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Unterbringung im Ostseeterminal geplant

Flüchtlinge in Kiel Unterbringung im Ostseeterminal geplant

150 Flüchtlinge haben die Nacht zu Dienstag im Kieler Bahnhof verbracht. Von Flüchtlingsinitiativen hagelt es Kritik: Stadt und Polizei hätten sich aus der Verantwortung gestohlen. Jetzt soll der Ostseeterminal für die kommenden drei Nächte als temporäre Unterkunft dienen.

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Das Bild am Kieler Hauptbahnhof: Die Flüchtlinge haben überall dort, wo sie zumindest ein wenig vom Wind geschützt waren, ihr provisorisches Nachtlager aufgeschlagen.

Quelle: hfr

Kiel. Der Zug mit den 150 Flüchtlingen erreichte den Kieler Hauptbahnhof gegen ein Uhr nachts. Dort wurden sie von Flüchtlingsinitiativen in Empfang genommen. Da sich sonst niemand um die erschöpften Menschen gekümmert habe, habe man privat Essen und Getränke sowie Decken und Isomatten organisiert, berichtete Martin Weiß von der antirassistischen Flüchtlingsinitiative Kiel. Die Flüchtlinge hätten überall dort, wo sie zumindest ein wenig vom Wind geschützt waren, ihr provisorisches Nachtlager aufgeschlagen. Mittlerweile ist die Kritik bei der Stadt angekommen. Neben der geplanten Unterbringung der Flüchtlinge im Ostseeterminal für die kommenden drei Tagen wird zudem geprüft, ob feste Unterkünfte im alten C&A Gebäude und in der Markthalle in Kiel entstehen können.

Belegungssituation in den Erstaufnahmen

Die aktuelle Belegungssituation der Erstaufnahmen für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein laut der Polizei.

Belegungssituation der Flüchtlingsunterkünfte | Create infographics

Protestaktion

Die antirassistischen Flüchtlingshilfe im Kieler Rathaus führte um 14 Uhr eine Aktion durch, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Die Helfer kritisierten massiv Stadt und Polizei. Von der Stadt sei niemand zu sehen gewesen, die Bundespolizei habe sich zurückgezogen. „Anscheinend ist es nicht möglich, eine humanitäre Grundversorgung mit Decken, Verpflegung, sanitären Anlagen oder gar medizinische Versorgung für Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Elend aus ihrer Heimat flüchten müssen, zur Verfügung zu stellen. Stattdessen müssen diese Menschen – geplagt von Strapazen monatelanger Flucht - in der Kälte der Kieler Bahnhofshalle übernachten“,  sagte ein Helfer.

Landes- und Bundespolizei  prüfen nun die Vorwürfe. Grundsätzlich werde aber immer den Flüchtlingen angeboten, in die Erstaufnahme gebracht zu werden. Viele lehnen das ab, weil sie  fürchten, dort registriert zu werden und anschließend nicht weiterreisen zu dürfen.

Bei der Stadt Kiel hieß es, man sei  im Gespräch mit  dem Bahnhofsmanagement, der Polizei und dem Land, um eine gewünschte Unterstützung durch die Stadt zu klären. „Natürlich ist uns daran gelegen, dass Flüchtlinge, die hier nachts stranden, gut versorgt werden. Daran wirken neben der Stadt weitere Akteure mit. Für die aktive Unterstützung durch die Flüchtlingsinitiativen sind wir ebenfalls sehr dankbar“, sagte Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska.


Die Flüchtlingshelfer wollen dennoch am Dienstag um zwei Uhr eine Protestaktion vor dem Kieler Rathaus starten. Außerdem stellt man sich auf weitere Flüchtlinge ein. „Die Bewegung der Geflüchteten wird sich auch durch neue Abschottungsmaßnahmen nicht  aufhalten lassen. Wir werden den Transit weiter unterstützen“, sagte Weiß, „in den letzten Tagen wurden tausende Euro aus Privatspenden aufgewendet, um Menschen Tickets zu finanzieren, weil sie selbst auf der Flucht alle Mittel aufgebraucht haben.“  Daher sei auch finanzielle Unterstützung von Stadt und Land notwendig. So lange dies nicht gewährleistet sei, könne vielen Flüchtlingen weiterhin nur über Spenden  der Weg nach Schweden ermöglicht werden.

Der Flüchtlingsrat sammelt für Fährtickets Geld auf dem Konto seines gemeinnützigen Fördervereins:  IBAN: DE52 5206 0410 0006 4289 08 BIC: GENODEF1EK1

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