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Abwasser: Reeder machen Druck

Kreuzfahrtschiffe in Kiel Abwasser: Reeder machen Druck

Die Kreuzfahrtreedereien gehen beim Thema Abwasser in die Offensive. Zukünftig wollen die großen Unternehmen der Branche kein Abwasser mehr von ihren Schiffen in die Ostsee leiten. Die Ankündigung setzt jetzt die Häfen unter Druck. Bis 2021 wollen alle Reedereien ihre Abwässer an Land abgeben.

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Der Ostseekai mit zwei Tui-Kreuzfahrtschiffen: Bis zu 200 Kubikmeter würden die Schiffe gern pro Stunde ins Kieler Netz abgeben. Zurzeit können aber nur 30 Kubikmeter pro Stunde eingeleitet werden.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Das kündigte der Branchenverband CLIA auf einem Workshop in Kiel auf der „Mein Schiff 5“ an. Auf die Häfen kommen damit Millionen-Investitionen zu.

Wenn 2500 Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff Urlaub machen, kommt einiges zusammen. „Wir haben festgestellt, dass pro Kopf bis zu 200 Liter Abwasser anfallen“, sagt Helge Grammerstorf von der CLIA. Zusammen mit dem Wasserbedarf für die Besatzung und den Bordbetrieb sammeln sich so pro Tag bis zu 700 Kubikmeter Abwasser in den Tanks. Bislang wird dieses Abwasser an Bord aufbereitet und zum Teil auf hoher See abgepumpt. „Damit soll aber 2021 in der Ostsee Schluss sein. Abwasser wird dann von Kreuzfahrtschiffen nur noch in den Häfen abgegeben“, sagt Grammerstorf. Neubauten sind ab 2019 in der Lage, das Abwasser an Bord so aufzubereiten, dass es ohne Schadstoffe ins Meer geleitet werden kann. Bei der Bestandsflotte soll dann das Grauwasser zusammen mit dem Schwarzwasser als Biomasse in den Häfen abgegeben werden.

Anschluss in Kiel kann nicht mehr aufnehmen

„Es ist schon heute so, dass alle großen Reedereien nachfragen, ob sie Abwasser in Kiel abgeben können“, sagt Ulf Jahnke, Sprecher des Seehafens. Das Problem für den Hafen ist der Anschluss. „Im Moment können wir am Ostseekai nur 30 bis 35 Kubikmeter pro Stunde aufnehmen“, sagt Jahnke. Wenn ein Schiff 1000 Kubikmeter entsorgen will, müsste es über 30 Stunden liegen. Die normale Liegezeit beträgt aber nur bis zu zehn Stunden. Deshalb drängen die Reedereien auf Druckleitungen, die über 100 Kubikmeter pro Stunde bewältigen können. „Es kommt schließlich auch immer vor, dass Schiffe Seetage haben. Dann sind die Tanks schnell voll“, rechnet Grammerstorf vor.

Damit auch in Kiel mehr abgegeben werden kann, soll eine Druckwasserleitung zur Abwasserabgabe gebaut werden. Die beiden Liegeplätze am Ostseekai werden dann an das städtische Abwassernetz angebunden. Beim Seehafen ist der südliche Liegeplatz am Ostseekai bereits mit entsprechenden Leitungen und Anschlüssen versehen. Der nördliche Anleger soll nachgerüstet werden. Die Vorbereitungen für den Umbau seien abgeschlossen, sagt Timo Rosenberg vom Seehafen. Der Hafen plant auch den Bau eines unterirdischen Tanks als Puffer. Die Gesamtkosten sollen rund eine Million Euro betragen.

Neues Rohr wird verlegt

„Die Anlage wird die Möglichkeit zur Messung und Belüftung des Abwassers bieten“, sagt Timo Rosenberg. Von da aus kann das Abwasser auch nachträglich behandelt und dann ins städtische Abwassernetz gepumpt werden. Damit das städtische Netz diese Mengen auch verträgt, muss vom Ostseekai bis zum Jensendamm ein neues Abwasserrohr verlegt werden. Diese Leitung muss die Kaistraße zum Jensendamm queren. Das Projekt muss deshalb in die städtischen Bauvorhaben eingeplant werden.

Was passieren kann, wenn die Kreuzfahrtschiffe die Abwasser mit dem verfügbaren Druck abgeben, bekamen bereits Gäste im Kieler Schloss zu spüren. Durch den Druck entlüftete eine Rohrleitung ins Gebäude, was in der Folge für strengen Geruch im Konzertsaal sorgte.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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