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Tandem mit gemeinsamen Interessen

„Kulturgrenzenlos“ Tandem mit gemeinsamen Interessen

Ein Tandemprojekt in der Alten Mu will Kieler und Flüchtlinge zusammenbringen. Die Partner werden nach dem Prinzip des Online-Datings zusammengebracht. Unter sich müssen sie aber nicht bleiben. Sozialministerin Kristin Alheit schaute sich das Projekt vor Ort an.

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Jale Demir (23)aus Büsum und Wessam Hamed (24) aus Damaskus sind seit fünf Wochen ein Tandem: Hier verzieren sie Tontöpfe zusammen mit Sozialministerin Kristin Alheit.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. In einem Raum voller Menschen zu sein und niemanden zu kennen – für so manche ist das keine angenehme Vorstellung. Nicht jedem liegt die Kontaktaufnahme mit Fremden. Jana Nau (27) und Lea Lükemeier (26), die Initiatorinnen von „Kulturgrenzenlos“, wissen sich da zu helfen. In den Räumen der Alten Mu rufen sie erst einmal alle Anwesenden, Sozialministerin Kristin Alheit eingeschlossen, zu einem Kennenlernspiel auf: Auf wen die Aussage „Trinkt lieber Kaffee als Tee“, „Mag die Berge lieber als das Meer“ oder „Singt unter der Dusche“ zutrifft, findet sich mit anderen in einer Gruppe wieder. So kommt man spielerisch miteinander ins Gespräch. Ideale Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Themenabend, bei dem neben dem Schnack bei Kuchen und Heißgetränken auch das Verzieren von Tontöpfen auf dem Programm steht.

 Das Tandemprojekt „Kulturgrenzenlos“, das es mittlerweile seit zwei Jahren gibt, richtet sich an Kieler und gleichermaßen an Flüchtlinge. Dabei geht es nicht etwa ums Fahrradfahren: Tandems sind Partner zum Sprache(n) lernen und für einen interkulturellen Austausch, die regelmäßig etwas zusammen unternehmen. Beim gemeinsam Erkunden der Stadt lernt man sich kennen.

 „Kulturgrenzenlos“ vermittelt den ersten Kontakt zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, indem die Tandempartner ähnlich wie bei einer Dating-Plattformen „gematcht“ werden: In einem Online-Steckbrief geben sie neben ihrem Alter auch Interessen und Sprachkenntnisse an. „Bei gemeinsamen Interessen in einer Altersgruppe ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Leute sich verstehen“, erklärt Lea Lükemeier den Sinn dieser Vorauswahl. Eines ist den Initiatorinnen besonders wichtig: „dass das ein Austausch auf Augenhöhe ist, von dem jeder etwas hat“. In den vergangenen zwei Jahren hat der Verein fast 450 Tandems vermittelt, von denen zwei Drittel sich noch immer regelmäßig treffen.

 Der Kontakt zwischen Jale Demir (23) aus Büsum und Wessam Hamed (24) aus Damaskus ist noch relativ frisch. Sie haben sich erst fünf Wochen beim Bowlen mit „Kulturgrenzenlos“ kennengelernt. „Seitdem waren wir zum Quatschen im Café, vier oder fünf Mal im Fitnessstudio, syrischen Döner essen, bei einem Quizabend und letzte Woche haben wir Curry gekocht,“ erzählen die beiden, die gerade mit Kristin Alheit Tontöpfe mit Serviettentechnik dekoriert haben.

 Die Sozialministerin ist „von der Lebendigkeit und der Eigeninitiative“ begeistert: „Alle sprechen hier miteinander, die Tandems bleiben nicht nur unter sich. Auch Probleme im Alltagsleben sind kein Tabuthema – man redet einfach über alles. Schön für mich ist auch, dass es gar keine Berührungsängste gibt.“ Das Sozialministerium fördert das Projekt, indem es eine hauptamtliche Koordinatorenstelle für die ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe bezahlt. Diese Stelle teilen sich Judith Tomann und Dana Schröer, die sich bei „Kulturgrenzenlos“ auch ehrenamtlich engagieren. „Dass Ehrenamtlichkeit so auf Dauer gebunden werden kann, war unser Ziel“, erläutert Alheit.

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