einen Typ wie Mario Barth wünscht man sich auf jeder Party. Jemand, der es schafft, eine belanglose Begebenheit so zu erzählen, dass man ihm an den Lippen hängt, während sich der eigene Mund zu einem Dauergrinsen verzieht. Am Freitag begeisterte er mit seinem neuen Programm „Männer sind bekloppt, aber sexy!“ knapp 10.000 Besucher in der Sparkassen-Arena.

Voriger Artikel
Letzter Dreifachanlauf in Kiel
Nächster Artikel
Gelebte Willkommenskultur

Mario Barth kam für zwei Auftritte nach Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Seit seinem ersten Programm „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“ aus dem Jahre 2001 geht es bei Mario Barth im Wesentlichen um die wechselvollen Beziehungen zwischen Mann und Frau bzw. zwischen ihm und seiner Freundin. Dieser clevere Glaubwürdigkeits-Trick, den sich der Künstler Mario Barth für sein Alter Ego auf der Bühne ausgeknobelt hat, funktioniert trotz betonierter Geschlechter-Klischees ganz offensichtlich einwandfrei. Auch weil er sich permanent in der komödiantischen Komfortzone unverfänglicher Alltagsanekdoten aufhält, erkennt sich jeder wieder, und nichts tut weh. Das vorgebliche Plaudern aus dem privaten Nähkästchen mit der kumpelhaften „ich weiß, wovon ich rede“ und „wir sitzen alle im gleichen Boot“- Attitüde machten den zehnfachen Comedy-Preisträger bereits 2008 zum Weltrekordler, als er im Olympiastadion Berlin vor 70.000 Menschen spielte und damit offiziell „Live-Comedian mit den meisten Zuschauern“ wurde.

Dabei bewegt sich Mario Barths Darstellungs-Repertoire unverändert auf überschaubarem Niveau. Programm für Programm, Abend für Abend, Gag für Gag tut er so, als wenn er sich erst einmal selbst über seine gleich preiszugebende Story totlachen möchte. Bemerkenswert grimassierend eilt er daraufhin über die Bühne, spielt die verschiedenen Handlungsträger einer Episode, bremst das kichernde Publikum mit dem „Pass uff, is` echt passiert, keen Scherz“ aus, um endlich die Pointe zu servieren. Das ist extrem wirkungssicher und hierzulande nahezu konkurrenzlos.

Auf diese Weise geht es in der aktuellen Show unter anderem darum, dass die Lektüre von „Fifty Shades Of Grey“ das häusliche Liebesleben nicht unbedingt bereichert, dass Ärzte in der Notfall-Aufnahme auch nur mit Wasser kochen, dass ein Florida-Urlaub inklusive Freizeitpark und Flughafenchaos mit einem Freund, der beide Arme in Gips hat, auf die Stimmung schlagen kann, und dass man(n) nie und nimmer ohne Einkaufszettel der Liebsten den Supermarkt betreten sollte. 

Das Banale dieser Alltags-Dramen steht dabei im bemerkenswerten Gegensatz zum äußerlichen Pomp der Show. Denn umrahmt von viel Getöse, einem aus dem Bühnenboden emporsteigenden futuristischen Flugzeug und dem finalen Feuerwerk steht doch eigentlich nur ein einziger Geschichten-Erzähler auf der Bühne. Der ganze Theaterdonner wirkt deswegen, als trauten die Produzenten ihrem eigenen Produkt nicht recht, als müssten sie ausverkaufte Hallen- und Stadiontouren durch technischen Budenzauber rechtfertigen. Doch eigentlich braucht der geborener Entertainer in Jeans und Turnschuhen derartige Hilfestellung nicht. Man hört ihm sowieso gerne zu. Auf der Party, in der Halle oder im Stadion.

Die zweite Vorstellung am Sonnabend in der Sparkassen-Arena in Kiel ist bereits ausverkauft.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3