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Tag der offenen Tür lockt über 500 Besucher

Krematorium Tag der offenen Tür lockt über 500 Besucher

Es gibt Örtlichkeiten, die man als Lebender eher selten zu Gesicht bekommt: Das Krematorium Kiel gehört sicher dazu. Kein Wunder also, dass der Andrang zum Tag der offenen Tür der Institution gewaltig war. Mehr als 500 Besucher nutzten am Sonnabend die Führung durch die Räume, um sich über Feuerbestattungen zu informieren.

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Die große Trauerhalle wurde 1923 gebaut. Hier können die Hinterbliebenen Abschied nehmen. Der Sarg wird per Aufzug gen Kühlraum gefahren. Damit wurde das in die Erde hinabsenken, in der Tradition der Erdbestattungen, nachgestellt.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Was es für kuriose Vorstellung über die Arbeit im Krematorium gibt: Dass wie im Krimi eine falsche Leiche verbrannt oder die Asche in der Urne vertauscht wird – alles schon mal gesehen, alles schon mal gelesen. „Mit solchen Gerüchten wollen wir aufräumen“, sagt Ralf Paulsen, einer der drei Geschäftsführer der Feuerbestattung Schleswig-Holstein GmbH, die seit dem Jahr 2000 das Krematorium Kiel privatwirtschaftlich betreibt. „Und wir wollen zeigen, dass Tod und Bestattungen keine Tabu-Themen sind.“ Deshalb laden Paulsen und sein zehnköpfiges Team regelmäßig zum Tag der offenen Tür ein. In diesem Jahr gibt es noch einen Anlass mehr, die Räume zu öffnen: Das Kieler Krematorium wird 100 Jahre alt.

1915/1916 ist das Gebäude am Friedhof errichtet worden. Wie die Kieler es gegen den Einspruch der Kirche geschafft haben, ein Krematorium zu bauen, das interessiert Andrea Willimek, die extra aus Hildesheim zum Tag der offenen Tür nach Kiel gereist ist. „Ich arbeite auch im Krematorium, unseres ist aber erst zehn Jahre alt, also deutlich moderner.“ Zugegeben, ein paar mehr Jahre auf dem Buckel hat das Kieler Gebäude. Die Arbeit darin aber erfolgt von der Verbrennung bis zum Filtern der Abgase trotzdem nach modernen Standards – und dabei immer pietätvoll. „Schließlich haben wir es mit Menschen zu tun“, sagt Paulsen.

30 Verstorbene werden täglich kremiert

Ein Bild von den Abläufen können sich die Besucher bei den Führungen machen. Los geht es im Kühlraum: Hier werden die Särge aufbewahrt und zwar solange, bis alle Papiere zur Identität der Verstorbenen noch einmal geprüft sind, der Tote seine einzigartige Signatur bekommen hat, die am Ende mit in der Urne landet, und der Amtsarzt nach einer letzten Kontrolle den Verstorbenen freigibt. Dann geht es in die Ofenhalle, in der von 4 Uhr morgens bis 21 Uhr abends gearbeitet wird. „Wir haben vier Öfen. Jeder davon wiegt 50 Tonnen und verfügt über eine Heizleistung von 800 bis 1000 Grad“, erklärt Mitarbeiter Thomas Behnke. 30 Verstorbene können pro Tag kremiert werden, so der Fachausdruck. 8000 Einäscherungen sind es pro Jahr. „Das ist alles hoch informativ“, sagt Peter Gummelt aus Kiel. Der 72-Jährige möchte später selbst eingeäschert werden und nutzt den Tag zur Information. „Jetzt kann ich ruhig nach Hause gehen.“

Doch nicht nur die ältere Generation lässt sich vom Blick hinter den Kulissen fesseln, auch der Nachwuchs zeigt sich von der Technik bis zum Beruf an sich interessiert. „Unsere Mitarbeiter sind überwiegend Handwerker, die zum Kremationstechniker geschult wurden“, sagt Paulsen auf die Fragen aus der Gruppe. „Wir wollen aber gern einen Lehrberuf daraus machen.“ Arbeitsplätze stünden im Norden zur Verfügung. Das Unternehmen betreibt in Tornesch und in Lübeck zwei weitere Krematorien.

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