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Krankenhaussterben im Land befürchtet

Demo in Kiel Krankenhaussterben im Land befürchtet

„Mehr Personal, mehr Geld!“ Rund 500 Menschen machten am Mittwochmittag auf dem Rathausplatz ihrem Ärger über das geplante Krankenhaus-Strukturgesetz von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) Luft. Klinikmitarbeiter und Arbeitgeber warnten bei der gemeinsamen Demonstration vor einem Krankenhaussterben in Schleswig-Holstein.

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Gemeinsamer Protest von Klinikpersonal, Ärzten und Krankenhausbetreibern am Mittwoch auf dem Kieler Rathausplatz.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die „Schleswig-Holsteinische Allianz für die Krankenhäuser“ forderte die Politik auf, für eine nachhaltige und dauerhafte Finanzierung der Krankenhäuser zu sorgen. In der Allianz haben sich verschiedene Akteure zusammengetan, um für die Belange der Krankenhäuser und Kliniken einzutreten, darunter Ärzte und Pflegepersonal, Krankenhausträger, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Betriebsräte, Kommunen und Sozialverbände.

„Wir sind mit dem Gesetzentwurf von Minister Gröhe nicht zufrieden“, sagte Bernd Krämer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH). „Wir drängen darauf, dass uns mehr Geld und mehr Personal zugestanden wird.“

Die Demonstration war der Abschluss der Aktion „Frag doch mal den Gröhe“. Die Allianz hatte Patienten, Angehörige und Bürger aus Schleswig-Holstein aufgefordert, Fragen an den Bundesminister zu formulieren, die nun in Form von Postkarten an Gröhe geschickt werden. Immer wieder sei die Frage aufgetaucht: „Wieso bekommen die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein weniger Geld für ihre Leistungen als Kliniken in anderen Bundesländern?“ Schleswig-Holsteins Kliniken haben im bundesweiten Vergleich den niedrigsten Basisfallwert. Auf seiner Grundlage zahlen die Krankenkassen die Leistungen der Krankenhäuser. Dass der Gesetzentwurf an dieser Stelle keine Änderung vorsieht, wurde auf der Kundgebung lautstark kritisiert. Die zusätzlichen Finanzmittel für Pflegekräfte überzeugten Krämer und die Demonstranten ebenso wenig. Pro Krankenhaus seien das zwei, höchstens drei Pflegekräfte mehr. „Und das nur, wenn die Kliniken selbst zehn Prozent der Kosten beitragen“, so Krämer. Wer schon jetzt rote Zahlen schreibe, werde sich das überlegen.

Auch der Landesverband des Marburger Bundes unterstützte die Kundgebung auf dem Rathausplatz. „Ohne ausreichende Finanzierung der Kliniken sind weiterer Personalabbau und eine fortschreitende Arbeitsverdichtung unvermeidbare Folgen“, sagte Dr. Henrik Herrmann, Landes-Chef der Ärztevertretung. Letztendlich führe das zu einer schlechten Patientenversorgung: „Durch weniger Bürokratie in den Kliniken könnten Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten wieder mehr Zeit, Kraft und Motivation für ihre originäre Aufgabe in der Patientenbehandlung haben.“

Zu hoher Druck und zu wenig Zeit – das wollen Mediziner und Pflegekräfte im Norden nicht länger hinnehmen: „Wir müssen unsere Arbeit unter immer weniger Angestellten aufteilen“, beklagt eine Krankenschwester, die nicht namentlich genannt werden möchte. „Das heißt, wir müssen immer mehr arbeiten, und wirklich wertgeschätzt wird diese Arbeit nicht.“ Sie würde sich über mehr Kollegen freuen, „dann hätten wir auch mal die Ruhe, über unsere Tätigkeit nachzudenken, anstatt immer nur Akkordarbeit leisten zu müssen.“ Laut Verdi fehlen bundesweit 162 000 Stellen in den Krankenhäusern, allein in Schleswig-Holstein 3000 Stellen, vor allem in der Pflege.

„Wir haben natürlich auch Herrn Gröhe zu unserer Kundgebung eingeladen, aber er hat uns leider einen Korb gegeben“, berichtete Krämer auf dem Rathausplatz. Landrat Jörn Klimant, stellvertretender Vorsitzender der KGSH, forderte eine nachhaltige Lösung für Investitionen: „Allein in Schleswig-Holstein schieben wir einen Investitionsstau von 500 Millionen Euro vor uns her.“ Zur Frage-Aktion sagte KGSH-Vorsitzende Petra Thobaben: „Wenn Berlin nicht auf uns hört, hört man vielleicht auf die Wähler.“

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