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Katzheide und Flughafen: Heftiger Schlagabtausch im Rat

Kritik an Bürgerbeteiligung Katzheide und Flughafen: Heftiger Schlagabtausch im Rat

In der Ratsversammlung kam es zum Schlagabtausch über den Verlauf der Öffentlichkeitsbeteiligung für das Freibad Katzheide und über die Zukunft des Flughafens Holtenau. Doch zum ersten Mal legte eine breite politische Mehrheit ein Bekenntnis für den Weiterbetrieb der Landebahn ab.

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Noch ist unklar, wann das Freibad Katzheide wieder öffnet.

Quelle: Frank Peter (Archiv)

Kiel. Losgetreten hatten die Flughafen-Debatte CDU und FDP, die nach dem Ausstieg der Grünen aus der Kooperation mit SPD und SSW auf starken Rückenwind setzten und ihn auch erhielten. Die Verwaltung forderten sie auf, die Beschränkung auf flugaffines Gewerbe aufzuheben und die Planungen für ein klassisches Gewerbegebiet im Norden des Areals ebenso voranzutreiben wie für das im Süden vorgesehene Wohngebiet: Endlich eine Zukunftsperspektive und Planungssicherheit schaffen statt, wie von den Grünen gewollt, „die Büchse der Pandora durch eine Schließung öffnen“, warb CDU-Fraktionschef Stefan Kruber bei SPD und SSW, die sich jetzt „nicht mehr vom kleinen grünen Kobold durch die Arena jagen lassen müssen.“ SPD-Wirtschaftspolitikerin Özlem Ünsal warnte ebenfalls vor den Risiken der Altlasten unter dem Gelände, personellen und finanziellen Forderungen, sollte der Betrieb der Landebahn eingestellt werden: Die SPD bekenne sich zum dauerhaften Weiterbetrieb des Flughafens, um Investoren Planungssicherheit zu verschaffen, Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu ermöglichen, erteilte sie wie Marcel Schmidt (SSW) einer Schließung eine klare Absage. Ein deutliches Signal, wie sehr sich die Kräfteverhältnisse in der Ratsversammlung verändert haben: SPD und SSW fügten in einem Änderungsantrag lediglich ein paar Präzisierungen ein, sodass CDU und FDP ihn in ihren Urspungsantrag übernahmen.

Die Grünen, die ein Bürgerbegehren gegen den Flughafen initiieren wollen, und die Linken hielten wie erwartet dagegen. Der grüne Fraktionsvize Lutz Oschmann zitierte das Gutachten, das bei einer Schließung deutlich mehr Arbeitsplätze, höhere Steuereinnahmen und eine größere Gewerbefläche prognostiziert habe: Seit die letzte Linienmaschine 2006 in Holtenau gestartet sei, habe die Stadt den Betrieb mit sechs Millionen Euro subventionieren müssen. Geld, das „für eine nutzlose Infrastruktur versenkt“ worden sei, warf Stefan Rudau (Linke) der Stadt vor. Ein hohes Defizit, der geplante Airpark gescheitert und eine nötige millionenschwere Sanierung – „eine 80-prozentige Mehrheit können Sie sich beim Bürgerentscheid abschminken“, prophezeite Oschmann SPD, CDU, SSW und FDP.

Beim Thema Katzheide zeigten sich dagegen wieder die alten politischen Konstellationen: Einmütig versicherten SPD, Grüne und SSW, das Freibad erhalten zu wollen, aber nicht in der jetzigen Form. „Eine Weiterentwicklung ist unbedingt nötig“, erklärte Wolfgang Schulz (SPD) und kritisierte wie Kiels Sportdezernent Gerwin Stöcken (SPD) den Verlauf der Öffentlichkeitsbeteiligung für das Freibad. Nur die Kinder und Jugendlichen hätten ernsthaft Alternativen zum Sommerbad diskutiert, so Stöcken. „Bei den Erwachsenen haben wir noch Übungsbedarf“, zeigte er sich enttäuscht über die geringe Beteiligung an den Informationsveranstaltungen. Die Integration des Sommerbades in den Sport- und Begegnungspark sei gar nicht behandelt worden.

Unterstützung bekam Stöcken von Michael Frey (CDU). Einigen sei es nur darum gegangen, alles zu erhalten, wie es sei, kritisierte er. Man habe die Bürger verschaukelt, die nicht über eine „Schrumpfversion“ des Bades reden wollten, konterte Stefan Rudau (Linke), wie Andreas Regner (WIR) Mitglied in der Bürgerinitiative „Katzheide Ja“: „Wir wollen das Freibad erhalten – mit 50-Meter-Becken und Sprungturm.“ Es folgten gegenseitige Vorwürfe, sodass Stadtpräsident Hans-Werner Tovar zur Mäßigung mahnen musste. So warf SPD-Ratsherr Torsten Stagars Regner vor, im Beteiligungsverfahren Kinder manipuliert zu haben, was dieser als „unwahr“ zurückwies und von „Betonköpfen in der SPD“ sprechen ließ. Während Stagars auch die Idee einer „Traglufthalle“ für das Bad ins Gespräch brachte, warnte Kruber vor der Illusion, „dass für Katzheide große Geldfässer zur Verfügung stehen“. Stöcken betonte, dass es aus Sicht der Stadt eine klare Reihenfolge gebe: Zunächst stehe das Hörn-Bad, das noch 2017 eröffnet werden soll, im Blickpunkt. Dann komme Schilksee, dann Hammer, „und da wird Katzheide sich einreihen müssen“.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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