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Geburt des Christkinds an der Kieler Förde

Krippenlandschaft Geburt des Christkinds an der Kieler Förde

Über der Kieler Förde schwebt ein Engel im Fesselballon, die „Goldeimerjungs“ tragen die Schieteimer und die Seenotretter stechen in See. Diese drei Szenen sind nur ein Teil der Krippenlandschaft, die die Kielerin Marlene Moss momentan im Religio, dem Westfälischen Museum für religiöse Kultur, bei Münster ausstellt.

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Mit viel Liebe zum Detail stellt Marlene Moss das Kieler Milieu um 1920 dar.

Quelle: hfr

Kiel. Mit Geschick und ebenso viel Liebe zum Detail hat Moss in den vergangenen Jahren eine Krippenlandschaft geschaffen, die das Kieler Milieu um den Jahreswechsel zwischen 1919 und 1920 abbildet. Inspiriert wurde sie dazu von ihrem Vater, der sie in ihrer Kindheit mit Krippenfiguren in Berührung brachte. Die handwerkliche Begabung kommt von der Mutter, die Schneidermeisterin war. Die Idee zur Kieler Krippe kam der gebürtigen Emsländerin 1999 nach ihrem Umzug an die Förde. Mittlerweile besteht das Werk aus 80 Figuren, verteilt auf die Fläche einer Tischtennisplatte. Auf diese Größe ist das Gebiet der Kieler Förde geschrumpft, das sich in der Realität über eine Länge von 17 Kilometern erstreckt. Von der Kopfseite aus schaut man über das Wasser in das Krippenhaus hinein. Unter dem Dach der alten Kieler Fischhalle liegt das Jesuskind auf Möwenfedern gebettet.

Drei Jahre lang hat Moss die Krippenlandschaft auf dem Weihnachtsmarkt des Freilichtmuseums in Molfsee ausgestellt. „Da hatte ich immer in einer großen Scheune meinen Platz. Aber den Weihnachtsmarkt gibt es ja leider nicht mehr“, erklärt die 65-Jährige. Deshalb zeigt sie ihr Werk nun auf der 75. Telgter Krippenausstellung. Hier werden etwa 150 Krippen von 130 Berufs- oder Hobbykünstlern ausgestellt.

„Frau Moss ist bei uns zum ersten Mal dabei und hat über die letzten Jahre eine tolle Krippe aufgebaut, die bei den Besuchern total gut ankommt. Wenn ich eine Führung mache, beginne ich meistens hier“, sagt Museumsleiter Thomas Ostendorf. Auch künstlerisch sei die Krippe besonders: In der großen Landschaft habe Moss viele einzelne Alltagsszenen aus der damaligen Zeit zusammengestellt, bei denen die Besucher sich immer wieder gegenseitig auf kleine Details aufmerksam machen.

In der Tat lassen sich an jeder Ecke kleine Besonderheiten erhaschen. Die Ellerbeker Fischerfrauen, die zur damaligen Zeit auf verschiedenen Fischmärkten ihre Waren anboten, bringen einen frischen Fang an Land. Die Heiligen Drei Könige hat es an den Anleger Mönkeberg verschlagen, am Holtenauer Leuchtturm positioniert sich ein Wärter in Galauniform und am Seemannsheim nehmen ehemalige Kieler Revolutionäre in resignierter Haltung neben den SPD-Politikern Gustav Noske und Lothar Popp Platz. Zudem sind unter den Figuren das Kieler Original Hein Pieper und Irmgard Krause, das erste Nivea-Mädchen, zu finden.

 

 

 Ostendorf ist nicht nur von den Details, sondern auch vom Engagement der Kielerin begeistert: „Zum Auf- und Abbau mietet sie jeweils einen Transporter, kommt für drei Tage hier runtergefahren und bezahlt alles selbst“, sagt er.

 Doch der schon jetzt beachtliche Aufwand beim Verladen des Werks schreckt Moss nicht: „Ich habe noch Ideen für ungefähr 20 zusätzliche Figuren im Kopf“, sagt sie und nennt zum Beispiel die ehemalige deutsche Politikerin Toni Jensen, die sich in der Nachkriegszeit in der Kieler Kommunalpolitik engagierte. Die historischen Vorlagen für ihre Figuren findet sie zumeist beim Wälzen von Büchern und Postkarten. „Im Stadtarchiv bin ich Stammkunde und zusätzlich noch Mitglied bei der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte.“

 Neben der Herstellung der zeitgenössischen Figuren hat die Kielerin auch bei deren Kleidung Hand angelegt. Sich selbst hat die 65-Jährige ebenfalls verewigt. An der Hand ihrer Großmutter steht sie als kleines Mädchen inmitten des Trubels.

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