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Kreativer Wildwuchs oder Chaos?

"Alte Mu" in Kiel Kreativer Wildwuchs oder Chaos?

Das alte Gebäude der Muthesius-Kunsthochschule am Lorentzendamm ist in den vergangenen Jahren zu einem Freiraum für kreative Ideen und Kleinunternehmer geworden. Einige Anwohner stören sich an dem Wildwuchs – im doppelten Sinne – auf dem Areal der „Alten Mu“. Doch ist dieser Zustand ohnehin zeitlich begrenzt. Die Stadt möchte hier gerne Wohnraum realisieren.

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Das ehemalige Gebäude der Muthesius-Kunsthochschule am Lorentzendamm hat sich zu einem Freiraum für kreative Ideen und Kleinunternehmer entwickelt. Die Stadt möchte hier in absehbarer Zeit Wohnraum realisieren.

Quelle: Christoph Jürgensen

Kiel. Bei einer Sitzung vor Ort ließ sich der Ortsbeirat Mitte vom Kanzler der Muthesius-Kunsthochschule, Dirk Mirow, über die aktuellen Entwicklungen in der „Alten Mu“ informieren. Ein Ort, an dem sich Interessantes tut, geprägt von Mission, Leidenschaft und Kreativität – so fasste Mirow das Innenleben des 1960 eingeweihten Gebäudes zusammen: „Hier ist nach dem Umzug der Kunsthochschule ein Erfinder- und Werkstatthaus entstanden, das einen Bogen spannt vom Unternehmertum über neue Formen von Arbeit bis zu einer eigenen Art von Selbstverwaltung, die sich hier entwickelt hat.“

 Den Anfang machte das Changemaker/Zukunftsmacher-Projekt Kieler Honig, aus dem sich mittlerweile ein Imkerbetrieb mit fünf Standorten in der Stadt entwickelt hat. Als aktuelles Beispiel stellte Mirow die Firma Goldeimer vor, die Komposttoiletten ohne Chemie und Wasserverbrauch für Festivals oder Großveranstaltungen herstellt. 50 dieser nachhaltigen Klohäuschen sollen im Juni beispielsweise den Besuchern des Kirchentags in Stuttgart zur Verfügung stehen.

 Unter den Besuchern der Ortsbeiratssitzung waren auch einige Anwohner, die mit großem Interesse, aber auch mit Sorge auf die „Alte Mu“ blicken. Sie beklagten sich, dass das Grundstück zunehmend verkomme und vermülle, und berichteten von lauten nächtlichen Partys. Innerhalb kürzester Zeit hätten sich chaotische Zustände entwickelt, sagte eine Bürgerin. So werde zum Beispiel im Außenbereich schamlos uriniert.

 „Aus dem Wildwuchs ist hier grundsätzlich etwas Schönes entstanden“, sagte Dirk Becker (FDP). Doch die Anwohner hätten, bei allem kreativen Freiraum, auch ihre berechtigten Interessen. Die Konflikte ließen sich im Dialog sicherlich lösen, meinte Armin Petersen (SSW). Kiel befände sich in guter Gesellschaft mit Hamburg, Berlin, Kopenhagen oder Brüssel, wenn es diesen kreativen Freiraum zulassen könne. Im Moment befinde sich das Gelände in einer Art Schwebezustand, so die Ortsbeiratsvorsitzende Melanie Klein (SPD). Dieser werde jedoch nicht ewig anhalten. „Mit uns sind die Tage hier irgendwann gezählt“, sagte auch Mirow.

 Die Landeshauptstadt befindet sich seit einiger Zeit mit dem Land im Gespräch über einen Rückkauf des Grundstücks. Wenn die Muthesius-Kunsthochschule endgültig ausgezogen ist – noch sind ihr Archiv sowie die Keramikwerkstatt am Lorentzendamm zu finden – möchte die Stadt an der Stelle des alten Hochschulgebäudes bezahlbaren Wohnraum auf den Weg bringen.

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