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Internationales Team forscht in der Nordsee

Krater im Meeresboden Internationales Team forscht in der Nordsee

Ein Krater am Boden der Nordsee, der 1990 durch eine Gasexplosion entstand, eröffnet einem internationalen Forscher-Team neue Einblicke in die Erkundung von Methanaustritten am Meeresboden. Zusätzliche Untersuchungen und Überwachungsstrategien sind nach Angaben der beteiligten Kieler Wissenschaftler nötig, um die Triebkräfte weiterer Emissionen besser zu verstehen.

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Geophysiker Jens Schneider von Deimling (li.) und Jürgen Schauer untersuchten eine Methanprobe.

Quelle: Geomar

Kiel. Ihre Erkenntnisse wurden jetzt in einer Sonderausgabe des Fachmagazins „Journal of Marine and Petroleum Geology“ veröffentlicht. Am 20. November 1990 stießen Bohrungen im Auftrag der Firma Mobil North Sea (heute ExxonMobil) in etwa 100 Metern Wassertiefe in der Nordsee, etwa 200 Kilometer von Schottland entfernt, auf ein Gasvorkommen. Die dabei ausgelöste Explosion setzte große Mengen Methan frei und hinterließ einen Krater.

 Noch vier Jahre später beobachteten Wissenschaftler in dem Gebiet deutliche Gasemissionen. „Die Konzentrationen, die wir an der Oberfläche feststellten, sind noch immer die höchsten, die ich je im Meer messen konnte,“ berichtet Prof. Gregor Rehder, Meereschemiker am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Eine weitere Expedition bestätigte 2005, dass nach wie vor Gasblasen aus dem 60 Meter breiten und 20 Meter tiefen Krater aufstiegen. Ein Tauchgang mit dem Kieler Forschungstauchboot „Jago“ eröffnete 2006 detaillierte Einblicke in die noch immer aktive Austrittsstelle.

 2011 initiierte das Britische Ministerium für Energie und Klimawandel (Department of Energy and Climate Change, DECC) eine genauere Untersuchung. Zu den beteiligten Spezialisten gehörte auch Dr. Peter Linke (Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel) neben weiteren Experten aus Deutschland, den Niederlanden, den USA und Großbritannien. Zum ersten Mal wurde dabei das Ausmaß des Austritts erfasst.

 Auf ihren Expeditionen in den Jahren 2011 und 2012 stellten die Wissenschaftler fest, dass die Quelle noch immer Gas freisetzte. Über die Verteilung des Methans entschieden allerdings jahreszeitlich schwankende Bedingungen: Im Sommer lagern verschieden warme Wasserschichten der Nordsee klar getrennt übereinander und es gelangte nur wenig Methan an die Oberfläche, während vom Spätherbst bis zum Frühling, wenn Wind und Wellen die Nordsee stärker durchmischen, deutlich mehr von dem Treibhaus-Gas entwich.

 Doch auch wenn der Krater signifikant zum Methan-Budget der Nordsee beiträgt, stellt er für das Klima insgesamt kein vergrößertes Risiko dar, stellten die Wissenschaftler fest. Dr. Jens Schneider von Deimling, Geophysiker am Geomar, erläuterte: „Seit wir entdeckt haben, dass die am Meeresboden austretenden Gasblasen einen großen Wirbel bilden, nehmen wir an, dass bislang nicht verstandene Prozesse die Verbreitung und den Austausch des Gases noch fördern. Es kann sein, dass Blasen aus größeren Wirbeln nicht mehr viel Methan enthalten, wenn sie die Oberfläche erreichen.“

 Bis heute ist der Krater aktiv. Linke sagt: „Wir sind der Meinung, dass die Stelle nicht nur überwacht werden muss – wir sollten sie auch als natürliches Laboratorium nutzen und daraus für zukünftige Explorationen lernen.“ Die Wissenschaftler empfehlen, zusätzliche Daten zu sammeln, Hypothesen zu überprüfen und die Veränderungen des Methans in der Wassersäule und am Meeresboden genauer zu untersuchen und das Monitoring zu verbessern. Für Ende August ist bereits eine weitere Ausfahrt zum Krater geplant.

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